Wegen Schüler-Defiziten

03. Februar 2017 15:24; Akt: 08.03.2017 17:45 Print

Grammatik aus Berner Gymi-Prüfung gestrichen

von Simon Ulrich - Weil die Grammatik die Schüler vor zu grosse Hürden stellt, wurde ein Teil der Aufnahmeprüfung Französisch entfernt. Ausbaden müssen es wohl die Gymnasiallehrer.

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Trotz Frühfranzösisch: Die Schülerinnen und Schüler können nach der Volksschule grammatikalisch nicht auftrumpfen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Achtklässlerinnen und Achtklässler, die ins Gymnasium wollen, von ihren Seklehrern jedoch keine Empfehlung erhalten haben, büffeln derzeit für die Aufnahmeprüfung im März. Was viele von ihnen freuen dürfte: Der Französisch-Bogen enthält keinen Grammatikteil mehr, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Der Grund ist weniger zum Lachen: Satzbau und Verben-Konjugation stellen die Schüler vor zu grosse Probleme.

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Und das trotz Frühfranzösisch. Bei den diesjährigen Gymi-Anwärtern handelt es sich um den ersten Jahrgang, der bereits seit der dritten Klasse die romanische Sprache lernt. Gemäss der neuen Sprachdidaktik pauken die Schüler seither nicht mehr vorwiegend Grammatik, sondern erkunden die Sprache spielerisch – «Sprachbad» nennt sich das im Bildungsjargon.

Mehr Mut beim Sprechen

Entsprechend habe man die Aufnahmeprüfung anpassen müssen. «Wir können nichts prüfen, was vorher nicht so unterrichtet wurde», sagt Mario Battaglia, Vorsteher des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts gegenüber der Zeitung.

Unter Französisch-Lehrkräften an den Berner Gymnasien geht deshalb die Befürchtung um, man müsse ausbügeln, was die Volksschule versäumt hat: Die Struktur der Sprache zu vermitteln. Schliesslich müssten die Schüler bei der Matura nach wie vor das Niveau B2/C1 erreichen, wie Roger Hiltbrunner, Präsident der kantonalen Fachschaft Französisch, sagt. «Das haben die pädagogischen Hochschulen und die Universitäten klargemacht.»

Zu früh zum Urteilen

Battaglia betont jedoch, dass die Sprachbeherrschung der Schüler nicht schlechter geworden sei, sondern sich lediglich innerhalb der verschiedenen Kompetenzen verlagert habe. «Anscheinend haben die Jugendlichen mehr Mut beim Sprechen und sind flexibler beim Verstehen geschriebener Texte. Beim Schreiben hingegen und im Hörverstehen bestehen möglicherweise Defizite.»

Laut Franziska Schwab, Co-Leiterin Pädagogik Bildung Bern, werden die grammatischen Regeln mit dem neuen Lehrmittel nicht mehr isoliert, sondern integrativ anhand von Texten gelernt. «Ziel ist es, auf diese Weise die Freude der Schüler an der schwierigen französischen Sprache zu wecken», sagt sie gegenüber 20 Minuten. Schwab weist zudem darauf hin, dass es jetzt noch zu früh sei, um über die neue Didaktik zu urteilen. «Ob sie sich bewährt hat, können wir erst nach ein paar Generationen sagen.»

Andere Anforderungen

Anstatt Verben zu konjugieren und Zeitformen einzusetzen, haben die Schüler bei der Aufnahmeprüfung neu einen mündlichen Teil zu absolvieren. Dabei müssen sie ein Bild beschreiben oder über einen Text sprechen und ihre Gedanken dazu zum Ausdruck bringen. Ausserdem sind laut Battaglia die Texte, zu denen die Prüflinge schriftliche Fragen beantworten müssen, komplexer. «Es gelten neu einfach andere Anforderungen, damit man ans Gymnasium gelangt».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Strolchi am 03.02.2017 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunkenes Niveau in den Gymnasien

    Was soll denn das ständige Aufweichen der Anforderungen? Wer's nicht rafft, geht halt nicht auf's Gymnasium! Wenn ich in Mathe nicht gut bin, kann ich dann auch etwas Weglassen? Hier scheint allmählich ein Wunschkonzert zu herrschen. Für meine Begriffe tummeln sich in den Gymnasien sowieso zu viele, die eigentlich gar nicht hingehören würden! Das Niveau ist enorm gesunken.

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  • qwertz am 03.02.2017 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    nicht alle gehören aufs Gymi

    es ist fatal einfach die Anforderungen immer weiter zu senken, damit jeder eine Chance hat. Nicht alle sind geeignet fürs Gymnasium und danach fürs Studium. Wenn dann am Ende jeder mit einem Wisch von einer Uni daherkommt, welchen Wert hat dann dieser Wisch noch? Das Prinzip von Angebot und Nachfrage gilt auch auf dem Arbeitsmarkt.

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  • Coopi Migros am 03.02.2017 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Jugend wird betrogen!

    Keine Überraschung! Die Jugendlichen baden das aus, sie sind die betrogenen. Hoffentlich kapiert das jetzt auch der oberste Schulhirte der Regierung im Kanton. PS: Für ihn hat das leider keine Konsequenzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Casimier am 10.02.2017 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Lehrplan 21

    Schafft doch gleich die Gymer ab! Wenn sie nun alles was in der Grundschule verpasst wurde aufarbeiten müssen, bringt der Gymer auch nichts mehr!

  • Ein Leser am 06.02.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde es schwerer machen

    Wer es sich leisten kann geht ins Gymnasium. Schliesslich tut man ja alles für die reichen Kinder, man senkt sogar die Hürden für die Aufnahmeprüfung. Ich würde es sogar noch schwerer machen. Und das mit den Bildern ist deutlich einfacher.

    • Casimier am 10.02.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

      Die Jugend wird betrogen

      An Coopi Migros Du hast leider recht! aber der Verantwortliche kann sich rühmen sich ein Denkmal gesetzt zu haben.

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  • Motzimuus am 06.02.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Es ist unglaublich jeder kommt heute mit seperaten Wünschen,wenn die Schüler nicht lernen wollen oder nicht können gehören sie nicht ins Gymnasium.Überall wird alles umgeändert nur weil es die Eltern so wollen oder was.Entweder sind sie reif und bereit zum lernen und sonst sollen sie in der Realschule bleiben.Die Schuler sind zum lernen da nicht um ein wenig zu kuscheln in der Schule,in ein paar Jahren wird es sich rächen,das wir Schüler hatten die nichts lernten.Hört endlich auf alles zu ändern es muss ganz klar strikte harte Haltung geben.

  • danke neues Lehrmittel am 05.02.2017 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    es sind nicht die Kinder

    die verblöden --> sie lernen das gar nicht mehr in der Schule! Wer selber keine Kinder hat und mir nicht glaubt, soll sich bitte entsprechend schlau-machen. ich hatte noch Franz ab der fünften und da hiess es bald einmal "konjugieren" - heute wissen die 7.Klässer noch nicht einmal was das eigentlich ist.....

    • Brausefritz am 08.02.2017 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @danke neues Lehrmittel

      Konjugieren....War das nicht irgendwas mit "der Sprache einen osteuropäischen Släng a la "Schbbreiddebach monn" beizumischen" ?

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  • T. Lieb am 05.02.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Was gegen Mille feuille & Co. spricht

    Die sehr teuren Lehrmittel, wurden wohl von Personen konzipiert, die keine Ahnung haben, wie unser Gehirn lernt. Der Abfall an Franzmaterial, den ich jährlich von unseren 2 Kindern entsorge, ist beträchtlich. Meine Kinder können nach 3 Jahren weder sein noch haben konjugieren...... Ein echter & teurer Reinfall.