Stadt Bern

03. April 2018 15:46; Akt: 03.04.2018 15:46 Print

Rollen bald Trams durch die Länggasse?

Gemäss einer Studie des Kantons sollen in Zukunft Trams das Länggassquartier und Doppelgelenkbusse das Wylerquartier erschliessen.

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In der Stadt Bern soll eine weitere Buslinie durch ein Tram ersetzt werden. Gemäss einer Zweckmässigkeitsbeurteilung des Kantons soll in Zukunft ein Tram das Länggassquartier mit der Universität erschliessen. Das Wylerquartier soll hingegen mit Doppelgelenkbussen erschlossen werden.

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Braucht die Stadt Bern ein Länggass-Tram?

Die bestehenden Buslinie 20 und 12, mit denen die Quartiere Länggasse und Wyler erschlossen werden, sind bereits heute stark frequentiert.

Die Verantwortlichen bei Stadt und Kanton rechnen mit einer weiteren starken Zunahme der Belastung bis im Jahr 2030. Insbesondere im Korridor Länggasse erwarten sie, dass wegen der prognostizierten Studierendenzahlen künftig rund 50 Prozent mehr Fahrgäste transportiert werden müssen.

Noch keine konkreten Projekte

Unter der Federführung des Kantons haben Fachleute deshalb geprüft, wie die erforderlichen Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden könnten und eine Zweckmässigkeitsbeurteilung durchgeführt.

Konkrete Projekte liegen noch nicht vor, wie die bernische Bau-, Verkehrs -und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer am Dienstag betonte. Vorerst gehe es um Lösungsvorschläge.

Dazu haben Fachleute laut Egger-Jenzer ein breites Spektrum an möglichen Verkehrsmitteln und Linienführungen geprüft. Die Bevölkerung kann sich im Rahmen einer Mitwirkung bis zu den Sommerferien äussern.

Doppelgelenk- und Shuttlebusse

Die Beurteilung ergab, dass für die heutige Buslinie 20 vom Bahnhof Bern zum Bahnhof Wankdorf eine Umstellung auf Doppelgelenkbusse und die Einführung eines Shuttledienstes zwischen dem Bahnhof Bern und dem Campus der Gewerblich-industriellen Berufsschule in der Lorraine die beste Variante wäre.

Der Shuttlebus würde in den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend fahren. Diese Lösung soll rund elf Millionen Franken kosten und ist damit verhältnismässig günstig.

Ab 2035 ein Tram für die Länggasse

Für die Länggasse ergaben die Abklärungen als beste Variante ein Tram, wie die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion am Dienstag mitteilte. Nur das Tram könne längerfristig die nötigen Kapazitäten bereitstellen, betonte Egger.

Erste grobe Kostenschätzungen gehen von rund 100 Millionen Franken für die Tramlösung aus. Diese könnte frühestens 2030 gebaut und etwa 2035 in Betrieb genommen werden.

Als Übergangslösung soll die Länggasslinie ebenfalls mit Doppelgelenkbussen betrieben werden, wie Egger ausführte. Die Länggasslinie werde sinnvollerweise mit der Linie 20 Verknüpft, so dass die Doppelgelenkbusse zwischen der Busendstation Länggasse und dem Bahnhof Wankdorf verkehren.

Das Tram gabs schon mal

Die Berner Länggasse war bereits von 1894 bis in die 1960-er Jahre mit einem Tram erschlossen. Die Stadtberner Gemeinderätin Ursula Wyss begrüsste die Ergebnisse der Zweckmässigkeitsbeurteilung. «Bern ist – und bleibt – eine Tramstadt», sagte sie am Dienstag vor den Medien.

Die Tramlinie in die Länggasse werde ein neues wichtiges Entwicklungselement, welches die stark frequentierten Hochschulstandorte ergänzen und verbinden werde.

Vor einem Grundsatzentscheid zum Tram müssen noch diverse Fragen geklärt werden, wie Egger betonte. Dazu gehören etwa die Anbindung der neuen Tramlinie an das bestehende Netz im Raum Bahnhof/Innenstadt und die Erschliessung des Lindenhofspitals. Zudem bräuchte es ein mit dem Tram abgestimmtes Projekt für die Sanierung der Länggassstrasse und eine Koordination mit anderen Bauprojekten im und um das Bahnhofsareal.

Egger-Jenzer (SP) stand 16 Jahre lang an der Spitze der bernischen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin. Ende Mai tritt sie ab. Ihre Nachfolge tritt SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus an.

Tramprojekte gaben zu reden

In den vergangenen Jahren haben zwei grosse Tramprojekte in Bern zu reden gegeben. 1995 wurde die Projektierung eines Trams, das den Westen der Stadt Bern erschliesst, an die Hand genommen. Im Mai 2004 wurde ein erstes Projekt von den Stimmberechtigten abgelehnt. 2007 sagte die Bevölkerung ja zu einer neuen Kreditvorlage. 2010 ging das Tram Bern West in Betrieb.

Ein weiteres Tramprojekt sollte Köniz, Bern und Ostermundigen verbinden und die stark belastete Buslinie 10 ersetzen. 2014 lehnten die beiden Vororte das Tram Region Bern ab. Zwei Jahre später stimmte Ostermundigen einem neuen Projekt zu.

Anfang März segneten die Stimmberechtigten im Kanton Bern den Kantonsbeitrag für das Tram Bern-Ostermundigen ab. Das Resultat fiel allerdings knapp aus. 2027 soll das erste Tram von Bern nach Ostermundigen rollen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alder Ego am 03.04.2018 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    2030

    Bin ich zum Glück pensioniert und weg aus dem Kanton Bern. Somit werd ich dazu finanziell hoffentlich nichts mehr beitragen. Habe in der Länggasse gewohnt, Tram brauchts da echt nicht. Und wenn der Bus voll ist, dann läuft man halt mal...tsts...

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  • Rinse am 03.04.2018 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    That's a Bingo!

    Na klar und so sicher wie das Amen in einer Kirche ob mit der Bärblä Egger-Jenzer oder ohne! Den wie immer bejahen alle hier im Kanton Bern solche Geldmoloch Projekte und jammern dann dass die Steuern so hoch sind!

  • prof am 03.04.2018 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ei oder huhn

    da man für fast jeden beruf mittlerweile einen master vorweisen muss... man sollte lieber matur und studium nicht weiter abwerten und auf qualität statt quantität setzen, dann würde es auch dieses tram nicht brauchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 07.04.2018 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Faulen ruhen sich aus

    Dann sollte man auch die Stadtbevölkerung zur Kasse bitten, man kann nicht nur immer von den anderen profitieren. Die Leute in der Länggass sollten endlich mal arbeiten gehen. Wir haben in der Schweiz das Problem die Faulen bekommen alles und die schwer arbeiten bekommen nichts.

  • Steuerzahler am 06.04.2018 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Weshalb die Nostalgie mit den Trams? Wäre es nicht sinnvoll sich, bei den steigenden Beförderungszahlen, an Japan zu orientieren? Wollten wir nicht weg von den AKW's und gleichzeitig hängt man mehr ans Netz? Wo ist das Problem mit den Bussen? Weshalb steigert man die Frequenz in die Lorraine, nicht aber in die Länggasse?Und was sind die Pläne von Wyss mit dem Bremgartenwald?

    • Silk am 06.04.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      Mega Cities vs Micro Bern

      Sie wollen das beschauliche Landstädtchen Bern mit Japan vergleichen? Ich empfehle Ihnen dringend eine Reise nach Tokyo!

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  • Ex-Länggässlerin am 06.04.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    wie jetzt?

    Wird es für den "Schanzenstutz" zuschaltbare Zahnräder geben? Oder wie wollen die bei Eis und Schnee da hoch? Für die Velofahrer könnte man mit den lokalen Ärzten und Spitälern einen Mengenrabatt vereinbaren.

    • Hugo N. am 06.04.2018 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Länggasstram - ein alter Hut...

      Von 1894 bis 1959 fuhren schon einmal Trams in die Länggasse, der Schtutz ist also kein Problem.

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  • Undertaker am 06.04.2018 04:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Obelix Worten

    Die Spinnen die Berner. Noch dazu das man eigentlich kein Geld hat für solche Überteuerten Projekte!

  • Verkehrsplaner ETHZ am 04.04.2018 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, dann bitte richtig!

    Das engstirnige Denken in dieser ach so heimeligen Bundesstadt nimmt kein Ende. Statt gesamtheitlich zu planen, werden wieder einmal tagträumerisch unsinnige Teillösungen präsentiert. Eine lange Tramlinie 12/20 Länggasse-Wyler würde durchaus Sinn machen. Und mit einer zusätzlichen Verbindung Viktoriaplatz-Lorraine könnte bei Bedarf die Innenstadt umfahren werden und die Gleisanlage könnte als die geforderte "zweite Tramachse" dienen. Das Ostermundigen-Tram hätte man auch über diese Achse ans Netz anbinden können resp. müssen, aber da sind die Würfel der Fehlplaner leider bereits gefallen..

    • Frage am 04.04.2018 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Verkehrsplaner ETHZ

      Und wo willst du in der Lorraine wenden?

    • Bärner am 04.04.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Verkehrsplaner ETHZ

      Also wenn ich Sie recht verstehe sollten wir in einem Wisch über mehrere Tramlininien abstimmen? Kostet ja auch kaum was. Die Pläne / Ideen für Verbindungen sind uns seit Jahren bekannt. Im übrigen gibt es eine Grossbaustelle Uni-Hirschengraben. Bevor die nicht fertig ist kann man kaum die Tramlininien in Angriff nehmen.

    • Verkehrsplaner ETHZ am 05.04.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Bärner

      In anderen Städten gibt es bei Tram- und noch viel mehr bei U-Bahn-Projekten ganz ähnliche Probleme technischer und auch finanzieller Art. Allerdings werden dort komplette Netze und nicht Mikro-Linien wie in die Berner Länggasse geplant und alsdann über einen längeren Zeitraum von 10 bis 15 Jahren auch wirklich realisiert. Fehlt mal das Geld, dauert es halt beim einen oder andern Teilabschnitt des Netzes etwas länger, aber das grosse Gesamtziel wird nicht verändert. Was in Sachen Tram und RBS in Bern falsch geplant und gebaut wird, ist hingegen das armselige Resultat politischen Wunschdenkens.

    • Mario am 06.04.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Verkehrsplaner ETHZ

      Die Idee mit der zweiten Tramachse über Lorraine-Viktoriaplatz, oder auch Lorraine-Breitenrain (etwas weniger steil) habe ich mir auch schon lange überlegt. Ausserdem eine zweite Achse über die Monbijoubrücke, da könnte man das Tram vom Ostring über Thunplatz - Sulgenau - Hirschengraben in die Länggasse führen. So hätte man bei einer Behinderung der einzigen Tramachse eine Ausweichmöglichkeit. Aber es scheint als wolle bern unbedingt nur diese eine Achse durch die Innenstadt.

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