Bern

24. Juni 2011 17:23; Akt: 24.06.2011 17:48 Print

Höhere Strafe für «Schläger von Schüpfen»

Der 22-Jährige Mann, der in Schüpfen einen Wirt mit einem Aschenbecher schwer verletzt hatte, wurde zu 14 Monaten Haft verurteilt. Ins Gefängnis muss er allerdings nicht.

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Das Obergericht in Bern hat am Freitag die Freiheitsstrafe für den «Schläger von Schüpfen» von 11 auf 14 Monate erhöht. Für die Oberrichter steht fest, dass der 22-Jährige dem Wirt eines Restaurants einen Metallaschenbecher auf den Kopf geschlagen hat.

Der junge Mann beteuert dagegen, sein minderjähriger Kollege habe diesen Angriff verübt. Dieser Kollege hat ebenfalls zu Protokoll gegeben, er habe vor einem Jahr mit dem schweren Aschenbecher den Kopf des Wirtes im bernischen Schüpfen blutig geschlagen.

Trotzdem hatte in erster Instanz das Regionalgericht in Biel den als «Schläger von Schüpfen» bekannten 22-jährigen unter anderem wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichem Gegenstand verurteilt.

Das Obergericht folgte am Freitag der Argumentation der Vorinstanz. Die Aussagen der Zeugen stimmten in diesem Aspekt überein und seien zuverlässig, sagte die vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Es sei auszuschliessen, dass die Zeugen die Täter verwechselt hätten.

Dagegen seien die Aussagen der zwei jungen Männer kaum glaubwürdig. Somit dürften die beiden Kollegen abgesprochen haben, dass der Minderjährige die Tat auf sich nimmt, wie die Richterin ausführte. Der 22-Jährige war nämlich wegen einer anderen Strafe nur bedingt auf freiem Fuss.

Zeugenaussagen bezweifelt

Der Verteidiger des Beschuldigten betonte vergeblich, es gebe keine Beweise, die auf seinen Mandanten als Angreifer schliessen liessen. Die als Zeugen vernommenen Jasser hätten nämlich von ihrem Tisch aus gar keinen Blickkontakt zu den jungen Männern gehabt.

Das sah der Generalstaatsanwalt anders. Zumindest drei der Jasser seien aufgestanden und hätten das Geschehen beobachtet, sagte er. Im übrigen habe der minderjährige Kollege des Beschuldigten sein Geständnis im Verlauf des Verfahrens relativiert.

Auch die Oberrichter schlossen ein Komplott der Zeugen und des Wirtes gegen den Beschuldigten aus. Zwar stimmten die Zeugenaussagen nicht in allen Details überein, räumte die vorsitzende Richterin ein. Das sei aber normal, da am Tatort alles sehr schnell gegangen sei. Im Kern stimmten aber die Aussagen der Zeugen überein.

Aus dem Saal gewiesen

Das Obergericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts und verurteilte den jungen Mann wegen falscher Anschuldigung, einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand und Tätlichkeit. Das Gericht verhängte damit das Strafmass, das der Staatsanwalt schon im erstinstanzlichen Verfahren gefordert hatte.

Bei der Urteilsverkündung erklärte die vorsitzende Richterin, dass der Beschuldigte nicht ins Gefängnis müsse, sondern für eine stationäre Therapie in eine geeignete Institution komme.

Der 22-Jährige bekam die detaillierte Begründung des Urteils allerdings nicht mit. Schon zu Beginn unterbrach er wiederholt die vorsitzende Richterin und beschimpfte das dreiköpfige Gericht. Nach mehreren Warnungen führten zwei Polizisten den jungen Mann ab.

Der Vorfall in Schüpfen hatte im vergangenen Jahr landesweit für Aufsehen gesorgt. Er entzündete sich daran, dass der junge Mann und sein Kollege zum bestellten Bier selber mitgebrachten Schnaps trinken wollten. Kurzerhand holten sie sich selber die dafür nötigen Gläser. Deshalb schritt der Wirt ein und forderte sie auf, das Restaurant zu verlassen.

(sda)