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24. Juli 2014 06:06; Akt: 24.07.2014 11:20 Print

Geheimer Lysser Sexclub muss Türen schliessen

Während im Freizeitzentrum Kolibri Kinder Bowling spielten, ging es im Keller zur Sache: Erwachsene erfreuten sich am Partnertausch. Der Vermieter wirft den Swingerclub nun raus.

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Gedämpftes Licht, eine Bar und eine Poledance-Stange: Im Lysser Swingerclub La Groupe lebten Paare ihre Sexfantasien beim Partnertausch auf fünf verschiedenen «Spielwiesen» und in einem Sadomaso-Bereich aus – im Geheimen. Unter Szenekennern habe sich der Sextempel während knapp eines Jahrs grosser Bekanntheit erfreut, schreibt das «Bieler Tagblatt».

Die Gäste reisten aus der ganzen Schweiz nach Lyss, um ihrer Leidenschaft zu frönen – ein Paar lobte das Angebot im Online-Gästebuch als «neuen Stern am Swingerhimmel». Wer kommen wollte, musste sich zuvor anmelden.

«Diskret und defensiv»

Doch dann bekam der Vermieter Wind vom Treiben im Keller und kündigte dem Inhaber. «Als mir Bekannte vom Swingerclub erzählten, fiel ich fast vom Hocker», erzählt Wolfgang Chevalier, Geschäftsführer des Freizeitzentrums Kolibri, der direkt neben dem Swingerparadies liegt. Er sei geschockt gewesen und habe keine ruhige Nacht mehr gehabt: «Ich bin nicht prüde, aber wir zählen Familien mit kleinen Kindern zu unseren Gästen», so Chevalier gegenüber 20 Minuten weiter. Er habe Eigenbedarf für den Keller anmeldet.

«Wir waren sehr diskret und defensiv – das Niveau der Gäste war sehr hoch», sagt Swingerclub-Betreiber Adrian Uhlmann. Er habe rechtliche Schritte gegen den Rausschmiss eingeleitet und müsse den 400 Quadratmeter grossen Club nun per Ende September räumen. Dass er im Keller Swingerpartys veranstalte, habe er dem Vermieter nicht mitgeteilt, weil es zuvor bereits Differenzen gegeben habe.

Die letzte Swingerparty stieg Ende Juni: «Der verlangte Eintritt deckte nicht einmal meine Unkosten», so Uhlmann. Sein Hobby habe nicht rentiert. Seine Kollegin wolle nun in der Region Oberaargau einen öffentlichen Swingerclub eröffnen, er selber steige aus.

Angst vor Busse

Die Aufgabe des Swingerclubs gebe ihm derzeit aber weniger zu denken als die Furcht vor einer «ungerechtfertigten» Busse. Denn die Behörde untersuchen den Betrieb des Swingerclubs, da Uhlmann keine Gastgewerbebewilligung beantragt hatte. Er habe zwar eine Bar betrieben, aber: «Diese hat weniger als 30 Plätze, was mich meines Wissens von einer Gastgewerbebewilligung befreit», so Uhlmann. Zudem habe er zwar auch Übernachtungen angeboten – was aber nie jemand genutzt habe. «Wenn ich eine hohe Busse bekomme, wäre meine Existenz bedroht.»

«Wer ein Gastgewerbe betreibt, braucht eine Bewilligung dafür», sagt der zuständige Regierungsstatthalter Gerhard Burri zu den allgemeinen Spielregeln. Die Gemeinde und die Staatsanwaltschaft untersuchen den Fall.

(smü)