Wenn Hacker schreiben

14. November 2019 08:04; Akt: 14.11.2019 09:44 Print

«Schick mal dini Nummere, Schätzeli»

Lea U. (27) verlor ihr Facebook-Profil an Cyberkriminelle. Für die junge Bernerin begann damit eine Odyssee.

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«Es hat mich sehr viel stärker belastet, als ich das gedacht hätte», sagt Lea U. Die Bernerin wurde Opfer von Hackern. Am Samstag konnte sich U. plötzlich nicht mehr auf Facebook anmelden – das Profilpasswort war ein anderes. Auch der Zugriff zum Mail-Konto wurde ihr verweigert. Da realisierte die 27-Jährige dass sie gehackt worden war: «Schlimm war, als ich bemerkte, dass die Hacker meine Freunde auf Facebook anschrieben.» Diese erhielten von den Hackern Nachrichten wie «Schick mal dini Nummere Schätzeli», liessen sich gar auf Chats mit den Freunden ein, waren sexistisch und beleidigend. «Und das alles in meinem Namen», so U.

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Die junge Mutter versuchte mit Facebook in Kontakt zu treten, durchsuchte Foren nach Hilfestellungen doch nichts führte zum gewünschten Erfolg: «Es war ein Odyssee. Ich fühlte mich besonders von Facebook im Stich gelassen, nirgends fand ich Hilfe.»

Link bringt die Erlösung

Für Opfer von Cyberkriminalität hat Facebook Hacked ins Leben gerufen. Hier erhalten betroffene rasch Hilfe, verspricht Facebook-Sprecher Johannes Prüller: «Die Meldung geht dann immer an einen Mitarbeiter, der gerade ‹on call› ist.» Seit 2013 bietet das Soziale Netzwerk zudem die Funktion von Vertrauenskontakten an. Damit können Hacking-Opfer die Hoheit über ihr Profil über den Account einer vertrauten Person zurückerlangen.

Ausserdem empfiehlt Facebook die zweistufige Authentifizierung zu aktivieren. Damit muss jeweils ein Sicherheitscode bei der Anmeldung an einem neuen Gerät eingegeben werden. «Fremden wird es somit erschwert, sich nochmalig Zugriff zu verschaffen», so Prüller.

Sicherheit im Wandel

Trotz Sicherheitsmassnahmen kommt es immer wieder vor, dass Nutzer Opfer von Cyberkriminellen werden. Auch weil viele den Schutz ihres Accounts nicht aktualisieren, wie auch das Beispiel von U. zeigt, die seit Dienstag ihr Profil zurück hat: «Ich habe mein Account vor über 10 Jahren angelegt und die Sicherheitsmassnahmen nie verschärft. Das war ein Fehler.»

Diesen hat die Facebook-Nutzerin nun korrigiert – sie hat neue, bessere Passwörter und die Sicherheitseinstellungen überarbeitet. Zurück würde ein fahler Nachgeschmack bleiben: «Ich habe gesehen, dass leider viele meiner Freunde ihre Handynummern den Hackern mitteilten.»

Daten sind Geld

Der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani des Bundes ist die Masche bekannt. «Wie viele andere Daten auch lassen sich Handynummern verkaufen oder für andere Angriffe und Missbräuche benutzen», sagt Pascal Lamia, Leiter bei Melani.

Auffällig beim Hackangriff auf die Bernerin ist, dass die Nachrichten teilweise in Schweizer Dialekt geschrieben waren. Laut Lima würden im Untergrund des Internet weltweit organisierte Gruppierungen agieren und die Cyber-Angriffe durchführen. «Diesen Gruppierungen ist auch zuzutrauen, dass sie jemanden anstellen, der Schweizerdeutsch spricht.»

Das Schweizerdeutsch der Hacker verursachte U. besonders Probleme: «Viele dachten, dass die Nachrichten von mir kommen. Einige wurden sogar wütend.» Sie habe nun alle angeschrieben und sie informiert, was geschehen sei.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Keiser Levin am 14.11.2019 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch, der Sklave der Technik

    1) jeder meiner Freunde der auf solche "gib mal deine Nummer" Nachrichten antwortet, den würde ich eh gleich von meiner Facebook/Instagram Freundesliste löschen. Weil jeder "Freund" würde misstrauisch werden, wenn man auf einmal mit Schätzeli nach der Handynummer fragt. 2) ist ja die Betroffene selber schuld --> Schlechtes Passwort, nicht aktualisierte Sicherheitsrichtlinien und wahrscheinlich mit X-Leuten befreundet, die man garnicht wirklich kennt. Tip an alle Leute: Habt auf Facebook/Insta einfach nur "Freunde" und nicht irgendwelche Halbbekannte, dann würde das auch nicht passieren.

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  • Tabea Behrendt am 14.11.2019 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso gibts FB noch?

    Ich frage mich ernsthaft, wer denn heute gopfridstutz noch auf Facebook aktiv ist. Bin 40+ und mir ist das vor 4 Jahren schon zu blöd geworden. Seither habe ich mein Leben wieder zurück, fernab von Fb, Insta, Twitter und co. Die letzte Hürde ist dann noch Whatsapp. Am besten zurück zum alten sms... bin schon lange nicht mehr geil darauf mein Leben allen präsentieren zu wollen. Lustigerweise bin ich seither zufrieden, ausgeglichen und glücklich.

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  • gee am 14.11.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "gehackt"

    Bestimmt einfache Sicherheitsregeln nicht befolgt und noch das gleiche Passwort für Mail und Facebook verwendet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ExSocialer am 14.11.2019 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Happy ohne Insta und Fratzenbuch

    Ist mir auch vor einiger Zyt bei Instagram passiert, hab das Profil jedoch zurückholen können. Erste Tat nachdem ich die Profilmacht wieder hatte. Zuerst hab ich alle Fotos und Einträge gelöscht, danach alle meine Social Media Profile. Nie wieder Antisocial Media, beste Entscheidung ever. Leute glaubt mir, man kann tatsächlich ohne leben. Kein Zwang aber pure Freiheit.

  • Detlef am 14.11.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    habe leider kein FB

    darum hier: suche Leute die meinen Garten hacken. Freiwillige Hände hoch!

  • onli am 14.11.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    ..Überraschung...

    ..tja, wenn man halt meint man müsse bei Facebook, Tinder, Twitter und wie sie alle heissen, dabei sein, muss man sich nicht wundern was einem überrascht.

  • Vale am 14.11.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bin auch betroffen

    Mir ist gestern das gleiche passiert. Konnte nicht schnell reagieren, da es während der Arbeitszeit passierte. Fragt (fast) allen nach der Nummer und wenn man antwortet meint der Hacker es geht um einen Wettbewerb. Leider habe ich auch kein Zugriff mehr auf mein Hotmail-Konto, da ich dort das Passwort vergessen habe und es auch schon länger existiert. Habe nie solche Links geöffnet noch jemandem meine Daten gegeben. Schade. Haben solche Hacker keine anderen Beschäftigungen?! Für die Zukunft weiss ich, dass ich aufjedenfall eine zweistufige-Authentifizierung aktivieren werde. Tut mir leid für L

  • 5Ger am 14.11.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung

    Kein Facebookaccount, kein Problem.