Hochrisiko-Spiel YB-GC

16. Mai 2019 05:03; Akt: 16.05.2019 09:14 Print

GC-Hools kommen – Bern erwartet «z'Gröbschte»

Am Wochenende sorgten GC-Fans für einen Spielabbruch in Luzern. Am Donnerstag kommen die Krawallbrüder nach Bern. Ein Ex-Hooligan prophezeit Ungemach.

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Die Szenen sorgten für Schlagzeilen: GC-Ultras erzwangen am Sonntag in Luzern einen Spielabbruch und erpressten die GC-Spieler zur Herausgabe ihrer Trikots. Gegen fünf der Chaoten hat die Swiss Football League inzwischen Stadionsperren erlassen, unter anderem gegen den bekannten Neonazi-Hooligan Stefan N. (40). 50 weiteren Krawallbrüdern, welche über die Abschrankungen der Swissporarena kletterten, drohen ebenfalls Sanktionen. Bereits beim Spiel gegen den FC Sion im März hatten sie für einen Spielabbruch gesorgt.

Am Donnerstag nun kommen die GC-Chaoten nach Bern. Der emotionale Graben zwischen den beiden Fanblöcken könnte grösser nicht sein: Den Zürchern sitzt der Frust über den ersten Abstieg nach 70 Jahren tief in den Knochen, derweil die Fans des Meisters auf Wolke 7 schweben.

Dass sich in der GC-Fankurve zuletzt vermehrt rechtsextreme Exponenten in den Vordergrund drängten, könnte das Klima zusätzlich anheizen. Denn die YB-Ultras, insbesondere jene des Urban Squad, sind eher links zu verorten.

«Z'Gröbschte, wo's get»

Die Ausgangslage könnte angespannter also nicht sein. Das sieht auch Ex-Hooligan S.R.* (19) so. Trotz jungem Alter war er bereits Teil verschiedener Gruppierungen, unter anderem in der Fankurve der Grasshoppers und des FC Basel. Für das Spiel am Donnerstag erwarte er «z'Gröbschte, wo's get», wie er sagt. Denn die Emotionen und der Hass der GC-Fans über den ersten Abstieg seit 70 Jahren hätten sich noch lange nicht gelegt. «Sie werden wohl wieder Pyros auf das Feld schmeissen und versuchen, über den Zaun zu klettern und einen Spielabbruch zu erzwingen», glaubt R.

Brutaler zugehen werde es allerdings rund ums Stade de Suisse. «Ein Kollege aus der Berner Ostkurve sagte mir, dass sich GC- und YB-Anhänger zu einer Schlägerei verabredet hätten», sagt R. Die GC-Ultras bezeichnet R. als «organisierte Kampfsportler, vergleichbar mit den Russen». Bei den Kämpfen sehe er daher leichte Vorteile bei den Zürchern. In der Regel würden sich die Gruppierungen in einer abgelegenen Strasse treffen und aufeinander einprügeln – «bis alle am Boden liegen».

«Seit je her Stufe Rot»

GC-Abstieg hin oder her: Sicherheitsdirektor Reto Nause will dem Spiel nicht mehr Bedeutung beimessen als sonst. «Partien zwischen YB und GC sind seit je her auf Rot eingestuft, gelten also als Risikospiele», sagt Nause. So stehe auch dieses Mal ein «entsprechendes Polizeiaufgebot» im Einsatz. Ob dieses aufgrund der angespannten Situation rund um die Relegation grösser sei als sonst, wollte er nicht sagen.

Jedoch sei man über die jüngsten Vorkommnisse in der GC-Fankurve – insbesondere über die rechtsextremen Exponenten, die sich prominent in Szene setzten – im Bild. «Solche Kenntnisse fliessen selbstverständlich in die polizeiliche Lagebeurteilung und die Vorbereitungen ein», so Nause. Wie viele Fans kämen und in welcher emotionalen Verfassung sie sich präsentieren würden, sei schwer abzuschätzen. «Das wissen wir erst am Tag des Spiels.»

Für die Sicherheit im Stadion ist der BSC Young Boys zuständig. Auch Sprecher Albert Staudenmann spricht im Interview mit Telebärn von einem «Hochrisiko-Spiel, wenn Zürcher Clubs nach Bern kommen». Ein «Grossaufgebot» an Sicherheitskräften stehe daher schon parat. Man appelliere an die Vernunft aller Beteiligten und sei überzeugt, dass das Spiel geordnet über die Bühne gehen werde.

*Name der Redaktion bekannt

(sul)