Frauenfussball

13. November 2019 04:48; Akt: 13.11.2019 04:48 Print

«Als Frau kann man kaum vom Fussball leben»

Die finanzielle Gleichberechtigung ist in vielen Sportarten bereits Realität. Nicht so im Fussball. Auch Alana Burkhart von den YB-Frauen bekommt das zu spüren.

Alana Burkhart spielt in der ersten Mannschaft der YB Frauen, studiert an der PH Bern und hält sich daneben mit einem Callcenter-Job über Wasser. (Video:RC)
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Fussballerinnen vom FC Barcelona, dem Valencia CF oder Atlético Madrid stecken derzeit in einer hitzigen Debatte. Viele Spielerinnen und Gewerkschaften der Spanischen Liga fordern von den Vereinen einen Mindestlohn für Profi-Fussballerinnen in Spaniens höchster Fussball-Liga der Frauen. 15'000 Euro pro Saison sind gefordert, dies entspricht einem Monatslohn von 1250 Euro. Da die Vereine nicht auf diese Forderung einsteigen wollen, drohen die Spielerinnen nun mit einem Streik.

Ist die Situation bei Schweizer Fussballerinnen die gleiche? Ja, sagt Alana Burkhart, Verteidigerin bei den YB-Frauen. Im Gegensatz zu den Männern könnten Frauen in der Schweiz nicht alleine vom Gehalt als Profifussballerin leben. «Viele von uns kämpfen mit einer Doppelbelastung. Sie gehen nebenbei zur Schule, an die Uni oder zur Arbeit», sagt Burkhart.

Die 20-jährige Lengnauerin spielt in der ersten Mannschaft der YB-Frauen, studiert an der PH Bern und hält sich zusätzlich mit einem Callcenter-Job über Wasser. «Ich denke, dass die Fussballerinnen aus Spanien mit dem Streik ein Zeichen setzten wollen», so Burkhart. Obschon die Problematik auch hier in der Schweiz vorherrsche, glaubt sie nicht an einen Streik von Schweizer Fussballerinnen. «Wir müssen kleine Schritte in die richtige Richtung machen. Aber ich hoffe, dass auch hier irgendeinmal ein Mindestlohn eingeführt wird», sagt Burkhart.

Nur selten im Fernsehen

In vielen Sportarten ist die finanzielle Gleichberechtigung längst Realität. Im Tennis, in der Leichtathletik oder beim Skifahren gibt es beispielsweise kaum finanzielle Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Profis. Doch wieso sind diese Unterschiede im Fussball so krass? «Ich denke, dass der Frauenfussball im Moment noch zu wenig Platz in der Öffentlichkeit erhält», sagt Alana Burkhart dazu. Die Spiele der Frauen würden nur selten im Fernsehen gezeigt und auch in den Zeitungen lese man nur wenig über Frauenfussball.

Für die Spielerinnen sei es deswegen besonders schwierig, von einem Sponsor finanzielle Unterstützung zu erhalten. Dies sei im Männer-Fussball um einiges einfacher. Trotzdem sei die Schweiz auf einem guten Weg: «Ich denke, dass der Frauenfussball in der Schweiz immer mehr in der Gesellschaft ankommt», sagt Burkhart.

Mit Jungs gespielt

Burkhart begann ihre Karriere beim FC Lengnau, ihrem Heimverein. Bis sie in die U16 des FC Solothurn wechselte, spielte und trainierte sie vor allem mit Jungs. Dies sei für sie ein Vorteil gewesen: «Bei den Jungs lernt man, sich auch physisch durchzusetzen.» Mit knapp 16 Jahren schaffte es Burkhart dann in die Nati B, zum SC Derendingen. Dort konnte sie viel Spielerfahrung sammeln und schaffte mit ihrem Team sogar den Aufstieg in die oberste Spielklasse.

Später wechselte sie dann in die U19 der YB-Frauen, ihrem Herzensverein. Die Verteidigerin erspielte sich schnell einen Stammplatz, wurde mit den YB-Frauen Meister und gewann mit ihrer Mannschaft den FIFA Youth Cup gegen Valencia. Anschliessend erhielt Burkhart das Aufgebot für die erste Mannschaft von YB. Neben dem Fussball studiert sie an der PH Bern, um später einmal Lehrerin zu werden.

Das nächste Spiel der YB Frauen findet am Samstag um 16:00 Uhr gegen GC Zürich statt. Der Eintritt ist frei. Das Spiel findet auf dem Sportplatz Wyler statt.

(rc)