Festsitzende Berner

23. März 2020 04:56; Akt: 23.03.2020 04:56 Print

«Ab Mittwoch werden wir zurückgeflogen»

Drei Berner sitzen derzeit in Buenos Aires fest. Dort wurde kürzlich eine Ausgangssperre ausgerufen. Ab Mittwoch holt das Aussenministerium die Schweizer zurück.

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Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Das bekommen auch drei junge Berner zu spüren, die sich gerade in Argentinien befinden. «Wir wollten eine mehrmonatige Reise durch Südamerika machen», erzählt Lemuel (20). Mit seinen beiden Freunden Martin (19) und Calvin (20) war er gerade im Norden von Argentinien unterwegs, als sie die Medienkonferenz des Bundesrates verfolgten. Bundesrat Ignazio Cassis rief alle Schweizer im Ausland auf, zurückzukommen. «Bis dahin glaubten wir noch, dass wir unsere Reise fortsetzten können.»

Nach der Pressekonferenz beschlossen die drei einen Flug zurück nach Buenos Aires zu nehmen. «Wir dachten, dass wir von dort aus die besten Chancen hätten, um einen Flug zurück in die Schweiz zu bekommen», sagt Lemuel. Dies erwies sich jedoch als schwieriger als gedacht. «Da wir ein One-Way-Ticket gelöst und kein Rückflugticket hatten, bekamen wir keinen Flug.» So erging es auch Tausenden anderen Schweizer im Ausland. «Wir erkundigten uns mehrmals beim Aussenministerium. Doch dort wurde uns gesagt, dass wir uns selber organisieren müssten», sagt Lemuel.

Auch der Bundesrat vertritt diesen Standpunkt: «Das Gesetz sagt klar, dass es in der Eigenverantwortung des Bürgers liegt, dass er ins Ausland reist und wieder zurückkommt», sagt Ignazio Cassis in einem Interview mit «SRF».

Bundesrat appelliert an Eigenverantwortung

Für die drei Berner eine verzwickte Situation. Während sie in Buenos Aires ein Hostel suchten, wurde in Argentinien eine Ausgangsperre ausgerufen. Wer sich draussen aufhält, muss mit hohen Bussen rechnen. Zum Flughafen kommt nur, wer ein gültiges Flugticket vorweisen kann. Einkäufe sind nur früh morgens möglich. «Polizisten sind mit Megafonen auf der Strasse und weisen die Leute daraufhin, daheim zu bleiben», erzählt Lemuel. Die Berner wussten nicht, wie und ob sie wieder in die Schweiz kommen.

Das Aussenministerium EDA weiss von rund 8000 Schweizern, die sich zurzeit im Ausland befinden. Jedoch könnten nicht alle heimgeholt werden: «Wir können nicht überall ein Flugzeug hinschicken», sagte Hans-Peter Lenz, Chef Krisenmanagement EDA, am Freitag gegenüber «10 vor 10». Für die drei Berner naht jedoch Hilfe: Das EDA holt ab Montag rund 600 Schweizer zurück, die in Südamerika festsitzen. Dafür kommen Sondermaschinen zum Einsatz. «Wir haben am Samstag erfahren, dass ab Mittwoch Leute von Buenos Aires zurückgeholt werden», sagt Lemuel.

Beunruhigende Aussichten

Er ist froh, bald wieder in der Schweiz zu sein: «In einer solch unsicheren Situation lebt es sich im gewohnten Umfeld am besten.» Die Berner finden es schade, dass ihr Trip so abrupt endete. Da jedoch nicht davon auszugehen sei, das sich die Situation in den nächsten Wochen bessere, wolle man zurückkommen. Ausserdem wollen die Berner das Gesundheitssystem von Argentinien nicht unnötig auslasten. «Wir geniessen hier noch die letzten Tage an der Sonne und kommen dann zurück.»

Der Bundesrat ruft Schweizer Reisende zur Rückkehr in die Heimat auf. Damit der Bund jene, die im Ausland blockiert sind, unterstützen kann, sollen sich diese so schnell wie möglich auf der «Travel Admin App» registrieren.

(rc)