Schulhaus in Sigriswil

07. Februar 2019 05:51; Akt: 07.02.2019 08:24 Print

«Mein Znüni ist ständig gefroren»

In Sigriswil klagen Schüler und Eltern über beschwerliche Zustände im Containerschulhaus Raft. In der Garderobe sei es so kalt, dass der Proviant einfriere.

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Sigriswil am Thunersee: Ein beschauliches Dorf mit wunderbarem Blick auf die Alpen. Doch an der Schule Raft geht es zurzeit alles andere als harmonisch zu und her. Grund dafür sind die als Provisorium gebauten Schulcontainer aus dem Jahre 2010. 20 Minuten hörte folgende Aussagen dazu: « Die erste bis sechste Klasse werden immer noch in diesen Container unterrichtet, obwohl das Ganze für fünf Jahre gedacht war»,... ...«den Schülern gefriert im Winter ihr Znüni, weil sie aus Platzmangel die Taschen in einem separaten Raum abstellen müssen», «trotz Platzmangel haben die Lehrer ein riesiges Lehrerzimmer.» Weil die Garderobe in den Containern zu klein sind für die vielen Schüler, dient ein Bauwagen als temporärer Ersatz. Obwohl eine Heizung im Wagen vorhanden wäre, wird diese laut den Kindern vor Ort nicht benutzt. Auch sie ärgern sich über die Zustände:«Mein Znüni ist ständig gefroren», erklärt ein Junge. Schokolade sei teilweise so hart wie Stein.«Das Znüni zerkrümelt häufig.» Die 2010 als Provisorium gebauten Schulcontainer wurden aufgrund von Platzmangel aufgestellt. Ursprünglich seien sie nur für fünf Jahre gedacht gewesen, so eine Mutter. Ausserdem hätten die Lehrer ein riesiges Lehrerzimmer, das früher als Mensa genutzt worden sei. Diesen Punkt bestätigt ein weiterer Vater und ergänzt:«Die Lehrer haben viele schöne Räume.» Er habe manchmal das Gefühl, es fehle am politischen Willen. «Sigriswil setzt sehr wenig auf junge Menschen. Im Dorf hört man häufig Menschen, die über die Jugendlichen motzen.» Die Gemeinde solle nun handeln, denn: «Die Jugend ist unsere Zukunft.» Um der Schule Raft die Möglichkeit zu geben, sich zu rechtfertigen, hakt 20 Minuten bei mehreren Personen nach. Jedoch will sich niemand zu dieser Angelegenheit äussern.«Das ist ein heisses Eisen», erklärt eine Person. Schliesslich äussert sich Gemeinderatspräsident Beat Oppliger:«Das Provisorium 2010 entstand aus Platzgründen.» Das Ziel sei nun, dass die Container verschwinden.«Realistisch gesehen sollte dieser Schritt 2022 geschehen sein.» Zur improvisierten Garderobe im Bauwagen wollte sich der Politiker nicht äussern.

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Primarschüler aus Sigriswil plagen derzeit ungewöhnliche Sorgen: Ihr Znüni friert ständig ein. «Möchte ich in der grossen Pause meinen Proviant essen, geht das nicht. Denn mein Znüni ist hart wie Eis», sagt ein Schüler. Mitgebrachte Schokolade etwa werde bereits während der ersten Lektionen von der Kälte ganz bröselig.

Schuld daran sind nicht nur die winterlichen Temperaturen im Oberländer Dorf, sondern auch die Zustände, die an der dortigen Primarschule Raft herrschen. Wegen Platzmangel im Hauptgebäude werden einige Schüler seit 2010 ausserhalb in Containern unterrichtet. Ein dazu gestellter Bauwagen dient zudem als Garderobenraum, wo die Schüler auch ihren Znüni lagern. Obwohl es im Wagen eine Heizung gebe, werde diese nicht benutzt. «Es herrscht jeweils eisige Kälte», so ein Schüler.

Grosses Lehrerzimmer trotz Platzmangel

Dies bestätigt auch ein einheimischer Vater. Besonders ärgert ihn die «unfaire» Platzaufteilung: «Die Lehrer haben viele schöne Räume im Gebäude.» So werde etwa die ehemalige Kantine als grosses Lehrerzimmer genutzt.

Platzmangel gebe es also nicht wirklich, findet der Vater – «die Gemeinde hätte genügend Optionen, Änderungen vorzunehmen.» Er habe manchmal das Gefühl, es fehle schlicht an politischem Willen. «Sigriswil setzt sehr wenig auf junge Menschen. Im Dorf hört man häufig Menschen, die über die Jugendlichen motzen», weiss er. Die Gemeinde müsse nun handeln, denn: «Die Jugend ist unsere Zukunft.»

Auch die Mutter eines anderen betroffenen Kindes sagt, es sei an der Zeit, die 2010 als Provisorium aufgestellten Schulcontainer endlich abzuschaffen: «Man sprach von einer temporären Lösung für fünf Jahre. Jetzt stehen die Container schon bald 10 Jahre im Raft.»

Schule hält sich bedeckt

Mitarbeiter der Schule, die 20 Minuten auf dem Schulareal antraf, wollten sich nicht zur Situation um den gefrorene Znüni äussern. Auch per Telefon möchte niemand etwas sagen: «Das ist ein heisses Eisen», so etwa eine Frau.

Der Sigriswiler Gemeinderatspräsident Beat Oppliger hält sich gegenüber 20 Minuten bedeckt: «Kein Kommentar», hiess es auf die Frage nach den eisigen Zuständen. Zu den kritisierten Räumlichkeiten sagt er: «Das Provisorium wurde 2010 aus Platzgründen eingerichtet.» Und angesprochen auf das Lehrerzimmer antwortet er offen: «Eventuell hätte man dort noch eine Klasse unterbringen können. Aber das hätte auch keinen grossen Unterschied gemacht.»

Ziel sei nun, dass die Container verschwinden. «Realistisch gesehen sollte dieser Schritt 2022 vollbracht sein.» So lange müssen sich die Schüler also noch gedulden.


(bho)