Gemeinsame Ausfahrt

16. Dezember 2015 05:55; Akt: 16.12.2015 07:59 Print

Höchster dänischer Velofahrer gibt Bern Tipps

von Nadine Ellis - Kaum sonstwo wird das Velofahren so gefördert wie in Kopenhagen. Nun holt sich Pro Velo Bern Tipps vom Ex-Bürgermeister und höchsten Radler Dänemarks.

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In Bern liegt der Anteil der Velos am Gesamtverkehr bei 11 Prozent. Bis 2030 soll sich dieser Prozentsatz dank der Berner Velo-Offensive fast verdoppeln. Doch auch dann wird Bern nicht mit Kopenhagen mithalten können: In der inoffiziellen Welthauptstadt des Velofahrens nutzt fast die Hälfte der Menschen den Drahtesel als Pendlergefährt.

Wie auch Bern punktet die dänische Hauptststadt mit zahlreichen Zielen in kurzen Entfernungen. Auch das flache Gelände und das weit ausgedehnte Velorouten-Netz laden dazu ein, Kopenhagen radelnd zu durchqueren. Und so werden auf den rund 370 Kilometern Radweg – diese sind rund 2,2 Meter breit und durch einen Bordstein klar von der Autospur und vom Trottoir abgetrennt – jeden Tag 1,3 Millionen Kilometer mit dem Bike zurückgelegt.

Rundfahrt zeigt gewisse Schwächen

Grund genug für den Verband Pro Velo Bern, Klaus Bondam, den ehemaligen Bürgermeister Kopenhagens und jetzigen CEO des Dänischen Radfahrerverbandes, einzuladen. «Die Idee war, mit Bondam eine Velorundfahrt durch Bern zu machen. Dabei wollten wir ihm die Situation schildern und schauen, wie er dazu steht», erklärt David Stampfli, Präsident von Pro Velo Bern.

Am Dienstagnachmittag machten sich Bondam und Stampfli auf eine rund einstündige Rundfahrt durch Bern, gefolgt von einem Tross von rund 40 weiteren Velofahrern. Nach dem Start im Monbijou ging es vorbei am Bundesplatz und am Grand Casino, über die Kornhausbrücke und via Lorrainebrücke und Hirschengraben wieder zurück zum Ausgangspunkt. «Besonders ins Auge gestochen ist mir, dass die Verkehrsführung für Velofahrer nicht sehr intuitiv ist», erzählt Bondam. Dabei sollte sich doch auch ein Kind um die elf Jahre im Verkehr wohlfühlen.

Er sei ein sehr erfahrener Biker, aber sogar er habe sich während der Fahrt «immer wieder unsicher gefühlt». So etwa auch auf der Lorrainebrücke: Hier habe man etwas für die Velofahrer tun wollen, sei aber den Weg nicht zu Ende gegangen. «Die jetzige Lösung mit dem roten Streifen ist schon ein guter Ausgangspunkt», fügt Bondam hinzu. Dennoch müsse die Infrastruktur noch verbessert werden, damit sie ein wirkliches Gefühl von Sicherheit vermittle.

Gute Ausgangslage für Velokultur in Bern

Doch der höchste dänische Velofahrer äusserte nicht nur Kritik. Besonders positiv fielen ihm die vielen Velofahrer auf, die sich trotz der kalten Temperaturen auf ihr Bike geschwungen hatten. Dies sei toll, denn das Velo spiele auch in der Gesundheit und im Klimaschutz eine wichtige Rolle.

Bondams Mission war zudem, aufzuzeigen, was für eine ausgeprägtere Velokultur förderlich sei. Er sieht daher auch durchaus grosses Potential für Bern, sich zur Velohauptstadt der Schweiz zu entwickeln: «Die Berner sind Outdoor-Leute und sehr nett zueinander. Dies ist eine gute Ausgangslage, um die Velokultur voranzubringen.»

E-Bikes sind «exzellent»

Nicht nur Bern kann von Kopenhagen lernen. Auch Bondam nimmt wichtige Inputs mit nach Dänemark: Ihm seien die vielen E-Bikes in der Stadt aufgefallen, die es in Dänemark noch kaum gebe. «Dabei sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen den Autos und dem Velo, wenn es darum geht, Strecken von 15 bis 20 Kilometern bewältigen zu können.»

Auch sonst wurde der Austausch am Dienstag gross geschrieben: Nach der Velotour erzählte Bondam in seinem Referat «Berne goes Copenhagen», wie Kopenhagen zur Velostadt wurde. Ganz nach dem Motto: «Cycling is for everybody».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.R. am 16.12.2015 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut

    Ich finde es gut, dass man erfahrene Leute hinzuzieht um die Situation einzuschätzen. Dies hilft sicherlich eine vernünftige Lösung zu finden. Ich bin ab und zu in Kopenhagen und in Amsterdam. Das Velo ist da ein sehr wichtiges Verkehrsmittel. Es ist aber zu beachten, dass es in diesen Städten funktioniert weil sich die Velofahrer an die Gesetze halten. Rot ist Rot, Füssganger auf Zebrastreifen hat Vortritt, etc. Das müssen hier noch einige lernen und dann kommt's gut.

  • Max Moritz am 16.12.2015 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erste Regel

    Gefälligst die Verkehrsregeln einhalten. Dann wäre schon vieles besser...

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  • M.M. am 16.12.2015 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pro & Contra

    Tja ich hoffe er hat auch gesehen, wieviele Velofahrer über Rot gehen und nicht einmal den Schulterblick machen, um links einzuspuren... nur schon heute morgen ist mir so einer fast vor die Räder gekommen... aus dem NICHTS!!! zieht er einfach links rüber und ich muss eine Vollbremsung machen (Glück das der Autofahrer hinter mir nicht aufgesessen hat... ist heute auch selten) Hier müssten die leute (und zwar alle parteien) zuerst lernen, die REGELN einzuhalten...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bürger Peter am 16.12.2015 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Das alles ist doch nur eine teure werbe aktion von frau Weiss im versuch stadtpräsidentin zu werden. So holt man die nötigen stimmen. Aber man muss daran denken: sie bezahlt es nicht

  • Bergler am 16.12.2015 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berns grösstes Problem?!

    Bei all dem 'Tam-Tam' um die Velokultur in unserer Hauptstadt sollte die 'trendige' Stadtregierung nicht vergessen, dass der Steuerzahler auch andernorts gleichviel Einsatz erwartet... Konkret: Schandfleck Reitschule!

    • Walter Spahni am 16.12.2015 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem!

      Wir Zürcher bezahlen die Zeche jeweils mit NFA!

    • Ritiker K. am 16.12.2015 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Probleme

      Die Berner Stimmbevölkerung hat schon mehrmals für die Reitschule abgestimmt. Offensichtlich steht die Bevölkerung also dahinter.

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  • Berner Bär am 16.12.2015 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdwörter sind Glücksache...

    Ehrlich, Herr Bondam, aber beim besten Willen sehe ich keinen Sinn betreffend ihrer Aussage, dass in Bern die Verkehrsführung für Velofahrer nicht "sehr intuitiv" sei. Was soll denn an einer Verkehrsführung für Velofahrer nicht sehr gefühlsmässig geleitet sein? Sie muss vor allem Sinn machen und der Sicherheit dienen! In Bern - und da hat ihre Organisation (die ja vormals "IG Velo" hiess) nicht eine geringe Schuld daran - herrscht auch velomässig Anarchie!

    • Mario Saurer am 16.12.2015 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Berner Bär

      Steigen Sie mal aufs Velo und fahren Sie durch unsere Stadt. Sie brauchen nur in die Region Hirschengraben/Bahnhof/Bollwerk zu kommen und wissen nicht mehr wo Sie nun lang fahren müssen/dürfen/sollen. Oder Sie fahren die Thunstrasse runter Richtung Helvetiaplatz: Den Platz schon im Blickfeld, stehen Sie unvermittelt vor einem Fahrverbot. Kein Hinweis wo es weiter geht. Intuitiv ist das sicher nicht. Man fühlt sich oft nicht ernst genommen, dies liegt nicht zuletzt an er der mangelnden Beschilderung und unbeholfenen Linienführung. Meist wird das Velo dort geführt, wo noch etwas Platz übrig ist.

    • Madara Uchiha am 16.12.2015 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario Saurer

      weiss nicht wo das problem ist? wen es für autos genug schulder und linien hat hat es die auch für das velo

    • Mani am 16.12.2015 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Und das sagen sie als?

      Experten des Betrachtens?

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  • M.M. am 16.12.2015 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pro & Contra

    Tja ich hoffe er hat auch gesehen, wieviele Velofahrer über Rot gehen und nicht einmal den Schulterblick machen, um links einzuspuren... nur schon heute morgen ist mir so einer fast vor die Räder gekommen... aus dem NICHTS!!! zieht er einfach links rüber und ich muss eine Vollbremsung machen (Glück das der Autofahrer hinter mir nicht aufgesessen hat... ist heute auch selten) Hier müssten die leute (und zwar alle parteien) zuerst lernen, die REGELN einzuhalten...

    • Elisabeth am 17.12.2015 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.M.

      Das ist richtig zu erwähnen: Die Dänen halten bei rot!! Ich war schon mehrmals mit und ohne Velo in DK. Die Dänen fahren rassig, halten sich jedoch an rot, grün, stop usw.. Allerdings kennen sie kein Pardon für Fussgänger, die sie auf ihren Velowegen behindern! Da hält kaum einer. Allerdings ist das bekannt, so dass sich die Fussgänger auch besser verhalten. Doch sonst halten sie sich besser an die Gesetze als CH-Velofahrer!

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  • Peter Dreher am 16.12.2015 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Velos nicht an den Rand drängen

    Endlich! Die Schweiz ist bezogen auf die Velo-Kultur ganz einfach in der Steinzeit stehen geblieben. Wenn man als Velofahrer nicht völlig an den Rand gedrängt wird, fällt es einem auch nicht schwer, sich an die Regeln zu halten. Ist mir schon vor 20 Jahren(!) z.B. in Konstanz aufgefallen.