«Brehmers Stadtmuschikanten»

12. Februar 2020 18:31; Akt: 12.02.2020 19:02 Print

Fasnachtszeitung wegen Sexismus zurückgezogen

Ein Solothurner Fasnachtsblatt machte sich in herabwürdigender Weise über eine Journalistin lustig. Nun wurde die Zeitung aus den Stadtgeschäften zurückgezogen.

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«Unter jeder Sau», «krasse Grenzüberschreitung» oder «einfach nur peinlich»: Die Reaktionen auf einen Ausschnitt aus der Solothurner Fasnachtszeitung «11 minuten», den Journalistin Maria Brehmer auf Facebook postete, fallen heftig aus. Das Blatt zeigt Brehmer nackt und mit einem Glas Weisswein im Swimmingpool. Der Beitrag trägt die Überschrift «Liebes Leben, wir müssen reden» – in Anlehnung an Brehmers gleichnamige Kolumne bei den AZ Medien.

Auslöser der Entrüstung ist allerdings nicht das Bild, das die 34-Jährige vor einigen Wochen auf ihrer Instagram-Seite veröffentlicht hatte, sondern die Titelvorschläge, die sich die Autoren des Narrenblättchens dazu ausgedacht haben. Diese lauten etwa «Wassermelonen zum Selberpflücken», «Brehmers Stadtmuschikanten» oder «Marias Kochtipp: Pouletbrüstchen mit Weisswein».

«Kein Mehrwert»

Für Brehmer sind damit die Grenzen des guten Geschmacks bei weitem überschritten. In der «Solothurner Zeitung» spricht sie von «unterirdisch sexistischen Anspielungen». Diese hätten sie persönlich zwar nicht sonderlich getroffen, wie Brehmer gegenüber 20 Minuten angibt. «Vielmehr war ich schockiert, dass die Macher der Fasnachtszeitung in derart tiefe Schubladen greifen und es ein solcher Beitrag an die Öffentlichkeit schafft.»

Sie finde es richtig und wichtig, dass an der Fasnacht allerlei Themen und Geschehnisse in satirischer und provokanter Weise aufgegriffen würden. Allerdings müssten die Inhalte einen Mehrwert aufweisen. «Der ist definitiv nicht gegeben, wenn man sich über Brüste und Genitalien lustig macht», so die Kolumnistin.

«Nacktheit berechtigt nicht zu verächtlichen Sprüchen»

Gerade in Fasnachtskreisen seien Witze über Frauen aufgrund von Äusserlichkeiten noch immer weit verbreitet, moniert Brehmer. Männer hingegen müssten keine sexualisierten Angriffe erdulden. «Ich glaube jedenfalls kaum, dass sich je ein Fasnachtsblatt über kleine Penisse von Männern, die in der Öffentlichkeit stehen, lustig gemacht hat.»

Bei all dem Zuspruch auf Social Media muss sich Brehmer zuweilen den Vorwurf gefallen lassen, wer sich so freizügig exponiere, müsse Reaktionen wie jene in der Fasnachtszeitung in Kauf nehmen oder provoziere solche sogar. Das sei «Schwachsinn», sagt Brehmer: «Nur weil auf einem Foto nackte Haut zu sehen ist, berechtigt das nicht zu herabwürdigenden und verächtlichen Kommentaren.» Mit eben dieser Haltung sehe sie sich aber immer wieder konfrontiert.

«Wir haben einen Fehler gemacht»

Die Fasnachtszeitung, die gratis in diversen Geschäften der Stadt auflag, wurde am Dienstag zurückgezogen. Die Redaktion tat dies aus freien Stücken, ohne dass Brehmer es verlangt hätte. «Wir haben einen Fehler gemacht und stehen dazu», sagt «11 minuten»-Präsident Markus Benz. Der Beitrag sei vor der Veröffentlichung in der Redaktion kontrovers diskutiert worden. «Die einen fanden das Foto nicht gut, die anderen den Text. Auf die Idee, dass beides unangemessen ist, kam leider niemand», so Benz.

Nun versuche man, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. So werde sich die Redaktion in der Neuauflage, die am nächsten Montag herauskommt, öffentlich bei Maria Brehmer entschuldigen. «Wir werden uns mit unseren Namen zu erkennen geben, was bei einer Fasnachtszeitung sonst nicht üblich ist», sagt Benz. Zudem habe man Brehmer angeboten, einen Teil der Einnahmen aus den Inseraten an eine Organisation ihrer Wahl zu spenden.

(sul)