Neues Baumgutachten

08. November 2018 18:11; Akt: 09.11.2018 11:21 Print

Hat Stadt vor Abstimmung geschummelt?

Ein neues Gutachten kommt zum Schluss, dass gewisse Alleen in Bern gesünder sind, als die Berner Stadtbehörden im Abstimmungskampf weismachen wollten.

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51,6 zu 48,4 Prozent. Mit dieser hauchdünnen Mehrheit sagte das Berner Stimmvolk anfangs März dieses Jahres Ja zum Tram Bern-Ostermundigen. Hier das Ja-Komitee im Vorfeld der Abstimmung. Die Realisierung des Grossprojekts spaltet seit längerer Zeit die Gemüter in der Region. Kritikpunkte der Tram-Gegner sind unter anderem die Kosten von 250 Millionen Franken, dass gewisse Quartiere nicht mehr erschlossen werden würden, der Zeitverlust für die Pendler sowie die Rodung von Baum-Alleen. Hier ein Abschnitt der betreffenden Allee. Ein Gutachten kommt nun zum Schluss, dass die Allee an der Ostermundigenstrasse gesünder ist, als die Berner Stadtbehörden annehmen. Die Stadt hatte im Abstimmungskampf argumentiert, dass ein Drittel der Alleebäume krank oder wachstumsschwach sei und ohnehin gefällt werden müsse. An diesem Argument brachte die «Freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr» Zweifel an. Sie beauftragte einen Experten für ein entsprechendes Gutachten. Prominentestes Mitglied in der Gruppe ist Vera Weber von der Fondation Weber. Der Gutachter kommt zum Schluss, dass lediglich 18 der 221 vom Tramprojekt tangierten Bäume in einem gesundheitlich schlechten Zustand seien und kurzfristig ersetzt werden müssen. Selbst wenn man diejenigen Bäume einbezieht, die aufgrund ihrer Art an diesem Standort nicht zukunftsträchtig sind, kommt der Experte auf rund 16 Prozent der Alleebäume die mittelfristig ersetzt werden müssten. Sprecher Thomas Schneiter zeigt sich gegenüber 20 Minuten erfreut über den Bericht: «Im Vorfeld hat man uns immer wieder vorgeworfen, falsche Gerüchte zu verbreiten. Durch diesen Bericht haben wir nun, zumindest in einem Punkt, Recht bekommen.» Die Arbeitsgruppe sei nicht generell gegen den öffentlichen Verkehr, aber: «Mittlerweile gibt es durch Doppelgelenk-Busse und Elektro-Busse genügend Alternativen zu einem Tram.» Auf Anfrage von 20 Minuten wollten sich die Behörden nicht zu den Vorwürfen äussern. Die Kommission für Staatspolitik und Aussenbeziehungen des Grossen Rates erklärte lediglich, dass ein noch laufendes Verfahren hängig sei und man deshalb keien Kommentar abgeben möchte. Die Gegner der geplanten Tramlinie von Bern nach Ostermundigen reichen das Gutachten dem Bundesgericht nach. Dort ist eine Abstimmungsbeschwerde hängig. Einer der gerügten Punkte betrifft die Aussage der Behörden, dass ohnehin jeder dritte der betroffenen Bäume krank oder wachstumsschwach sei.

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51,6 zu 48,4 Prozent: Mit dieser hauchdünnen Mehrheit sagte das Berner Stimmvolk Anfang März dieses Jahres Ja zum Tram Bern-Ostermundigen. Das geplante Grossprojekt spaltet seit längerer Zeit die Gemüter in der Region. Kritikpunkte der Tramgegner sind unter anderem die Kosten von 250 Millionen Franken, der Zeitverlust für die Pendler, die Rodung von Baum-Alleen und dass gewisse Quartiere nicht mehr erschlossen werden würden.

Ein Gutachten kommt nun zum Schluss, dass eben diese Alleen an der Ostermundigenstrasse und der Viktoriastrasse gesünder sind, als die Berner Stadtbehörden annehmen. Die Stadt hatte im Abstimmungskampf argumentiert, dass ein Drittel der Alleebäume krank oder wachstumsschwach sei und ohnehin gefällt werden müsse.

An diesem Argument brachte die «Freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr» Zweifel an. Sie beauftragte einen Experten für ein entsprechendes Gutachten.

Lediglich 16 Prozent der Bäume betroffen

Der Gutachter kommt zum Schluss, dass lediglich 18 der 221 vom Tramprojekt tangierten Bäume in einem gesundheitlich schlechten Zustand seien und kurzfristig ersetzt werden müssen. Selbst wenn man diejenigen Bäume einbezieht, die aufgrund ihrer Art an diesem Standort nicht zukunftsträchtig sind, kommt der Experte auf rund 16 Prozent der Alleebäume, die mittelfristig ersetzt werden müssten.

Damit steht für die «Freie Arbeitsgruppe» fest, dass die Aussage der Projektverantwortlichen in der Abstimmungsbotschaft nicht zutrifft. Darin hiess es: «Die neue Tramlinie betrifft auch bestehende Baumalleen entlang der Strecke. Rund ein Drittel dieser Bäume ist krank oder wachstumsschwach und müsste in den nächsten 15 Jahren ohnehin durch Jungbäume ersetzt werden.»

Sprecher Thomas Schneiter zeigt sich gegenüber 20 Minuten erfreut über den Bericht: «Im Vorfeld hat man uns immer wieder vorgeworfen, falsche Gerüchte zu verbreiten. Durch diesen Bericht haben wir nun, zumindest in einem Punkt, Recht bekommen.» Die Arbeitsgruppe sei nicht generell gegen den öffentlichen Verkehr, aber: «Mittlerweile gibt es durch Doppelgelenk-Busse und Elektro-Busse genügend Alternativen zu einem Tram.»

Klage beim Bundesgericht hängig

Auf Anfrage von 20 Minuten wollten sich die Behörden nicht zu den Vorwürfen äussern. Die Kommission für Staatspolitik und Aussenbeziehungen des Grossen Rates erklärte lediglich, dass ein noch Verfahren hängig sei und man deshalb keinen Kommentar abgeben möchte.

Die Gegner der geplanten Tramlinie von Bern nach Ostermundigen reichen das Gutachten dem Bundesgericht nach. Dort ist eine Abstimmungsbeschwerde hängig.

Nachdem die beiden Gemeinden Bern und Ostermundigen dem 264 Millionen Franken schweren Projekt zugestimmt hatten, überstand der Kantonsbeitrag von 102 Millionen Franken an das Projekt im März eine Referendumsabstimmung nur relativ knapp. Das Tram Bern-Ostermundigen soll dereinst die Buslinie 10 ersetzen.

(bho/sda)