Wilderswil BE

03. Juni 2015 05:51; Akt: 03.06.2015 13:27 Print

Gourmet-Tempel serviert Brunnenwasser für 5,50 Fr

von Mira Weingartner - 16 Gault Millau-Punkte und ein Michelin-Stern: Ein Wilderswiler Restaurant serviert Brunnenwasser für 5,50 Franken. Dorfbewohner sind empört.

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Am Wilderswiler Brunnen hinter dem Restaurant Alpenblick wird Trinkwasser angezapft. (Bild: Google Streetview)

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Das Wasser des Gourmet-Restaurants Alpenblick in Wilderswil stammt vom öffentlichen Dorfbrunnen. «In Karaffen abgefüllt verkauft der Wirt das Wasser an seine Gäste», berichtet ein Leser-Reporter gegenüber 20 Minuten. Kostenpunkt: 5.50 Franken. «Ich bin schlicht schockiert», so der Wilderswiler – im 2500-Seelen-Dorf gebe diese Aktion zu reden.

Dass Gastrobetriebe Hahnenwasser am Dorfbrunnen anzapfen, wundert auch die lokale Gemeindeverwaltung. Dies sei nicht bekannt. «Wir kennen dies eher von älteren Menschen oder von Leuten, die in den öffentlichen Brunnen ihre Giesskannen zum Blumengiessen auffüllen», sagt Christian Hartmann von der Wilderswiler Gemeindeverwaltung. Dies meist um Geld zu sparen. «Unverständlich», findet der Gemeindeschreiber – 1000 Liter Trinkwasser würden doch lediglich einen Franken kosten.

1-A Trinkwasser

Aus hygienischer Sicht sei das Wilderswiler Brunnenwasser aber durchaus trinkbar: «Hahnen- und Brunnenwasser kommen aus dem selben System», so Hans-Peter Hofer, Leiter der Gemeindebetriebe. Er betont: «Mit den vielen natürlichen Quellen haben wir hier überall 1A Trinkwasserqualität.» Zusätzlich würden die zwölf Brunnen im Dorf mindestens einmal pro Monat unter die Lupe genommen. Auch der Kanton halte ein Auge auf die Hygiene der öffentlichen Wasserspender.

Sektionspräsidentin Sonja Zumbrunn von GastroInterlaken-Oberhasli würde dennoch auf eine solche Aktion in ihrem Restaurant verzichten: «Meine Gäste würden wohl vermuten, dass ich so Geld sparen möchte.» Lieber verkauft die Wirtin aus Brienz Henniez oder Adelbodner Mineral: «Somit verdiene ich auch mehr – ich habe ja immerhin Personalkosten zu begleichen.»

«Weniger nervös als Leitungswasser»

Wirt Richard Stöckli will mit dem Brunnengetränk weder den niedrigen Wasserzins noch sonstige Vorschriften umgehen: «Das Wasser aus dem Brunnen ist zum Trinken viel genussvoller als jenes aus der Leitung», so der Gastronom. Die Wassertemperatur von rund 15 Grad sei ideal, zudem habe sich die Flüssigkeit zuvor nicht durch die Wasserleitungen gequält. «Das Wasser ist so weniger nervös und die Konsistenz erscheint viel weicher», so Gourmetkoch Stöckli.

Zudem erhalte er auch eine Wilderswiler Tradition lebendig: Im Oberländer Dorf mit den vielen historischen Brunnen habe man sich schon seit je her an den Dorfbrunnen bedient. Auch die Wirtefamilie, die auf hochstehende Schweizer Küche setzt, hole privat ihr Trinkwasser von draussen. «Diesen qualitativen Mehrwert wollen wir auch unseren Gästen bieten», so der Gastgeber. Lokale wie internationale Gäste seien vom frischen Quellwasser begeistert. Das Getränk werde der Kundschaft nicht verrechnet – er verlange bloss 5.50 Franken für den Aufwand.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Saubere Quelle am 03.06.2015 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist günstig ;-)

    Das ist noch günstig! Fahren Sie einmal nach Davos auf die Schatzalp. Da kostet ein Liter Hahnenwasser verkauft als "Davoserwasser" sage und schreibe CHF 10.-, auch wenn man dort speist wohl bemerkt! Kann man sich da noch wundern, wenn die Touristen nicht mehr kommen? Geht nicht meiner Meinung nach... .

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  • Brunnenwasser am 03.06.2015 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Was für lächerliche Gründe das Brunnenwasser zu servieren.. Es ist genau das selbe Wasser und auch das Brunnenwasser "quält" sich durch Wasserleitungen.. Und der letzte Satz ist ja wohl der Gipfel, der Gast zahlt für das Brunnenwasser ganz egal wie sich der feine Herr hier rausreden will... Ich würde hier wohl sicher nicht speisen.

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  • Herr Wettermann am 03.06.2015 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder die selbe Diskussion

    Hey Leute, hört mal endlich auf zu Jammern! In Italien bezahlt ihr für genau gar nix einfach mal ein paar Euros Gebühren für das Gedeck! Und bei einem Literpreis im Einkauf von weniger als 1 Franken für ein Cola wundert sich niemand, wenn man es dann für 10.- verkauft? Verkehrte Welt!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manfred Dürr am 05.06.2015 00:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gehobene Küche, gehobene Preise

    Ob man den Unterschied wirklich schmecken kann, sei einmal dahin gestellt. Das Wasser vom Brunnen zu holen macht jedenfalls erheblich mehr Aufwand, als aus dem Wasserhahn zu zapfen. Auf die Menge bezogen (5,5 Fr/Liter?) wird das Brunnenwasser wohl das günstigste Getränk in diesem Restaurant sein. Ich zahle für ein Glas gutes Leitungswasser gerne zwei Franken.

  • der s am 04.06.2015 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lachhaft

    gratis wasser für alle......so wie in den USA. Als ob die gläser sonst nicht abdewaschen werden. ein glas waschen kostet keine 5.50. ein witz.

  • w.asser am 04.06.2015 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    freie Wirtschaft

    Die können doch 10 Franken verlangen es muss ja niemand dorthin alles freiwillig

  • Tim am 04.06.2015 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst ist der Mann

    Wenn es ja nur um den Aufwand geht, sollte jeder sein Wässerchen mitbringen dürfen...

    • App Laus am 04.06.2015 23:25 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo

      Gute Idee. Man will ja schliesslich nicht, dass sich das ach so leidende Personal völlig ruiniert.

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  • Hausi am 04.06.2015 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gastfreundschaft oder Abzockerei?

    Der starke Franken sei daran schuld, dass es dem Schweizer Tourismus und der Gastronomie schlecht gehe. Meine Erfahrung auf einer Reise in Deutschland: Gutes Essen zu tieferem Preis und dazu wesentlich freundlicheres Personal als in der Regel bei uns in der Schweiz. Der Verkauf von Hahnenwasser zu diesen Preis passt zu diesem Bild.