Balsthal SO

28. Februar 2019 05:46; Akt: 04.03.2019 10:32 Print

Tierschützer empört, weil Polizei Katze erschoss

Tierschützer sind erzürnt, weil die Kapo Solothurn ein angefahrenes Büsi nicht in den Notfall brachte, sondern erschoss. Die Polizei rechtfertigt ihr Vorgehen.

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Eine Katze wird von einem Auto angefahren: In der Schweiz leider keine Seltenheit. Es gibt keine genauen Zahlen, aber Schätzungen gehen von tausenden Katzen aus, die jährlich von Autos angefahren werden und dabei sterben. (Symbolbild) Ein Leser-Reporter machte am Montagabend in Balsthal SO eine für ihn merkwürdige Beobachtung. Als er sah, dass eine Katze angefahren wurde, bot er der anwesenden Polizisten seine Hilfe an. «Ich wollte die verletzte Katze in den Notfall bringen.» Daraus wurde jedoch nichts. Als die verletzte Katze sich stark wehrte, habe der Polizist seine Dienstwaffe gezückt und das Tier erschossen. «Hätte die Polizei die Katze nicht in den Notfall bringen müssen?», fragt er sich. Der geschilderte Fall wurde in einer Facebook-Gruppe über Rechtsfragen diskutiert. 20 Minuten konnte mit der Juristin und Aktivistin Esther Geisser von der Tierschutzorganisation Netap sprechen, die über den Fall informiert worden war. «Ich gehe nicht davon aus, dass der betreffende Polizist fachkundig genug war, die Katze zu töten.» Die engagierte Tierschützerin sieht grossen Handlungsbedarf seitens der Polizei: «Die Polizisten sollten im Umgang mit Unfalltieren geschult werden.» Aufgrund der vielen Unfällen mit Tieren brauche es dringend Aufklärungsarbeit. 20 Minuten bat die Kantonspolizei Solothurn um Stellungnahme. Dazu Mediensprecher Andreas Mock: «Grundsätzlich ist die Polizei berechtigt, einem verletzten Tier einen Fangschuss anzutragen. Diese Massnahme muss dann ergriffen werden, wenn ein Tier derart schwer verletzt ist, dass es möglichst rasch von seinen Leiden erlöst werden muss.» Den konkreten Fall vom Montagabend bestätigt er und schildert die Beweggründe seitens der Polizei. Die Katze konnte sich nicht mehr bewegen, blutete aus beiden Ohren, ein Auge befand sich ausserhalb der Augenhöhle und so weiter.» Zudem sei es offensichtlich gewesen, dass die Katze starke Schmerzen hatte und ihr nicht mehr geholfen werden könne, so Mock. Die Katze sei weder gechipt gewesen noch trug sie ein Halsband. Demnach konnte man den Besitzer nicht zeitgercht ausfindig machen. Um dem Tier weitere Qualen zu ersparen, habe man dieses mit einem gezielten Schuss aus der Dienstwaffe erlöst. Bei der Kapo Solothurn finde sehr wohl Aufklärungsarbeit statt, betont Andreas Mock.

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Als ein Leser-Reporter am Montagabend in Balsthal SO sah, dass eine Katze angefahren wurde, bot er den anwesenden Polizisten seine Hilfe an. «Ich wollte die verletzte Katze in den Notfall bringen.» Daraus wurde jedoch nichts. Als die verletzte Katze sich stark wehrte, habe der Polizist seine Dienstwaffe gezückt und das Tier erschossen. «Hätte die Polizei die Katze nicht in den Notfall bringen müssen?», fragt sich der Leser-Reporter.

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«Polizei muss dringend geschult werden»

Der geschilderte Fall wurde in einer Facebook-Gruppe über Rechtsfragen diskutiert. 20 Minuten konnte mit der Juristin und Aktivistin Esther Geisser von der Tierschutzorganisation Netap sprechen, die über den Fall informiert worden war. «Ich gehe nicht davon aus, dass der betreffende Polizist fachkundig genug war, um die Katze zu töten», und verweist auf Artikel 177 der Tierschutzordnung, der besagt, dass Tiere nur von Personen getötet werden dürfen, die sich die Fachkompetenz für das Töten von Tieren aneignen konnten.

Die engagierte Tierschützerin sieht grossen Handlungsbedarf seitens der Polizei: «Die Polizisten sollten im Umgang mit Unfalltieren geschult werden.» Aufgrund der vielen Unfälle mit Tieren brauche es dringend Aufklärungsarbeit.

Ob nun auf die Polizisten rechtliche Schritte zukommen werden, hält die Juristin für möglich: «Der Halter der Katze oder auch das Veterinäramt könnten Anzeige einreichen.» Eines steht für die Zürcherin fest: «Wäre die erschossene Katze meine gewesen, würde ich den Fall umgehend genau geklärt haben wollen.»

Katze mit schwersten Verletzungen

20 Minuten bat die Kantonspolizei Solothurn um eine Stellungnahme. Mediensprecher Andreas Mock sagt: «Grundsätzlich ist die Polizei berechtigt, einem verletzten Tier einen Fangschuss anzutragen. Diese Massnahme muss dann ergriffen werden, wenn ein Tier derart schwer verletzt ist, dass es möglichst rasch von seinen Leiden erlöst werden muss.» Den konkreten Fall vom Montagabend bestätigt er und schildert die Beweggründe seitens der Polizei.

Gegen 21.45 Uhr habe die Polizei einen Hinweis bekommen, dass in Balsthal eine Katze angefahren worden sei. Beim Eintreffen seien mehrere schwerste Verletzungen festgestellt worden. «Die Katze konnte sich nicht mehr bewegen, blutete aus beiden Ohren, ein Auge befand sich ausserhalb der Augenhöhle.» Zudem sei es offensichtlich gewesen, dass die Katze starke Schmerzen gehabt habe und ihr nicht mehr geholfen werden konnte, so Mock.

Besitzer der Katze konnte nicht ausfindig gemacht werden

Die Katze sei weder gechipt gewesen noch habe sie ein Halsband getragen. Demnach konnte man den Besitzer nicht zeitgerecht ausfindig machen. Um dem Tier weitere Qualen zu ersparen, habe man dieses mit einem Schuss aus der Dienstwaffe erlöst. «Jede Massnahme, die das Leiden dieser Katze hinausgezögert hätte, wäre aus Tierschutzgründen in der Situation nicht zu verantworten gewesen.»

Bei der Kapo Solothurn finde sehr wohl Aufklärungsarbeit statt, betont Andreas Mock: «Unsere Polizisten sind im Umgang mit verletzten Tieren ausgebildet; regelmässig finden zudem entsprechende Ausbildungen statt.»

(bho)