25. April 2005 16:45; Akt: 25.04.2005 21:57 Print

Frühfranzösisch macht das Rennen

Frühfranzösisch s'il vous plaît: Schülerinnen und Schüler sollen im Kanton Bern bereits ab der dritten Klasse Französisch lernen, Englisch steht ab der fünften Klasse auf dem Stundenplan.

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Das Kantonsparlament hat am Montag zu diesem Punkt der regierungsrätlichen Bildungsstrategie Zustimmung signalisiert. Bisher stand Französisch ab der fünften Klasse auf dem Stundenplan, Englisch ab der siebten Klasse. Die Reform soll ab dem Schuljahr 2011/2012 umgesetzt werden.

Zwei Vorstösse wollten dem Englischen den Vorzug geben. Die eine Motion forderte Englisch ab der dritten Klasse, Französisch ab der fünften. Die zweite Motion wollte Englisch als fakultatives Fach ab der dritten Klasse anbieten. Beide wurden jedoch deutlich abgelehnt.

Sowohl für Französisch wie für Englisch wurden haufenweise gute Argumente ins Feld geführt. Nach den Fraktionen meldeten sich auch noch 14 Einzelsprecher zu Wort.

Aus staatspolitischer Sicht liege im zweisprachigen Brückenkanton Bern Französisch nahe, argumentierten die Befürworter des Frühfranzösisch. Die Westschweiz lehre als erste Fremdsprache Deutsch und könnte es als Affront empfinden, wenn Bern nicht Gegenrecht halte.

Demgegenüber könnte mit Frühenglich eine Harmonisierung mit der Deutschschweiz erreicht werden, konterten die Gegner. Auch die Wirtschaft gebe Englisch den Vorzug. Zudem kämen die Kinder viel eher mit der Weltsprache Englisch in Kontakt und würden sie auch lieber lernen. Alle Fraktionen von links bis rechts vermeldeten schliesslich aber Mehrheiten fürs Französisch - ganz im Sinne der Regierung.

Das Fremdsprachenkonzept ist Bestandteil einer ganzen Bildungsstrategie. Diese beinhaltet jedoch weit mehr als nur das Fremdsprachenkonzept. Mit ihr werden verschiedene weitere Reformprojekte angepeilt, so etwa die Einführung einer Basisstufe in der Volksschule oder die Anstellung von Schulsozialarbeitern.

Die Schlussabstimmung über die Bildungsstrategie findet voraussichtlich am Dienstag statt. Mit der Ablehnung der Englisch- Vorstösse signalisierte der Rat jedoch seine Zustimmung zum regierungsrätlichen Fremdsprachenkonzept mit Frühfranzösisch.

(sda)