Umstrittene Ausstellung in Bern

03. Oktober 2018 13:38; Akt: 03.10.2018 17:23 Print

Werden hier hingerichtete Studenten gezeigt?

Plastinierte Leichen sollen in Bern tausende Besucher anlocken. Doch die Herkunft der Körper lässt an der Exposition zweifeln. Laut Experten sollen es hingerichtete Studenten aus China sein.

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Die Ausstellung «Bodies Exhibition» lässt Besucher tief in das menschliche Dasein blicken. Ab Freitag werden im alten Tramdepot in der Stadt Bern für zehn Tage plastinierte Leichen gezeigt. Nun, kurz vor der Eröffnung, besteht jedoch zweifel an der Herkunft der Ausstellungsobjekten, wie «der Bund» berichtet.

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«Meine Exponate stammen von freiwilligen Spendern aus den USA», meinte zwar der Veranstalter Jan van Bergen gegenüber der Tageszeitung. Als Auftraggeber nannte er am Telefon gegenüber der Zeitung zunächst die Organisation «Real Bodies», eine schriftliche Nachfrage beantwortete er nicht.

«Real Bodies» sah sich bereits massiven Vorwürfen ausgesetzt. Ärzte, Wissenschaftler und Menschenrechtsaktivisten vermuteten laut dem Artikel, dass es sich bei den ausgestellten Körpern um die Leichenteile von hingerichteten chinesischen Studenten handeln könnte.

Freiwillig für Leichenschau gemeldet?

Selbst Veranstalter van Bergen kann diese Bedenken auf Anfrage offenbar nicht zerstreuen: Gegenüber dem «Bund» zeigt er sich verschlossen, lässt Fragen unbeantwortet – auch die Frage, ob die ausgestellten Personen sich freiwillig zur Verfügung gestellt haben, soll er offen gelassen haben.

Für Hubert Steinke, Professor am Institut für Medizingeschichte der Uni Bern, ist dies inakzeptabel: «Solange der Veranstalter nicht erklären kann, woher die Leichen genau kommen, und bestätigen kann, dass die Personen sich freiwillig zur Verfügung gestellt haben, bleibt ein grosses Fragezeichen.»

Die Körper werden gezeigt

Wird die zehntägige Ausstellung trotzdem durchgeführt? «Ja», wird Galeristin Ute Winselmann-Adette zitiert: «Der Vertrag ist unterzeichnet, eine Entschädigung wegen Vertragsbruch könnte ich nicht zahlen.» Sollten an der Ausstellung in Bern tatsächlich Exponate von hingerichteten Dissidenten aus China gezeigt werden, «sei dies schon ein Problem.»

In einzelnen Städten kam es zu Protesten gegen die Ausstellung.
Doch der Bernerin waren die Bedenken wegen der Exponate bis anhin nicht bewusst, am Telefon habe alles «tipptopp in Ordnung» geklungen. Der Veranstalter habe ihr angegeben, dass die Ausstellung bereits in Zürich zu Gast war, darum sei sie nicht misstrauisch gewesen. «Bodies Exhibition» wurde jedoch nie in Zürich gezeigt, wie «Bund»-Recherchen zeigen. Dort gabe es lediglich 2009 eine ähnliche Ausstellung unter dem Namen «Körperwelten».

Laut Veranstalter alles legal

Gegenüber 20 Minuten spricht Jan van Bergen von einem Missverständnis. Er habe nie behauptet in Zürich ausgestellt zu haben. Ohnehin seien die Vorwürfe aus der Luft gegriffen: «Wir haben für jedes Exponat ein die entsprechenden Papiere», sagt van Bergen. Er versichert, dass sämtliche Körper freiwillig gespendet wurden. Die Vorwürfe seien nicht neu – immer wieder würden diese auftauchen: «Dabei haben wir in Holland bereits vor Gericht bewiesen, dass bei uns alles mit rechten Dingen zu und hergeht», sagt van Bergen.

Trotz allem freut sich der Niederländer auf die Ausstellung in Bern. Er werde am Wochenende persönlich anwesend sein, um die Eröffnung zu beaufsichtigen.

Auch Galeristin Ute Winselmann-Adette freut sich auf die «Bodies Exhibition». Sie habe nochmals mit van Bergen gesprochen und er habe ihr versichert, dass alles rechtens sei: «Ich habe derzeit keinen Grund, an der Legalität dieser Ausstellung zu zweifeln.»

(cho)