Munitionslager Mitholz BE

06. Dezember 2018 09:51; Akt: 06.12.2018 09:51 Print

Einwohner sollen Schutzkeller einrichten

Im ehemaligen Munitionslager Mitholz liegen noch immer tonnenweise scharfe Bomben. Der Bund will deshalb nun die Überwachung der Anlage verstärken.

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Gemeindepräsident Roman Lanz hatte bei einer öffentlichen Infoveranstaltung im Oktober betont, dass die neue Einschätzung der Gefahr, die von dem verschütteten Munitionsdepot ausgeht, die Bevölkerung schockiert und in Angst versetzt habe. Mathias Peterle hatte die Situation im Munitionslager Mitholz bereits Mitte Jahres analysiert. Er spricht von einem möglichen «Horrorszenario». Gleich mehrere Faktoren seien ungünstig, so der staatliche Bombenentschärfer. Unter anderem, dass die alten Sprengkörper nahe beieinander liegen. Peterle sorgt sich auch um die hochgradig krebserregenden Stoffe, welche mit der Zeit in die Umwelt gelangen könnten. Im Bild: Eine Bombe in Mitholz. Die Materialermüdung sei ebenfalls ein Problem. Möglich sei etwa, dass die Aussenhüllen der Bomben und der Zündysteme wegen der Verwitterung abbrechen, das Innenleben aber funktionsfähig bleibe. Der Eingang zum alten Munitionsdepot in Mitholz im Kandertal. Ein Bericht einer Expertengruppe kommt zum Schluss, dass im ehemaligen Munitionslager Mitholz ein höheres Risiko für eine weitere Explosion von Munitionsrückständen besteht, als bisher angenommen. Im zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Kandergrund BE ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut. Im Jahr 1947 kam es darin zu Explosionen, wobei neun Menschen starben. Ein weiterer Teil konnte daraufhin geräumt werden. Nach dieser Katastrophe sah Mitholz wie ein vom Krieg verwüstetes Gebiet aus. Über 200 Menschen wurden obdachlos. Mehr als 100 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt. Die Unglücksursache konnte nie restlos geklärt werden. Aufgrund einer Schätzung befinden sich in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor noch rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff, wie der Bundesrat in seinem Communiqué mitteilt. Frühere Beurteilungen in den Jahren 1949 1986 kamen jeweils zum Schluss, dass bei einer weiteren Explosion nur mit kleinen Schäden zu rechnen sei und dass die Anlage weiter genutzt werden könne. Bei Planungsarbeiten für ein neues Rechenzentrum in der Anlage haben nun aber Untersuchungen ergeben, dass äussere Einwirkungen wie ein Felssturz eine Explosion verursachen könnten. Das Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sowie Kantons und Behördenvertreter aus der Region informierten über die inzwischen vollständige Riskoanalyse. Der Bund will beim im verschütteten Munitionslager keine Sofortmassnahmen ergreifen. Bundesrat Guy Parmelin meinte Ende Juni noch, es bestehe keine Notwendigkeit, das Dorf Mitholz zu evakuieren oder die Strasse nach Kandersteg zu sperren.

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Mit technischen Hilfsmitteln verbessert der Bund die Überwachung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz im Berner Oberland. Ein Expertenteam sucht zudem bis Mitte 2020 nach Möglichkeiten, um das Risiko einer neuen Explosion zu beseitigen oder wenigstens zu senken.

Die Bevölkerung von Kandergrund wurde am Mittwochabend über den Stand der Arbeiten informiert, wie der Kanton Bern und die Gemeinde Kandergrund gemeinsam mitteilten. Seit Sommer 2018 ist bekannt, dass das Risiko einer Explosion im ehemaligen Munitionslager höher ist als angenommen.

Aussensensoren, Kameras, Gasmesser, Alarm-App

Zurzeit werden geologische Aussensensoren installiert. Innerhalb der Anlage stehen künftig Video- und Wärmebildkameras zur Verfügung. Anfang Jahr wird zudem ein System installiert, um austretende Gase zu messen.

Sofortmassnahmen für die lokale Bevölkerung brauche es nicht, hatten Experten bereits im Sommer festgestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten aber ein Merkblatt, damit sie sich im Fall einer Explosion oder einer Evakuierung richtig verhalten.

Der Bevölkerung wird unter anderem empfohlen, einen Keller vorzubereiten, in dem sich alle Hausbewohner mindestens einen Tag lang aufhalten können. Zudem sollen die Anwohner auf ihrem Smartphone die Alertswiss-App installieren.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Evakuierungskonzept. Alle Bewohnerinnen und Bewohner müssen sich beim Verlassen des Gebietes bei einer Registrierungsstelle melden.

Notumfahrung links der Kander

Der Kanton Bern gab an der Informationsveranstaltung auch bekannt, dass er eine einspurige Notumfahrung plant: Ein bestehender Flurweg links der Kander soll zur asphaltierten Strasse ausgebaut werden. So könnten nach einer Explosion auch Lastwagen und Busse das Schadengebiet umfahren.

Das Munitionslager wurde im Zweiten Weltkrieg erstellt und 1947 bei einer Explosion verschüttet. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Munition im Berg sicher verwahrt sei.

2017 gab das Verteidigungsdepartement eine neue Risikobeurteilung in Auftrag. Externe Experten kamen zum Schluss, dass äussere Einwirkungen wie ein Felssturz oder eine Selbstzündung der Munitionsrückstände eine Explosion verursachen könnte, die auch Schäden in der nahen Umgebung zur Folge hätte.

Suche nach Lösungen

An einer Info-Veranstaltung im Oktober hatten Bewohnerinnen und Bewohner deutlich gemacht, dass sie die vollständige Räumung des Munitionslagers erwarten. Dass alles so lange daure, sei schwer verständlich. Vertreter des Bundes entgegneten damals, für einen seriösen Entscheid brauche es gesicherte Grundlagen.

Wie das Verteidigungsdepartement (VBS) jetzt bekanntgab, wird mit Hanspeter Aellig ein vollamtlicher Projektleiter eingesetzt. Zusammen mit einem Team werde er bis Mitte 2020 «Varianten erarbeiten, welche das Risiko beseitigen respektive nachhaltig senken».

(sda)