Besetzung in Bern

05. Juli 2018 17:15; Akt: 05.07.2018 17:15 Print

Beim Gaswerk soll eine Utopiestadt entstehen

Im Gaswerk-Areal hängen Transparente, es wird gesägt und gehämmert: Das Gebiet wurde in der Nacht auf Donnerstag besetzt. Ein Kollektiv will dort eine ganze Stadt realisieren.

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«Belebt und Besetzt» steht auf einem grossen Transparent auf dem Gaswerkareal in Bern. Seit Donnerstag hat sich hier das Besetzerkollektiv «Anstadt» niedergelassen. Die Gruppe will eine Utopiestadt ohne Profit und Miete, dafür mit viel Kreativität und Narrenfreiheit aufbauen. Laut eigener Mitteilung soll in der Stadt das «füreinander und miteinander» im Zentrum stehen. Besitzer des Areals ist der Stadtberner Energieversorger ewb. Dieser hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. «Das Gespräch wird stattfinden», sagte Alexandra Jäggi von ewb. Auch das Kollektiv habe sich für Gespräche bereit erklärt. Die Stadt Bern plant, das Gaswerkareal zu überbauen. In einigen Jahren soll dort ein lebendiges Quartier unter anderem mit gemeinnützigem Wohnraum entstehen. Die Bagger dürften aber wohl frühestens 2021 auffahren. Vorher muss unter anderem noch das Volk grünes Licht für die Überbauung geben. Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Berner Gaswerkareal alternative Wohnformen beherbergt werden. In den 80er-Jahren liess sich dort die Gemeinschaft Zaffaraya nieder. 1987 wurde die Hüttensiedlung in einem umstrittenen Polizeieinsatz geräumt. Darauf zogen Demonstrantinnen und Demonstranten während mehreren Tagen durch die Stadt, besetzten Strassen und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Schliesslich kam das «Zaff» beim Neufeld zu stehen. Im Bild: Das Zaffaraya-Provisorium auf dem Neufeld, neben der Autobahn bei Bern, aufgenommen im Dezember 1989. (KEYSTONE/Str) Die alternative Wohnsiedlung existiert dort auch heute noch.

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Seit Donnerstagmorgen ist das Gaswerkareal in der Stadt Bern besetzt. «Belebt und Besetzt» steht auf einem Transparent, diverse Zelte stehen auf dem mit Stacheldraht umzäunten Areal und es wird eifrig gebaut. Ein Kollektiv namens Anstadt hat sich in der Nacht auf Donnerstag hier niedergelassen. Die Gruppe will eine «Utopiestadt ohne Profit und Miete, dafür mit viel Kreativität und Narrenfreiheit» aufbauen.

Entsprechend wird das Areal auch gestaltet: Besonders augenfällig ist etwa ein Boot, das mitten auf dem Areal platziert wurde. Daneben wurden Blachen aufgespannt, die Schutz vor Regen bieten. Laut Mitteilung der Aktivisten soll in der Stadt das «füreinander und miteinander» im Zentrum stehen.

Bald offen für Interessierte

Auch konkrete Projekte haben sich die Besetzenden schon ausgedacht: eine Tausch- und Leihwerkstatt («damit nicht alle ihre eigenen Werkzeuge kaufen müssen»), ein Nähatelier und ein Bootskafi. Anstadt sei ein Treffpunkt zum Spielen, Austauschen, Vernetzen und Ausprobieren. Der Ort soll laut Kollektiv bald allen Interessierten offenstehen.

Besitzer des Areals ist der Stadtberner Energieversorger ewb. Dieser hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. «Das Gespräch wird stattfinden», sagte Alexandra Jäggi von ewb. Auch das Kollektiv habe sich für Gespräche bereit erklärt.

Die Stadt Bern plant, das Gaswerkareal zu überbauen. In einigen Jahren soll dort ein lebendiges Quartier unter anderem mit gemeinnützigem Wohnraum entstehen. Die Bagger dürften aber wohl frühestens 2021 auffahren. Vorher muss unter anderem noch das Volk grünes Licht für die Überbauung geben.

Besetzer-Ort mit Geschichte

Es ist nicht das erste Mal, das das Berner Gaswerkareal alternative Wohnformen beherbergt. In den 80er-Jahren liess sich dort die Gemeinschaft Zaffaraya nieder. Diese ging aus der Berner Alternativszene rund um das 1982 geschlossene Autonome Jugendzentrum «Zaff» hervor. 1987 wurde die Hüttensiedlung in einem umstrittenen Polizeieinsatz geräumt.

Darauf zogen Demonstrantinnen und Demonstranten während mehreren Tagen durch die Stadt, besetzten Strassen und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Heute steht die Siedlung auf einem Terrain beim Autobahnanschluss Neufeld.

(20 Minuten/sda)