JVA Witzwil

14. Februar 2019 05:49; Akt: 14.02.2019 10:10 Print

«Insassen nehmen täglich Drogen»

In der offenen Strafanstalt Witzwil soll im grossen Stil mit Drogen gehandelt werden. Auch sonst hätten die Häftlinge sehr viele Freiheiten. Die Verantwortlichen widersprechen vehement.

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«80 Prozent der Insassen nehmen täglich Drogen», mit diesen Worten beschreibt ein ehemaliger Häftling der JVA Witzwil BE das Gefängnisleben. In der offenen Strafvollzugsanstalt leben zurzeit 166 erwachsene Männer. M.* war einer von ihnen. Obwohl die JVA strenge Regeln vorschreibe, halte sich kaum einer der Insassen daran. «Von den 20 Leuten in einer sogenannten WG besitzen 18 ein Handy», «Insassen kiffen in ihren Gefängniszellen», «Im Gefängniskiosk floriert der Handel mit Drogen» oder «Im Garten werden Drogen versteckt» erzählt M. Auf dem riesigen Gelände der JVA, auf dem auch Landwirtschaft betrieben wird, gibt es laut M. einen florierenden Drogenhandel: «Pro Tag werden locker 40 Gramm Haschisch umgesetzt.» Versteckt würden die Drogen in den verschiedensten Ecken. «Der Schweinestall auf dem Areal ist ein beliebter Drogenplatz.» Gedealt würde vor allem mit Marihuana, aber: «Zum Teil wird auch Kokain und Heroin gehandelt. Ausserdem ist häufig Anabolika im Umlauf.» Organisiert werde der Handel von einer kleinen Gruppe: «Die sind gut vernetzt nach draussen, über den Aussenhof werden sie mit Stoff beliefert.» Ebenfalls ein Problem seien abgelaufene Lebensmittel: «Als ein Lebensmittelkontrolleur zu Besuch kam, wurden in Windeseile alle abgelaufenen Lebensmittel entsorgt.» Teilweise seien die Produkte jeweils über ein Jahr über dem Datum, so M. (Symbolbild) Geniessen die Häftlinge in der JVA Witzwil also Narrenfreiheit? «Nein», erklärt Isabelle Ledermann, Leiterin Führungssupport. «Es werden regelmässig Drogentests durchgeführt und Verstösse werden konsequent behandelt. Auch das Hygienekonzept werde von der JVA vollumfänglich umgesetzt. Das Wichtigste an einem offenen Vollzug sei Vertrauen in die Häftlinge: «Die Kooperation und damit die Einhaltung der Anstaltsordnung wird grundsätzlich vorausgesetzt.»

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«80 Prozent der Insassen nehmen täglich Drogen», mit diesen Worten beschreibt ein ehemaliger Häftling der Justizvollzugsanstalt Witzwil BE das Gefängnisleben. In der offenen Strafvollzugsanstalt leben zurzeit 166 erwachsene Männer. M* war einer von ihnen. Was er in der Zeit erlebte, möchte er nun publik machen. «Ich habe sehr viel Negatives gesehen.»

Obwohl die JVA, auf der auch Landwirtschaft betrieben wird, strenge Regeln vorschreibe, halte sich kaum einer der Insassen daran. «Von den 20 Leuten in einer sogenannten WG besitzen 18 ein Handy», «Insassen kiffen in ihren Gefängniszellen», «Im Gefängniskiosk floriert der Handel mit Drogen» oder «Im Garten werden Drogen versteckt», erzählt M.

Drogenverstecke in den Feldern

«Pro Tag werden locker 40 Gramm Haschisch umgesetzt.» Versteckt würden die Drogen in den verschiedensten Ecken: «Der Schweinestall auf dem Areal ist ein beliebter Drogenplatz.» Dadurch, dass es wenige Sicherheitsmitarbeiter und sonstiges Personal gebe, sei dieser Drogenhandel kaum zu kontrollieren, und: «Es gibt Ecken, die nicht videoüberwacht sind.»

Gedealt würde vor allem mit Marihuana, aber: «Zum Teil wird auch Kokain und Heroin gehandelt. Ausserdem ist häufig Anabolika im Umlauf.» Organisiert werde der Handel von einer kleinen Gruppe: «Die sind gut vernetzt nach draussen, über den Aussenhof werden sie mit Stoff beliefert.»

Lebensmittel teilweise über ein Jahr abgelaufen

Allgemein zeichnet M. ein düsteres Bild der JVA. Die Sicherheitskontrollen seien äusserst gering. «Theoretisch könnte man auch Waffen hineinschmuggeln, da es keinen Metalldetektor gibt.» Es habe auch Situationen gegeben, in denen Häftlinge nach Verstössen gegen das Handyverbot am nächsten Tag die SIM-Karte zurückbekommen hätten.

Ebenfalls ein Problem seien abgelaufene Lebensmittel: «Als ein Lebensmittelkontrolleur zu Besuch kam, wurden in Windeseile alle abgelaufenen Lebensmittel entsorgt.» Teilweise seien die Produkte jeweils über ein Jahr über dem Datum, so M.

«Drogentests werden durchgeführt»

Geniessen die Häftlinge in der JVA Witzwil also Narrenfreiheit? «Nein», erklärt Isabelle Ledermann, Leiterin Führungssupport. «Es werden regelmässig Drogentests durchgeführt und Verstösse werden konsequent geahndet.» Die Gefangenen würden auf realitätsnahen Arbeitsplätzen arbeiten, innerhalb der 800 Hektar grossen Fläche.«Kontrollen finden laufend statt.» Auch der Besitz von Mobiltelefonen sei verboten und der Besitz werde geahndet und sanktioniert.

Bei den Lebensmittelkontrollen würde der Versorgungsbereich einem gesetzlich geforderten Hygienekonzept unterliegen. «Dieses Konzept wird in der JVA Witzwil vollumfänglich umgesetzt», versichert Ledermann.

Das Wichtigste an einem offenen Vollzug wie in Witzwil sei Vertrauen in die Häftlinge: «Die Kooperation und damit die Einhaltung der Anstaltsordnung wird grundsätzlich vorausgesetzt.»

* Name der Redaktion bekannt

(20 Minuten)