«Existenz steht auf dem Spiel»

01. August 2019 17:50; Akt: 01.08.2019 17:50 Print

Thuner Glacevelos werden aus Parks verbannt

Die Stadt Thun verwehrt den Glacevelos die Bewilligung zum Verkauf in den Parks. Mit einer Unterschriftensammlung wehren sich die mobilen Verkäufer gegen den Entscheid.

Das meinen Lukas Külling und Kunden zum Verbot der Glacevelos im Park. (Video: sul)
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Die Hitzetage der letzten Woche steigerten das Bedürfnis nach kulinarischer Abkühlung – und damit auch die Umsätze der Thuner Glacevelos. Seit vielen Jahren sind die beiden Anbieter Lukas Külling und Markus Später mit ihren Gefährten in der Stadt unterwegs und versorgen die schwitzende Menge mit leckeren Raketen, Cornets oder Soft-Ice-Bechern.

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Nun aber soll ihr Verkaufsgebiet beschnitten werden: Die Stadt als Grundeigentümerin will den Glacevelo-Betreibern für den Verkauf im Schadau- und im Bonstettenpark sowie im Camping Gwatt keine Bewilligung mehr erteilen. Dagegen wehren sich Külling und Später mit einer Unterschriftensammlung, die auch auf den sozialen Medien kursiert.

Die fahrenden Kühlboxen seien «Teil der Kultur mit ‹Service public›-Charakter», heisst es auf dem Papier. Mit dem Wegfall der besagten Anlagen als Verkaufsstandorte stehe nicht weniger als «die Existenz der Glacevelos auf dem Spiel». «Ich erwarte eine Umsatzeinbusse von 20 bis 25 Prozent», sagt Külling auf dem Schadaupark-Spielplatz zu 20 Minuten. Den Entscheid der Stadt sieht er als «Eingriff in die freie Marktwirtschaft» und als Zeichen gegen die Diversität des Verpflegungsangebotes.

Neue Betreiber vor Konkurrenz schützen

Die Stadt kontert: Die Glacevelo-Betreiber seien bereits vor längerer Zeit über die Änderung der Bewilligungspraxis informiert worden und stünden mit den zuständigen Behörden in Kontakt, sagt Robert Rathmayr, Leiter Facility Management der Stadt Thun, auf Anfrage.

Das Verbot im Schadaupark und im Camping Gwatt rühre daher, dass in diesen Anlagen neue Betreiber im Einsatz stünden. Diese hätten auf eigene Rechnung in ein attraktives Verpflegungsangebot investiert. «Das Angebot wurde durch die neuen Betriebe verbessert und steht nun ganzjährig, also auch bei schlechtem Wetter, den Besuchern zu Verfügung», meint Rathmayr.

Daher wolle die Stadt Thun die neuen Vertragspartner unterstützen und vor der Konkurrenz im Sommer schützen. Rathmayr weist weiter daraufhin, dass es in den Parkanlagen ohnehin seit geraumer Zeit ein Fahrverbot auch für Fahrräder gebe. «Den Glacevelos wurde lediglich verboten, in den Parks und im Camping zu verkaufen», betont er. Ausserhalb dieser Zone und bei den Parkeingängen sei der Verkauf weiterhin gestattet.

Thuner Glacevelos werden aus Parks verbannt

«Für uns geht es ums Überleben»

Dass die Stadt die neuen Betreiber vor Konkurrenz durch die Glacevelos schützen will, darüber kann Külling nur den Kopf schütteln. Ein paar Meter nebenan, im Restaurant des Schlosses Schadau, gebe es zweifellos wunderbare Glace-Coupes, die allerdings auch ihren Preis hätten. Er dagegen biete Einzelglacen an, die für alle erschwinglich seien, wo auch Kita- oder Kindergeburtstagsgruppen gern zugreifen würden. «Da werden völlig unterschiedliche Kundensegmente angesprochen», sagt Külling. Im Übrigen wisse man erst seit Anfang Juli von der Reduktion der Verkaufsstandorte.

Rund 400 Unterschriften haben Külling und Später bislang gesammelt. Bis am 5. August müssen sie die Bögen beim Gewerbeinspektorat einreichen. Die Glaceverkäufer hoffen, dass die Stadt ihre Bewilligungspraxis noch einmal überdenkt. Külling: «Wir sind kleine Player. Für uns geht es ums Überleben.»

(sul/km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 01.08.2019 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Eiszeit

    Die neuen Betreiber wussten ja, dass es die Veloglaceverkäufer gibt. Geht gar nicht. Ein Kind kann es sich nicht leisten mal eben kurz im Restaurant einen Coup zu bestellen. Ich denke, alle lieben die Vielfalt so s ehr. Also, lasst es sein immer neue Vorschriften zu erstellen.

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  • Luzia am 01.08.2019 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Normal...

    Naja... In der Schweiz ist beinahe alles verboten. Hast du eine Idee, da kommen sie: 1000 Gegner.

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  • Markus Oppe am 01.08.2019 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nur nicht nachdemken

    Es ist schon Wahnsinn das sich eine Behörde mit sowas beschäftigt statt mal endlich sich um wirklich wichtige Sachen zu kümmern. Geht halt einfach und man muss nichts denken. Der Lohn kommt ja trotzdem.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Später am 02.08.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Glacevelo

    Wir sind tatsächlich die kleinen Player! Ferienjöbler verlieren bei uns ihre Verdienstmöglichkeit. Ich behaupte, es gehen nicht mehr Menschen in das Restaurant, wenn die Glacevelos nicht mehr da wären. Unsere Securitas wurden widerrechtlich angewiesen, uns aus den Schadaupark zu vertreiben. Dadurch gab es diese Saison auf Kosten der Ferienjöbler weniger Umsätze. Unsere gesamthaft 8 Glacevelos geben den Velomechaniker viel Arbeit. An diesen kleinen Wirtschaftszweig denken nur wenige. Ist auch ein kleiner Mosaikstein von vielen. (Lager, Produzenten, Disponenten, Tiefkühltruhenhersteller, usw)

  • fliegender Holländer am 02.08.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    @Glace Joe Lukas

    wie ich bei nicht wenigen Kommentare sehe, sind Sie hier mit ihren Statements der Pro Veloeisverkäufer Vertreter. Haben Sie meinen Post von 09:45 mit Titel "so ein Theater" löschen lassen? Er verstiess nicht gegen hiesiege Kommentarregeln, er war weder beleidigend noch diffamierend ihnen gegenüber im Gegensatz zu wirklich bösen Kommentaren bezüglich Stadt und Gestzesanwendung. Ich fragte (als Selbstständiger) lediglich "warum setzen Sie sich nicht mit den Neuen Betreibern an den Tisch und schauen nach einer Lösung?" Was hat ihnen nicht gepasst an meiner Frage? Die Wahrheit in meiner Aussage?

  • Kunde am 02.08.2019 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    ehemaliger kunde

    also gaanz ehrlich finde ich gut dass die stadt etwas gegen die glaceverkäufer unternimmt. letstenendes sehe ich als thuner und fleissiger parkgänger, dass die glacevelos ja manchmal im gaanzen schadaupark verkaufen... somit sich ja nicht an die vorgaben halten.....

    • Markus Später am 02.08.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      Schadaupark

      Es wäre schön, wenn der ganze Park für die Glacevelos frei wäre. Das ist wahr.

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  • Gibts am 02.08.2019 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorgen

    Aber viele sögelis werden gemacht..einfach Wohlstans Erscheinung?

  • Mosimann am 02.08.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Stadt

    Die Parzelle gehört nicht der Stadt, sondern dem Steuerzahler. Die Stadt hat lediglich einen Verwaltungsauftrag.

    • Glace Joe Lukas am 02.08.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Wem gehört der öffentliche Raum?

      Ja. Und das gleiche ist bei der Liegewiese vor dem Schloss Schadau. Ein Park für alle sollte es werden. Doch die Securities weisen jeden weg, der sich auf dieser schönsten Wiese aufhält. "Ich bin der Chef vom gaaanzen Park" sagte uns kürzlich ein Beamter (mittleres Kader) der Stadt Thun

    • R. Feller am 02.08.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Glace Joe Lukas

      Diese Bedenken wegen öffentlichem Raum, wurden vor der Sanierung in der Schadau und dem Bonstettenpark, von der Verwaltung als nicht gegeben abgetan.

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