Bauer bleibt auf Erdbeeren sitzen

04. Juli 2019 20:59; Akt: 04.07.2019 22:36 Print

«Absurde, sinnlose Verschwendung»

Durch das heisse Wetter wurden fünf Tonnen Erdbeeren von Bauer Bruno Spycher schneller reif als üblich. Zu reif, fand ein Schweizer Grossverteiler.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die vergangene Hitzwelle wird den hiesigen Bauern zum Verhängnis: Die Erdbeeren wurden in Rekordzeit reif und rot – zu schnell für die Schweizer Detailhändler. Die Erdbeerenlieferung von Bruno Spycher etwa wurde deshalb vor wenigen Tagen von einem Grossisten abgelehnt, dies berichtete der TV-Sender «Tele Bärn». Fünf Tonnen Erdbeeren – fast die Hälfte der gesamten Ernte des Bauerns aus dem Emmental.

Umfrage
Kaufen Sie Erdbeeren aus dem Ausland?

«Die Grossisten wünschen nicht reife, sondern schlecht-reife Erdbeeren, die man länger lagern kann», sagt der Bauer. Letztere hätten dann aber auch weniger Geschmack und noch weniger Vitamine. Der Unterschied sei «wie Tag und Nacht», so der 40-Jährige gegenüber 20 Minuten. Er weiss, dass die Früchte heute oft lange transportiert und zwischengelagert werden, bevor sie tatsächlich im Verkauf und beim Konsumenten landen. Spycher: «Das war früher nicht so.»

Grossisten setzen auf Lagerfähigkeit

Von Tele Bärn auf den Fall angesprochen, lässt etwa der Schweizer Detailhändler Coop verlauten, dass saisonale Früchte und Gemüse aus der Schweiz immer Priorität hätten. Aufgrund der grossen Hitze habe es aktuell nicht genügend Erdbeeren aus der Schweiz. Daher habe man zusätzlich Erdbeeren aus Belgien und Deutschland im Sortiment.

Die Antwort der Migros geht in eine ähnliche Richtung. Die Verantwortlichen fügten jedoch hinzu, dass Erdbeeren auch eine gewisse Lagerungsfähigkeit überstehen müssten, sei es im Geschäft oder zu Hause beim Kunden.

«Das Wetter allein gibt den Takt vor»

Spycher wünscht sich, dass die Grossverteiler bei den Bestellungen wieder mehr mit den Launen der Natur gehen würden und reife Früchte etwa auch einmal günstiger anbieten würden. «Das Wetter allein gibt den Takt vor», so Spycher.

Für den Landwirt und seine Ernte hat es am Ende doch noch ein – wenn auch ein kleines – Happy-End gegeben: Das Thuner Unternehmen Frischer Fritz hat angekündigt, eine Tonne der roten Sommerfrüchte zu kaufen und diese umgehend in den Ladenregalen anzubieten. Auch der Verein Grassrooted, der sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt, wird am Freitag in Zürich eine weitere Tonne von Spychers Erdbeeren verkaufen. Sie bezeichnen den Fall als «absurde, sinnlose Verschwendung».


(rab)