Gerzensee BE

01. Juli 2014 13:56; Akt: 01.07.2014 13:56 Print

Gericht gibt jungem Räuber eine Chance

23 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren: So lautet das Urteil im Fall des Schweizers, der 2010 in Gerzensee den Dorfladen überfiel.

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Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte am Dienstag einen jungen Mann zu einer Freiheitsstrafe von 23 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Das Regionalgericht Bern-Mittelland sprach den 24-jährigen Mann des Raubs, des mehrfachen Diebstahls, der einfachen Körperverletzung, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der Beschimpfung, der Sachbeschädigung und mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig.

Zudem wurde der junge Schweizer zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 30 Franken; dies als Zusatzstrafe zu einem früheren Urteil. Das Gericht ordnete zudem eine ambulante Therapie an, damit der Mann sein Alkoholproblem in den Griff bekommt. Im Weiteren erhält der Verurteilte eine Bewährungshilfe. «Sie sind entlassen», sagte Gerichtspräsident Urs Herren am Dienstagvormittag nach der Urteilseröffnung in Bern. «Packen sie die Chance!»

Beschaffungskriminalität

Schon als Jugendlicher wurde der Verurteilte straffällig. Schon damals wurde er des Raubs, Diebstahls und der Körperverletzung schuldig gesprochen.

2010 war der damals 20-Jährige obdachlos und stand ohne Job da – selbstverschuldet, wie Herren bei der Urteilsverkündigung sagte. Alkohol, Drogen und Herumhängen bestimmten das Leben des nunmehr Verurteilten. Um zu Geld für Alkohol und Drogen zu kommen, bedienten sich der junge Schweizer und sein Kollege im August 2010 zuerst in der Kasse des Dorfladens Uttigen. Anfang September wollten sie dasselbe in Gerzensee tun, doch wehrte sich der Ladenbesitzer.

Der junge Schweizer griff dem Mann deshalb mit dem Arm um den Hals, brachte ihn zu Fall und bedrohte ihn dann mit einem Käsemesser. Deshalb handelte es sich nicht mehr um einen Diebstahl, sondern um Raub. Allein diesen Raubüberfall sanktionierte das Gericht mit 20 Monaten Freiheitsstrafe bedingt.

Nach diesem Überfall entrissen der junge Schweizer und sein Kollege auch noch in einem Kiesener Restaurant einer Serviceangestellten das Portemonnaie. Und am Weihnachtstag 2010 war der junge Schweizer in ein Gerangel mit Polizisten vor dem Berner Hauptbahnhof verwickelt.

Laut Anklageschrift pöbelten junge Leute die Polizisten an und begannen sie zu schubsen. Der nunmehr Verurteilte versetzte einem Polizisten dabei einen Faustschlag und verletzte ihn. Danach randalierte der Mann beim Transport in die Polizeiwache und in diesem Lokal.

Lehre angefangen

Der Anwalt des jungen Mannes hatte am Montag eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten gefordert, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine solche von 24 Monaten. Auch sie hatte nichts gegen den bedingten Strafvollzug einzuwenden. Dass das Gericht nun tatsächlich eine bedingte Strafe verhängte, geht einerseits darauf zurück, dass der junge Schweizer sich seit 2010 nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen. Anderseits hat er vor einem Jahr eine Lehre angefangen und bewährt sich laut dem Gerichtspräsidenten.

«Das macht uns zuversichtlich», sagte Herren am Dienstag. «Deshalb soll er die Chance bekommen, sich zu bewähren». Unbedingt in den Griff bekommen müsse der junge Mann aber sein Alkoholproblem. Deshalb brauche es die ambulante Therapie.

Weitgehend geständig

Der Angeklagte selber war laut Herren weitgehend geständig. Im Fall des Raubüberfalls habe er eingesehen, einen Fehler begangen zu haben, sagte der Gerichtspräsident. Im Fall der Auseinandersetzung vor dem Bahnhof hingegen habe der Mann immer noch das Gefühl, er sei Opfer eines polizeilichen Übergriffs.

(sda/nc)