Kampagne der Heks

08. Mai 2017 18:56; Akt: 09.05.2017 01:00 Print

Flüchtlinge lernen zu schwingen und zu jodeln

von Simon Ulrich - Bei der Kampagne «Farbe bekennen» werden Schweizer und Flüchtlinge gemeinsam in alte Volkstraditionen eingeführt. Das soll sie einander näherbringen.

Stimmen von Organisatoren, Politikern, Künstlern und Flüchtlingen gibts im Video (Video: SUL).
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Lautstarkes Kuhglocken-Gebimmel erfüllte am Montagmorgen Punkt zehn Uhr den Berner Waisenhausplatz. Es war der Startschuss zur Kampagne «Farbe bekennen für eine menschliche Schweiz», die vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) initiiert und von über 130 Partnern mitgetragen wird.

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Schwingen und Jodeln für Flüchtlinge – eine gute Idee?
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Insgesamt 942 Teilnehmer

«Integration durch Tradition» lautet das Prinzip der Kampagne. Konkret: In den kommenden sechs Wochen werden unter professioneller Leitung Workshops in diversen Schweizer Volksdisziplinen durchgeführt, an denen Flüchtlinge und prominente Schweizer gleichermassen teilnehmen. Der zweifache Schwingerkönig Ernst Schläpfer führt etwa in die Kunst des Hosenlupfs, Musikerin Eliana Burki ins Alphornblasen oder Gesangspädagogin Barbara Berger ins Jodeln ein.

Urchig-urbanes Älplerfest in der Altstadt

Die interkulturellen Begegnungen zwischen Sägemehl und Alphornklängen sollen Schweizer und Flüchtlinge einander in einem spielerischen Rahmen näherbringen. «Was eignet sich dafür besser als unsere klassischen Bräuche, bei denen man auf ungezwungene Art miteinander ins Gespräch kommen kann?», sagt dazu Dieter Wüthrich, Leiter Medien und Information beim Heks. Ziel der Kampagne sei es, die humanitäre Tradition der Schweiz mit ihrem traditionellen Brauchtum zu verbinden.

Neben Flüchtlingen werden verschiedene Schweizer Persönlichkeiten wie etwa Ständerätin Pascale Bruderer, Chansonnier Michael von der Heide, Rapper Greis oder Moderatorin Gülsha an den Workshops teilnehmen. Am Flüchtlingstag vom 17. Juni werden sie am urchig-urbanen Älplerfest auf dem Berner Bahnhofplatz – gleichzeitig der Schlusspunkt der Kampagne – zeigen, was sie bei den Profis gelernt haben. «Dann können selbstverständlich auch die Zuschauer mitmachen», verspricht Wüthrich.

Zeichen für eine menschliche Schweiz setzen

Die Kosten für die Workshops und den Abschlussevent belaufen sich laut Heks-Sprecher auf «unter 100'000 Franken». Die Frage sei erlaubt: Liesse sich das Geld nicht für Sinnvolleres als Schwingen und Jodeln ausgeben? «Das Heks hat bereits viele weitere Angebote wie Deutsch- und Integrationskurse oder auch Rechtsberatungen für Flüchtlinge», kontert Wüthrich. Ein weiteres inhaltliches Kernstück der Kampagne sei zudem die Website engagiert.jetzt, eine Plattform, auf der sich einerseits im Flüchtlingsbereich tätige Non-Profit-Organisationen präsentieren und andererseits interessierte Freiwillige nach Einsatzmöglichkeiten im Flüchtlingsbereich suchen können.

«Farbe bekennen» sei in erster Linie eine Sensibilisierungs-Kampagne, die dieses Jahr bereits zum zweiten Mal lanciert wird. Die Diskussion rund um Flüchtlinge werde aktuell von Polemik und Populismus überschattet, findet Wüthrich: «Dagegen wollen wir ankämpfen und ein Zeichen für eine menschliche Schweiz setzen.» Und das habe eben auch seinen Preis.