Vieh auf Abwegen

07. April 2019 19:45; Akt: 07.04.2019 20:21 Print

Grosse Rettungsaktion für Kuh Spächtli gestartet

Kuh Spächtli streift versteckt durch die Wälder von Worb BE. Jetzt versuchen Spezialisten Spächtli einzufangen – um sie auf einen Gnadenhof zu bringen.

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Jetzt ist Spächtil nicht mehr alleine: Die Kuh kam am Mittwochabend in ihrem neuen Zuhause an. Dies Nachdem die Kuh zuerst einige Tage in Quarantäne verbringen musste. Erst danach durfte Sie die Reise ins neue Zuhause im bayrischen Eslarn antreten. Dem Ganzen ging viel Arbeit voran. Nachdem Spächtli von ihrem Stall ausgebüxt war, konnte sie nur mit Mühe wieder eingefangen werden. 16 Tage brauchten die Mitarbeiter um Spächtli im Wald einzufangen und in einen Stall zu bringen. Die Helfer der Stiftung Gut Aiderbichl wandten einen Trick an, um die Kuh einzufangen. Zwei Artgenossen wurden nahe Spächtlis Aufenthaltsort im Wald gebracht. Weil Kühe Herdentiere sind, stelle sie sich zu diesen Kühen. So konnten die Helfer die Kuh einzäunen. Insgesamt verbracht das Tier vier Wochen im Wald. 16 Tage benötigten die Retter um Spächtli einzufangen. Pinderoli: «Für die Kuh war das eine extreme Stresssituation.» Kühe seien nicht gerne alleine unterwegs. Die Kuh konnte sich im Wald sehr gut verstecken. Erkennen Sie die Kuh auf dem Foto? Den Spezialisten gelang es ein Futterstelle für das Tier aufzubauen. So wurde verhindert, dass das Tier immer weiter wandert. Die Evolèner-Kuh war in den Wäldern um Worb unterwegs. Zunächst drohte der Kuh der Tod, sollte sie gefasst werden: «Das Risiko, Spächtli wieder auf dem Hof aufzunehmen, ist zu gefährlich», sagte der Besitzer. Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, hoffte auf eine andere Lösung. Der Tiergnadenhof Gut Aiderbichl, mit mehreren Niederlassungen im deutschsprachigen Raum, bot schliesslich an die ausgebüxte Kuh bei sich aufzunehmen. Doch Spächtli lange verschollen. Immer wieder wurde das Tier in der Region von weitem gesichtet, verschwand dann jedoch wieder. Der Rettungsaktion sei theoretisch am meisten geholfen, wenn Spaziergänger das betroffenen Waldgebiete meiden würde, teilte die Stiftung mit. «Wir alle wollen, dass es bei Spächtli eine Happy End gibt», sagt Pascale Pineroli von der Stiftung.

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Die entflohene Kuh Spächtli soll ihren Lebensabend auf einem Gnadenhof der Sitftung Gut Aiderbichl verbringen. «Wir haben die Kuh am Samstag übernommen. Jetzt starten wir eine grosse Rettungsaktion», sagt Pascale Pineroli. Denn damit die Evolénerin in ihr zukünftiges Heim übersiedeln kann, muss sie zuerst gefasst werden.

Kein leichtes Unterfangen: Seit zwei Wochen gelang es hiesigen Behörden nicht, das Tier einzufangen, gesichtet wurde es auch nur selten. «Sehr viele Menschen haben sich an uns gewandt, weil sie Spächtli helfen wollen», so Pineroli. Die Helfer würden anbieten, die Kuh selber zu suchen oder gar versuchen diese selber zu fangen. Das sei jedoch kontraproduktiv: «Es ist sehr schwer und auch gefährlich, etwa wenn die Kuh plötzlich irgendwo hinrennt, wo sie nicht hin sollte.» Der Rettungsaktion wäre am meisten geholfen, wenn Spaziergänger das betroffenen Waldgebiete meiden würde, heisst es weiter.

Im Wald fast unsichtbar

Wichtig sei, dass das Tier nicht noch mehr verstört werde. «Es braucht jetzt einfach Ruhe und Zeit», sagt Pineroli. Ihr Team bestimme derzeit mit einer Landkarte die möglichen Aufenthaltsorte der Worber Kuh. Diese würden dann in aller Ruhe durchkämmt. «Es braucht viel Erfahrung, um eine flüchtige Kuh zu fangen», so Pineroli.

Denn das Tier sei im Dickicht nur schwer zu erkennen. Ist die Kuh erstmal ausfindig gemacht, müsse man sehr behutsam vorgehen: «Ein klingelndes Handy kann bereits alles kaputt machen.» Läuft jedoch alles nach Plan, wird die Kuh mit einem speziellen Gewehr betäubt. «Der Schuss muss jedoch von naher Distanz abgefeuert werden und an der richtigen Stelle sitzen.» Dann könne Spätchtli abtransportiert werden.

Büxi war vier Wochen unterwegs

Doch bis es soweit ist, kann es laut Pineroli lange dauern – die Stiftung weiss, wovon sie spricht. Erst im Februar gelang es ihr die entlaufene Kuh Büxi einzufangen, nach vier Monaten intensiver Bemühungen. Auch diese verbringt nun ihr Leben auf einem der Gnadenhöfe in Deutschland und Österreich. Bei Büxi, die sich in der Gegend um Landshut versteckte, führten Schneespuren schliesslich zum Erfolgreichen Ende der Suche. «Wir alle wollen, dass es bei Spächtli ebenfalls eine Happy End gibt», so Pineroli.

Auf welchen der verschiedenen Gnadenhöfe Spächtli kommt, ist noch unklar: «Wir wollen das Tier und dessen Charakter erst kennenlernen. Dann wissen wir auch, wo es am besten hinpasst.»

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Tell am 07.04.2019 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalheldin

    Spächtli, ist das Symbol für Freiheit. Lang lebe unser Schweizer Symbol, die Kuh. Nicht Brexit, EU, Klima-Schutz sind in, sondern Spächtli, sie steht für unsere "Kuh-Schweiz"! Freiheit, Unabhängigkeit, Stolz und gute Milch.

  • BIOOO am 07.04.2019 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Veganer

    Waldmilch 100 % Bio 2019 Neu.

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  • Nicole am 08.04.2019 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Nachricht

    Danke an das Team von Aiderbichel. Dorthin sollte man Spenden wenn man es kann, denn die verstehen ihr Handwerk und die Tiere kommen an erster Stelle bei ihnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dietrer Marti am 08.04.2019 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    nicht so einfach

    wir haben selber schon erfahren müssen wie schwer es ist eine verwilderte Kuh wieder einzufangen nach dem Kt.Jagtinspektorat ein muss! Mit Futter anlocken = Misserfolg, Narkoseschuss = Misserfolg nach sechs Monaten Erfolg mit gezieltem Schuss von einem erfahrenen Jäger. Das Tier hat nicht leiden müssen!

  • Bäuerin am 08.04.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Herde locken.

    Warum nimmt man nicht ein paar Tiere "ihrer Herde" und zäunt sie in der Nähe des vermuteten Aufenthaltsort von Spächtli ein? Ich bin sicher, dass die Ausgebüxte froh wäre, Bekannte zu sehen/hören. Logisch, dass ein einzelnes Herdentier durchdreht, wenn es allein ist!

    • Eidgenossin am 08.04.2019 18:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Bäuerin

      Liebe Bäuerin,das mit dem Einzäunen und der Herde ist ein toller Vorschlag! Wenn man es so machen könnte,wäre der Wald halt mal für die Brvölkerung gesperrt aber in absehbarer Zeit wäre Spächtli eingefangen! Super Vorschlag! Liebe Grüsse

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  • BSN am 08.04.2019 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was denn nun?

    4 Wochen oder 4 Monate.....????

  • Nicole am 08.04.2019 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Nachricht

    Danke an das Team von Aiderbichel. Dorthin sollte man Spenden wenn man es kann, denn die verstehen ihr Handwerk und die Tiere kommen an erster Stelle bei ihnen.

    • @Sarah am 08.04.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nicole

      sehr traurig, dass du so denkst!

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  • Tom W. am 07.04.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuh=Sache

    Mal wieder ist eine Kuh nur ein Stück Vieh, also eine Sache. Wieso nehmen sich Menschen das Recht heraus, ein denkendes und fühlendes Lebewesen so zu unterjochen?