Freundin von SP-Grossrat geköpft

27. März 2018 17:44; Akt: 27.03.2018 20:10 Print

«Sie war den Islamisten wohl zu klug und schön»

Gestern fand im Rathaus eine Debatte um die Überwachung von Imamen statt. Dabei erzählte SP-Grossrat Mohamed Hamdaoui eine tragische persönliche Geschichte.

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In den 1980er-Jahren sei die damalige Freundin des Bieler SP-Grossrat Mohamed Hamdaoui von Islamisten enthauptet worden, berichtete er im Grossen Rat des Kantons Bern während einer Debatte über die Überwachung von Imamen. (Bild: SP Bern)

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Die Geschichte habe den Bieler SP-Grossrat geprägt und war sogar der Beginn seines politischen Engagements. 1992 war er in den Ferien in Algerien bei der Familie eines Freundes. «Ich verbrachte die Ferien in Lakhdaria, ein Dorf mit vielleicht 20’000 Einwohnern. Die Menschen waren sehr frei, wir gingen ans Meer und tranken Bier», erzählt Hamdaoui. Da habe er Fatiha kennengelernt. «Sie war schön, sie war intelligent und sie erzählte mir, dass sie auch Journalistin werden möchte – wie ich.» So kamen sie ins Gespräch und verbrachten die Nacht zusammen.

Er war sehr verliebt. «Sie hat sich auch in mich verliebt, wie durch ein Wunder», so Hamdaoui. Zurück in der Schweiz schrieben sich die beiden unermüdlich Briefe. Das Mittelmeer trennte sie zwar, aber sie schmiedeten gemeinsame Zukunftspläne. «Ich war noch Student und hatte kein Geld, aber ich wollte die nötigen Papiere besorgen, dass sie so schnell wie möglich in die Schweiz kommen kann.» Sie hätten heiraten wollen.

«Sie war wohl zu schön und klug»

Doch dann begann der algerische Bürgerkrieg – und Lakhdaria war eines der ersten Dörfer, in das die Islamisten einfielen. Fatiha wurde verschleppt. «Meine Freundin trug kein Kopftuch, und sie war den Islamisten wohl zu schön und zu klug.» Er habe die traurige Wahrheit von der Familie des Freundes erfahren. «Sie sagten mir, dass man nur noch ihren Kopf gefunden hatte.» Für ihn sei eine Welt zusammengebrochen. «Es war eine Tragödie. Noch heute trage ich das Bild von ihr mit mir herum. Es ist auf meinem Handyhintergrund, es ist das erste, was ich sehe, wenn ich das Gerät in die Hände nehme.» Ob er je wieder eine solche Liebe gefunden habe, darüber schweigt der 54-Jährige.

Die herzzerreissende Geschichte erzählte der SP-Politiker gestern im Grossen Rat, als ein Vorstoss aus SVP-Reihen behandelt wurde, der im Sommer nach dem Skandal um einen Sozialhilfebezüger in Nidau eingereicht wurde: Der Mann soll in einer Bieler Moschee Hasspredigten gehalten haben. Der Vorstoss verlangte eine systematische Überwachung aller Imame im Kanton.

Nicht alle Imame im Kanton bekannt

Hamdaoui ging der Vorstoss viel zu weit. «Ich habe die Geschichte erzählt, weil ich sagen wollte, dass ich viele Gründe habe, Islamisten zu bekämpfen. Aber trotzdem muss man die Gesetze respektieren und darf niemanden diskriminieren.» Auch der Regierungsrat sah das so: Eine systematische Überwachung sei extrem aufwändig. Auch fehlten für die regelmässigen Kontrolle der Imam-Predigten die gesetzlichen Grundlagen.

Die Behörden könnten nicht einmal alle im Kanton Bern tätigen Imame auflisten, sagte Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. Imame seien zum Teil Gläubige ohne Studium, die in einer Moschee vorbeten. Den Behörden sei es nicht möglich, Kenntnis über all diese Leute zu haben.

Die Ratsmehrheit folgte diesen Argumenten und lehnte die Forderung auch in der abgeschwächten Form des Postulats mit 78 zu 70 Stimmen ab.

(ct/sda)