Forderung

24. April 2019 08:46; Akt: 24.04.2019 13:25 Print

Sollen E-Skateboards legalisiert werden?

von S. Ulrich - Trendfahrzeuge wie E-Skateboards und Hoverboards gehören für den Strassenverkehr legalisiert, fordern Hersteller. Das Anliegen stösst auf wenig Anklang – nicht einmal bei den Grünen.

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Am Karfreitag kam es in Bellmund BE zu einem tragischen Unfall: Ein 42-Jähriger fuhr mit seinem E-Skateboard in Richtung Zentrum, als er bei einer Verzweigung stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog – so schwer, dass er später im Spital verstarb.

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Sollten E-Skateboards, Hoverboards und Co. auf Schweizer Strassen zugelassen werden?

Eigentlich hätte der Mann in diesem Gebiet mit seinem Gefährt gar nicht unterwegs sein dürfen: Die meisten der elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge, darunter E-Skateboards, Hoverboards, Smartwheels oder Monowheels, haben keine Typengenehmigung und dürfen daher nur auf abgesperrtem Areal benutzt werden. Erlaubt sind bestimmte E-Trottinette und Stehroller (Segways).

Wie viele Unfälle sich jährlich mit Elektrofahrzeugen ereignen, die unerlaubterweise im Strassenverkehr benutzt werden, ist nicht bekannt. Die Kantonspolizeien Bern und Freiburg führen diesbezüglich keine Statistiken. Auch deshalb nicht, weil die offizielle Zuordnung zu einer Fahrzeugkategorie fehlt. Der Suva wurden zwischen 2012 und 2016 im Jahresdurchschnitt rund 220 Unfälle mit E-Trottinetten, Segways und Monowheels gemeldet, wie sich angibt.

Deutschland führt Test mit E-Skateboards durch

Fakt ist: Elektrisch angetriebene Fahrzeuge boomen – trotz Verbot im Strassenverkehr. «Seit 2015 haben wir unseren Absatz jedes Jahr um rund 30 Prozent gesteigert», sagt Benjamin Kaufmann, Geschäftsführer der Firma E-Longboard, die E-Skateboards und -Longboards zahlreicher internationaler Hersteller wie auch eine eigene Linie vertreibt. Fast monatlich kämen neue Produkte auf den Markt.

Dass die E-Skateboards nicht für den Strassenverkehr zugelassen sind, ärgert Kaufmann. «Sie sind sicherer als ein reguläre Skateboards», sagt er. Mit der E-Variante könne man sehr genau bremsen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h ergebe sich ein Bremsweg von zwei bis drei Metern, so Kaufmann. «Bei regulären Boards sind es zehnmal mehr.» Die E-Skateboards seien zudem sehr wendig, was das Ausweichen erheblich erleichtere.

Schliesslich spreche auch ein Blick über die Landesgrenze für eine Zulassung: In Deutschland können E-Skateboarder voraussichtlich ab Mai im Rahmen eines Testversuchs legal auf den Strassen herumkurven. «Deutschland nimmt bei der E-Mobilität eine Vorreiterrolle ein und verfügt über eine längere Erfahrung als die Schweiz», sagt Kaufmann. Der Board-Fachmann schätzt, dass hierzulande bereits heute um die 3000 E-Skateboarder durch Strassen rollen – Verbot hin und oder.

Auch Manuel Hug, Mitbegründer des Schweizer E-Skateboard-Herstellers Soflow, hält die Mikromobilität in modernen Verkehrskonzepten für unverzichtbar. Die Verkehrsprobleme in den Städten führten vermehrt zu Einschränkungen des Autoverkehrs. «Gerade in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man mit E-Skateboards und E-Trottinetten einfach enorm flexibel», sagt Hug.

«Konfliktpotenzial und Unfallgefahr würden steigen»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) steht einer erweiterten Zulassung von Trendfahrzeugen dagegen kritisch gegenüber. «Das Konfliktpotenzial und die Unfallgefahr würden sich erhöhen, weil sich mehr Verkehrsteilnehmer dieselbe Fläche teilen müssten», sagt Sprecher Marc Kipfer. Ausserdem würden sich die Trendfahrzeuge in ihrer Dynamik von den anderen Verkehrsmitteln unterscheiden. «Das wäre insbesondere auf dem Trottoir gefährlich, auf denen auch Kinder und ältere Menschen unterwegs sind», mahnt Kipfer.

Aber auch auf dem Velostreifen müsste laut BfU mit einer Zunahme an kritischen Verkehrssituationen gerechnet werden. «Dort sind heute schon neben den Fahrrädern immer mehr langsame und schnelle E-Bikes unterwegs», sagt Kipfer. Das BfU sagt daher klar: E-Skateboards, Hoverborards und Co. müssen im Strassenverkehr aussen vor bleiben.

Die Kapo Freiburg mahnt zudem, dass bei solchen Fahrzeugen aufgrund der fehlenden Zulassung die gesetzlich vorgeschriebenen, technischen Mindestanforderungen fehlen. «Daher könnten die elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge unter Umständen qualitative Mängel aufweisen», sagt ein Sprecher.

Selbst die Grünen können sich für eine Legalisierung im Strassenverkehr derzeit nicht erwärmen. Kilian Baumann, Grossrat und Mitglied der Verkehrskommission, begrüsst zwar grundsätzlich den E-Trend im Strassenverkehr. Eine Zulassung von E-Skateboards und Smartwheels hält aber auch er für verfrüht. «Wir haben derzeit noch zu wenig Velobahnen, wo solche Geräte ohne zusätzliche Konflikte zirkulieren können», so der Politiker. Umso mehr gelte es, die Infrastruktur nun schnellstmöglich für sie zu erweitern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bünzli am 24.04.2019 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Und der Klimawandel wird damit bekämpft, indem immer mehr Elektromotoren anstatt der Muskelkraft eingesetzt werden? Mit dem Elektrovelo/Scooter/Trotti oder Skateboard z.B. ins Fitness fahren. Wie doof ist denn das?

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  • P. Mermod am 24.04.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungsbewusst

    Ich fahre selber ein E-Trotinett (Marke: SoFlow, Typ: Urban Scooter) Da es mich flexibler reisen lässt da man es auch zusammenklappen kann und in den Zug mitnehmen lässt... Bin der Meinung wenn man Verantwortungsbewusst damit umgeht, wie mit jedem anderen Verkehrsmittel, stellt es einen auch vor keine Probleme...

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  • G.Pasnormale am 24.04.2019 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Zuerst bitte das Problem Auto,Velo,E Velo,Fußgänger u.s.w. lösen bevor noch andere mischt auf den Straßen und Troituar umefurtz. Schon genug Unfälle mit Todesfällen und schwerferletzungen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy M. am 29.04.2019 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Fahre selber E-Board

    Ich habe einen Firmenwagen der Diesel benötigt, sehr schnell ist und mich das Tanken nichts kostet. Früher bin ich mit meinem Auto in die Stadt gefahren oder zur Post oder zum meinem kleinen Garten, welcher 300m entfernt ist. Seit ich mein E-Skateboard habe, lasse ich mein Auto dafür stehen und fahre das alles mit dem Board. Für mich ist es bequem mit dem Board und macht Spaß! Hätte ich das Board nicht würde ich diese Strecken wieder mit dem Auto fahren! Ich könnte selbst bei geringer Geschwindigkeit 10kmh niemals so einen kurzen Bremsweg mit einem normalen Roller/Longboard hinbekommen .

  • mv am 28.04.2019 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    E Skateboards sind sicherer als normale Longboards

    legalize it! viel sicherer als mit den füssen bremsen zu müssen auf einem normalen longboard

  • Stirling am 25.04.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlafmützen in BB

    Das Problem ist, dass unsere Politiker so mit Geldscheffeln beschäftigt sind, dass sie so ziemlich jeden Trend verschlafen und wenns dann schon zu spät ist, erstmal mit einem Verbot reagieren. Es ist bei vielem so. In Nachbarländern bereits seit Jahren geprüft, reglementiert und genehmigt. Und in der Schweiz wird gewartet, bis 10'000 "illegal" damit herumfahren und dann wird das erstmal besprochen.

  • Rotfuchs am 24.04.2019 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache keine E-Autos

    Was da so alles mit bequemem Elektroantrieb als Rettung vor unserer Faulheit angeboten wird. Seltsam nur, dass bloss immer die E-Autos wegen Feinstaubbelastung und Ökobilanz kritisiert werden. Man stelle sich doch mal den wachsenden Berg an ausgedienten Akkus vor. Na ja, der steht ja nicht bei uns, sondern irgendwo in einem Drittweltland, wo die Menschen ohnehin nicht richtig drauskommen. Denen kann man das ja zumuten. Der Dreck unseres motorisierten Vergnügungswahns hat hier in unserem sauberen Land nichts zu suchen.

  • Anti-Atom am 24.04.2019 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Durchsetzungsvermögen des Staates

    Es ist immer das Gleiche. Vor 40 Jahren gab es Telefone zu kaufen die nur für den Export gedacht waren (Mickymaus) und von der PTT nicht zugelassen waren. Dann die Mountainbikes, alle ohne Licht. Die durften aber importiert werden. Komisch, wenn ich ein Auto importieren wollte, musste ich eine riesen lange Liste von Vorschriften erfüllen?!?. Die E-Trottis durften nur auf privatem Grund gefahren werden. Aber es gibt immer mehr, also legalisierte man diese und dürfen nun auf der Strasse fahren. Tun sie aber nicht, sondern auf dem Trottoir.

    • XC 90 am 25.04.2019 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anti-Atom

      Richtig, es darf gekuschelt werden! Früher hieß es "Es darf gelacht werden ". Die heutige Gesetzgebung ist nur noch zum Heulen. Und wenn ein Polizist einen guten Job macht, wird er vor Gericht gestellt.

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