Bern

16. März 2011 23:05; Akt: 16.03.2011 20:37 Print

Ein Tabu bricht auf: Jeder Fünfte kann kaum lesen

von Bigna Silberschmidt - Neun Jahre Schule und trotzdem grösste Mühe beim Schreiben und Lesen: Dieses Problem kennen 70 000 Berner. Der Film «Boggsen» bringt das Tabuthema Illetrismus nun an die Öffentlichkeit.

storybild

«Boggsen»: Tabuthema Illetrismus. (Container Film Edition)

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«Viele Betroffene schämen sich, über ihre Lese- und Schreibschwäche zu sprechen», so Rosita Della Morte vom Verein Lesen und Schreiben für Erwachsene im Kanton Bern. Sie weiss, wovon sie redet: 18 Prozent der Schweizer – rund 70 000 Berner – sind betroffen, doch nur ein kleiner Teil wagt es, sich für einen Kurs anzumelden.

Viele Illetristen gingen neun Jahre zur Schule und haben dennoch Schwierigkeiten, sich im Buchstabenwald zurechtzufinden. Die Gründe dafür seien vielfältig – oft handle es sich bei den Betroffenen aber um fachlich und verbal sehr kompetente Leute.

Zehn Personen haben das Schweigen nun gebrochen und treten im Film «Boggsen» des Emmentaler Regisseurs Jürg Neuenschwander an die Öffentlichkeit. Ein Vollzugsverantwortlicher beschreibt: «Es ist absoluter Horror, wenn man an die Wandtafel kommt und vor der ganzen Klasse blossgestellt wird.» Ein Grafiker, der seit drei Jahren einen Schreibkurs besucht, sagt: «Schade, ich hätte das eigentlich vor zwanzig Jahren machen sollen.» Unterstützt wurde der Film unter anderem von der Berner Erziehungsdirektion. Er sei das «beste Kommunikationsmittel, um Betroffene zu erreichen und sie zum Handeln zu ermutigen». Premiere ist am Samstag im Bubenberg-Kino Bern.

www.boggsen.ch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 17.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schreibschwäche ist nichts neues

    Schreibschwäche ist nichts neues. Wer nicht täglich schreibt und liest, verliert schnell an Routine. Es ist gut, dass dieses Thema aufgegriffen wird.

  • Susanne Reich am 17.03.2011 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    toll!

    Ich find's toll, dass einige den Mut gefasst haben und etwas dagegen tun wollen. Sie leiden völlig unnötig. Wie gross muss der Leidensdruck sein, dass man sich nicht outet. Jeder, welcher lesen und schreiben kann, könnte jemandem helfen, dies auch zu können, ein Nachbar oder Freund. Man kann dies doch auch bewundern, anstelle darüber zu lachen, dass jemand endlich den notwendigen Schritt tun und ihr Leben dadurch enorm bereichern.

  • Schulkritiker am 17.03.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja klar

    Als ich zur Schule ging, musste ich regelmässig vorlesen oder an der Tafel etwas schreiben. Mit Blamagen und Lobeshymmen. Aber ich habe mich dann halt am Riemen gerissen oder ausgeruht! Heute darf man ja keine Kinder mehr kritisch prüfen, benoten oder gar vor der Klasse blossstellen! Und schon gar nicht Privat fördern, weil sie ja dann einen Vorteil im Leben haben könnten. Vielen Dank 68er und Linke. Alles gleichmachen - und nach unten nivellieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 17.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schreibschwäche ist nichts neues

    Schreibschwäche ist nichts neues. Wer nicht täglich schreibt und liest, verliert schnell an Routine. Es ist gut, dass dieses Thema aufgegriffen wird.

  • Schulkritiker am 17.03.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja klar

    Als ich zur Schule ging, musste ich regelmässig vorlesen oder an der Tafel etwas schreiben. Mit Blamagen und Lobeshymmen. Aber ich habe mich dann halt am Riemen gerissen oder ausgeruht! Heute darf man ja keine Kinder mehr kritisch prüfen, benoten oder gar vor der Klasse blossstellen! Und schon gar nicht Privat fördern, weil sie ja dann einen Vorteil im Leben haben könnten. Vielen Dank 68er und Linke. Alles gleichmachen - und nach unten nivellieren.

  • Susanne Reich am 17.03.2011 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    toll!

    Ich find's toll, dass einige den Mut gefasst haben und etwas dagegen tun wollen. Sie leiden völlig unnötig. Wie gross muss der Leidensdruck sein, dass man sich nicht outet. Jeder, welcher lesen und schreiben kann, könnte jemandem helfen, dies auch zu können, ein Nachbar oder Freund. Man kann dies doch auch bewundern, anstelle darüber zu lachen, dass jemand endlich den notwendigen Schritt tun und ihr Leben dadurch enorm bereichern.