Verbannung aus Parks

05. August 2019 17:48; Akt: 05.08.2019 18:00 Print

Naht Rettung für Thuner Glacevelos?

Um ihre neuen Pächter vor der Konkurrenz zu schützen, will die Stadt Thun die Glacevelos aus den Parks verbannen. Eine SP-Stadträtin macht sich nun für die mobilen Eisverkäufer stark.

Für Glace Joe Lukas Külling sind die Thuner Parks womöglich bald Sperrgebiet. (Video: sul)
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Die Thuner Glacevelos geraten in Bedrängnis: Die Stadt will den beiden Anbietern Lukas Külling und Markus Später keine Verkaufsbewilligung mehr für den Schaudau- und den Bonstettenpark sowie für das Camping Gwatt erteilen. Begründung: Die neuen Pächter, deren Angebot ganzjährig und auch bei schlechtem Wetter bestehe, sollen im Sommer vor der Konkurrenz geschützt werden. Gegen den Entscheid der Stadt wehren sich Külling und Später mit einer Unterschriftensammlung.

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Wie finden Sie es, dass die Thuner Glacevelos aus den Parks verbannt werden?

Nun erhalten die beliebten Glaceverkäufer Unterstützung aus der Politik: SP-Stadträtin Alice Kropf (46) wird am 22. August ein Postulat im Parlament einreichen, in dem sie den Gemeinderat auffordert, vom geplanten Verbot abzusehen. «Dass die Stadt die Glacevelos aus den Parks vertreiben will, ist für mich vollkommen unverständlich», sagt Kropf. Die Erfrischung aus den mobilen Kühlboxen sei für alle erschwinglich, leicht zugänglich und deshalb besonders wertvoll für die Thuner Parks. Zudem führten die Glacevelos in ihrem Sortiment hausgemachtes, aus regionalen Produkten hergestelltes Eis, was für eine Angebotsvielfalt neben der verbreiteten Industrieglace sorge.

«Einschätzung der Stadt ist weltfremd»

Das Argument, dass die Glacevelos für die neuen Betreiber geschäftsschädigend sein könnten, hält Kropf für absurd. So klaffe zwischen der Klientel des Schlosses Schadau, wo man diverse Coupes für 11 Franken (Gross: 14.50 Franken) oder zwei Glace-Kugeln für acht Franken geniessen könne, und jener der Glacevelos eine «Riesen-Diskrepanz». Folglich handle es sich nicht um einander konkurrierende, sondern sich ergänzende Angebote. «Die Einschätzung der Stadt ist schlicht weltfremd», so Kropf.

Die Politikerin betont weiter, dass auch die Glacevelos ein Betriebsrisiko zu tragen hätten. «Auch sie erleiden Verluste bei Schlechtwetter-Perioden, auch sie investieren auf eigene Rechnung in ein Verpflegungsangebot und sind für die Instandhaltung der Velos und Kühlanlagen verantwortlich.» Hinzu kämen Fixkosten für die Lagergarage und die Gebühren für die Velos an die Stadt. «Die Ungleichbehandlung ist nicht zu rechtfertigen», so die SP-Frau.

Thuner Glacevelos werden aus Parks verbannt

Schloss Schadau und TCS sehen kein Problem

Interessant: Auch die Pächter selbst sehen in den mobilen Eisverkäufern keine Gefahr für ihr Geschäft. Im Bewerbungsverfahren um die Pacht seien die Glacevelos kein Thema gewesen, sagt Roger Lehmann, Geschäftsführer im Hotel-Restaurant Schadau. «Da wir erst nächstes Jahr ein Take-Away-Konzept erarbeiten, sehe ich in ihnen derzeit eher eine Ergänzung als eine Konkurrenz.» Ähnlich klingt es beim TCS Schweiz, dem Betreiber des Gwatt-Campings, wo es auch einen Kiosk mit Glacen gibt. Auf die Stadt habe man keinerlei Druck ausgeübt, sagt Sprecher Laurent Pignot auf Anfrage. Weil das Hauptangebot der beiden Player – Glace beim einen, Camping beim anderen – grundverschieden sei, sehe man in den Glacevelos auch keine Konkurrenz.

Obschon das rechtliche Gehör am 5. August geendet hat, wollen Külling und Später bis im November – dann wird Kropfs Vorstoss im Parlament voraussichtlich behandelt – weiter Unterschriften sammeln. Damit, so Külling, wolle man den Stadträtinnen und Stadträten vor Augen führen, wie wichtig der Bevölkerung der Verbleib der Glacevelos in den Parks sei.

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 05.08.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbote wo man hinkommt

    Verbote und Protektionismus haben noch nie langfristig zum Erfolg geführt. Das sind 2 verschiedene Zielgruppen und somit belebt das eher das Geschäft. Lasst den Konsumenten entscheiden.

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  • Schinkegipfeli am 05.08.2019 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ist wohl einer von dieser Sorte

    Die Jahre lange Tradition für unwichtig erachten, hoffe es gibt ein happy end wie bei den Schinkengipfeli;)

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  • Fw3717 am 05.08.2019 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oberland

    Tja, bei den Oberländer Volksvertretern gibt es halt einige, die nur von der Tapete bis zur Wand denken können. Muss man verzeihen , es kann halt jeder nur mit der geistigen Fähigkeit arbeiten, die ihm zur Verfügung steht. Selbst bei Bekannten miterlebt

Die neusten Leser-Kommentare

  • BigBen am 06.08.2019 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewulligung muss kosten!

    Standgebühr, müssen sie aber bezahlen, sonst droht Wildwuchs mit Szraßenverkäufern! Vorschlag, 5% vom Umsatz!

    • Der krasse Glacejongleur am 07.08.2019 02:05 Report Diesen Beitrag melden

      Gebühr

      Gebühr ist Gebühr! Darf nie vom Umsatz abhängig sein!

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  • Heinz am 06.08.2019 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    anderswo ansetzen

    Besser wäre es wenn Spendeaktionen beim Treppenaufgang des Bahnhofs verboten würden. Diese künstlichen Blockaden braucht niemand und die entsprechenden Organisationen landen ohnehin auf einer Sperrliste und erhalten keinen Rappen mehr

  • John am 06.08.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Braucht keiner

    Lästig wie fliegende Händler am Strand. Weg damit

    • Ex Thuner am 06.08.2019 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John

      An allen Stränden die ich schon besuchte, kamen die Händler zu Fuß.

    • Der krasse Glacejongleur am 10.08.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      Fährrader

      Die hatten halt keine Fährräder , die "Armen".

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  • Ein Gemeinderat am 06.08.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Rosinenpicker

    Ich habe das gleiche Problem in unserem Schwimmbad. Glaceverkäufer vs. Restaurantpächter. Wärend der Restaurantpächter seine Infrastruktur inkl Personal die ganze Saison über betreiben muss, ist der Eisverkäufer nur bei schönem Wetter und gut frequentierten Tagen da. Ganau dann wenn eigentlich das Restaurant seine umsatzschwachen Tage quersubventionieren müsste.

    • Ein Ex Thuner am 06.08.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Gemeinderat

      Falls du Gemeinderat bist, lass dir etwas Originelles einfallen. Nicht dass wegen eines Glacé-Verkäufers das Schwimmbad austrocknet. Dein Beitrag wäre für einen echten Gde-Rat keine gute Referenz für die Räte von Thun.

    • Glace Joe am 06.08.2019 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      @ein gemeinderat

      Ein Schwimmbad trägt ein Risiko, ja. Rund um das Schwimmbad samt Zufahrt ist es uns verboten, zu verkaufen. Es geht darum, dass im TCS Shop an gut frequentierten Sonntagen die Kunden gar kein Eis kaufen können, weil dies nach 8 Min Wartezeit in der Warteschlange butterweich geworden ist. (So, 4.August). Im Schadau-Restaurant gibt es auch nur einige Tische. 250 Coupen zu servieren wäre da schlicht eine artistische Höchstleistung. Es braucht die Vielfalt und das SELBSTVERTRAUEN in das eigene Angebot. Habt ihrs schon mit toller italien.Frischglace versucht? (Wir dürfen nur abgepacktes Eis verk.)

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  • Fraz am 06.08.2019 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleinkariert!

    Hauptsache unsere Behörden können eingreifen, ihren Senf dazu geben, Verbote aussprechen, jede persönliche Bemühung, Innovation und Idee zunichte machen und sie im Keim ersticken. Meine Güte, in Zeiten des Klimawandels derart klein zu denken und auch noch entsprechend zu handeln.... Unsere Zukunft muss wohl irgendwo in den Glacevelos liegen......