Zu hoher Wasserverbrauch

04. Februar 2020 05:01; Akt: 05.02.2020 13:58 Print

Gemeinde droht mit 5000 Franken Busse

In Unterbäch VS lassen Zweitwohnungsbesitzer in der Zwischensaison das Wasser laufen, um Heizkosten zu sparen. Das kann sie künftig teuer zu stehen kommen.

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In der Walliser Gemeinde Unterbäch gehen die Wassersünder um. Die Hauptschuldigen sind Zweitwohnungsbesitzer, die während der Zwischensaison «wochenlang das Wasser in Küche/Bad laufen lassen, statt die Wohnung zu heizen», wie der Gemeinderat schreibt. So wollen sie verhindern, dass das Wasser in den Leitungen gefriert und gleichzeitig Heizkosten einsparen. Um einen Mangel an Trinkwasser zu vermeiden, will die Gemeinde fortan Kontrollen durchführen – und verantwortungslose Wohnungsbesitzer zur Kasse bitten: «Wird nachweislich Wasser verschwendet, ist der Gemeinderat berechtigt, Bussen bis zu 5000 Franken zu verhängen.» «Wir haben festgestellt, dass der Wasserverbrauch während der Zwischensaison, wenn die Leute weg sind, höher ist als während der Hochsaison», sagt Gemeindepräsident Bernhard Wyss. Der 59-Jährige stösst sich am Verhalten der Leute, die das Wasser laufen lassen, während ihre Wohnung leer steht. «Trinkwasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel, das darf man nicht einfach so vergeuden», so Wyss. Zur moralischen komme die praktisch-ökonomische Komponente: Mit dem überschüssigen Trinkwasser werde in den vier Kleinkraftwerken des Dorfes Strom produziert. Dass gerade in Unterbäch im Umgang mit Wasser gesündigt wird, hat auch mit dem Wassertarif zu tun: Bezahlt wird eine Pauschale, die sich an der Grösse der Wohnung orientiert. Die Einführung von Wasserzählern, wie sie die meisten Gemeinden kennen, wurde erst im letzten Dezember an der Gemeindeversammlung abgelehnt.

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«Sauberes Trinkwasser ist ein Geschenk und für viele Menschen nicht selbstverständlich.» Die mahnenden Worte der Gemeinde Unterbäch VS an ihre Bewohner kommen nicht von ungefähr: Im 400-Seelen-Dorf werden Unmengen Wasser vergeudet. Die Hauptschuldigen sind Zweitwohnungsbesitzer, die während der Zwischensaison «wochenlang das Wasser in Küche/Bad laufen lassen, statt die Wohnung zu heizen», heisst es im Schreiben. So können sie Heizkosten einsparen und dennoch verhindern, dass das Wasser in den Leitungen gefriert.

Doch damit soll nun Schluss sein: Um einen Mangel an Trinkwasser zu vermeiden, will die Gemeinde fortan Kontrollen durchführen – und verantwortungslose Wohnungsbesitzer zur Kasse bitten: «Wird nachweislich Wasser verschwendet, ist der Gemeinderat berechtigt, Bussen bis zu 5000 Franken zu verhängen.»

Eine Frage der Moral – aber nicht nur

Das Problem existiere in Unterbäch wohl seit Längerem, sagt Gemeindepräsident Bernhard Wyss. In seinem vollen Ausmass sichtbar geworden sei es aber erst letztes Jahr, als man das Trinkwassernetz mit neuen Messgeräten ausgerüstet habe. «Wir haben festgestellt, dass der Wasserverbrauch während der Zwischensaison, wenn die Leute weg sind, höher ist als während der Hochsaison», sagt Wyss.

Der 59-Jährige stösst sich am Verhalten der Leute, die das Wasser laufen lassen, während ihre Wohnungen leer stehen. «Trinkwasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel, das darf man nicht einfach so vergeuden», so Wyss. Zur moralischen komme die ökonomische Komponente: Mit dem überschüssigen Trinkwasser werde in den vier Kleinkraftwerken des Dorfes Strom produziert. «Wenn im Winter zu viel Wasser verbraucht wird, fehlt uns in diesen Monaten der Überlauf.»

«Es geht wohl nur über den Geldsack»

Dass gerade in Unterbäch im Umgang mit Wasser gesündigt wird, hat auch mit dem Wassertarif zu tun: Bezahlt wird eine Pauschale, die sich an der Grösse der Wohnung orientiert. Die Einführung von Wasserzählern, wie sie die meisten Gemeinden kennen, wurde erst im letzten Dezember an der Gemeindeversammlung abgelehnt. «Im Prinzip ist das Wasser bei uns gratis», sagt Wyss.

In der Androhung der Bussen sieht die Gemeinde nun die letzte Möglichkeit, den Missstand zu beheben. Oft genug habe man versucht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren, sagt Wyss. Gebracht habe es nichts. «Am Ende geht es wohl nur über den Geldsack.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Riedolinho am 04.02.2020 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Busse mal gerechtfertigt

    Endlich mal eine schmerzhafte Busse, die wirklich gerechtfertigt ist.

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  • Geniesser69 am 04.02.2020 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geiz ist nicht geil

    Das Universum und die Dummheit der Menschen sind unendlich.....

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  • Küsi am 04.02.2020 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nogo

    Wow ich bin wirklich kein Umwelt-öko-Mensch mit meinem Auto und Lebensstil aber das geht gar nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 04.02.2020 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    etwas zu verheimlichen?

    Es ist interessant, dass die Zweitwohnungsbesitzer in Unterbäch für alle Probleme verantwortlich sind. Langsam aber sicher fühlt man sich nicht willkommen, jeder Wohnungsbesitzer zahlt Steuern- und Tourismusabgaben, unterstützt das örtliche Gewerbe (Dorfladen, Restaurants, Bergbahnen, etc.). Der Gemeinderat beschliesst willkürlich, und immer zum eigenen Nutzen. Wieso die Einwohner von Unterbäch gegen das Installieren von Wasseruhren sind ist für mich nicht nachvollziehbar (würde man plötzlich feststellen, dass nicht die Zweitwohnungsbesitzer an der Misere schuld sind?)

  • Housi vo Bigetu am 04.02.2020 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ich finde das Übetrieben! Soll doch Jeder machen was er will! Weniger Heizölverbrauch ist ja in der jetzigen Greta-Hysterie gut!

  • Roger Campos am 04.02.2020 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • E.rnst am 04.02.2020 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht

    Auf so eine perfide Idee können nur Eidgenossen kommen. Sparen wollen, profitieren etc.

  • anselm am 04.02.2020 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wasserverbrauch

    Mit dem kostbaren Gut, das der Gemeindepräsident meint, werden die Skipisten auf 1200 Höhenmetern beschneit, 4 subventionierte Kleinwasserkraftwerke gefüttert, Trinkwasser aufbereitet, Wiesen, Felder und Gärten gewässert, dazu verschwenden einige Ideoten das Wasser noch zusätzlich. Übrigens, die Gemeinde wollte Wasserzähler inkl. einer Wasserfreimenge, die um das 5fache höher wäre, als der durchschnittliche Wasserverbrauch der schweizer Haushalte ist, das sagt doch schon genug aus, wie das Wasser in Unterbäch auch im Sommer verschwendet wird. Es sollte in jedem Fall Wasserzähler montiert werden, allerdings mit einer kleinen Freimenge, ansonsten klingen die Worte des Gemeindepräsidenten wie ein Hohn.