Asylunterkunft in Oftringen AG

07. Februar 2019 17:45; Akt: 07.02.2019 19:31 Print

Im Kühlschrank krabbeln Kakerlaken herum

Flüchtlinge beklagen katastrophale Zustände in einer Unterkunft, etwa Kakerlaken, marode Infrastruktur und mangelnde Privatsphäre. Betrieben wird die Unterkunft vom Kanton Aargau.

Kakerlaken in einem Asylheim in Oftringen.(Video:Leser-Reporter)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Aktuell wird in der Schweiz eine Debatte über Asylunterkünfte geführt. Das Durchgangszentrum in Oberbuchsiten SO, in welchem abgewiesene Asylbewerber untergebracht sind, macht zurzeit Schlagzeilen. Menschen müssten dort unter prekären Bedingungen hausen und würden lediglich durch die Nothilfe unterstützt. NGOs kritisieren diese Praxis und fordern eine Änderung.

«Wir sind doch in der Schweiz und nicht in Asien»: Mit diesen Worten kommentiert ein junger iranischer Asylbewerber ein Video, das 20 Minuten zugeschickt wurde. Kakerlaken krabbeln durch den Kühlschrank, in den winzigen Zimmern stehen verrostete Kochutensilien und die Wände sind völlig verdreckt. «Wir leben zu viert in diesem kleinen Zimmer mit Tüchern als Wände, für Privatsphäre bleibt da kein Platz», so der Mann.

Ablagerungen in der Toilette

Der Iraner, der anynonym bleiben möchte, lebt seit acht Monaten in der Asylunterkunft in Oftringen. Wie seine Mitbewohner bekam er einen negativen Asylentscheid. Die Zustände seien katastrophal: «In der Wohnung hat es keine Heizung, ich schlafe mit zwei Decken und häufig mit der Jacke.» Das marode Haus sei völlig verdreckt, obwohl die Reinigung nicht zu kurz komme: «Wir putzen hier jeden Tag.»

20 Minuten besucht die betreffende Unterkunft. Das alte Bauernhaus liegt abseits auf einem Feld neben der Autobahn. Es ist unübersehbar, dass hier längst Renovationsarbeiten stattfinden müssten: In den Zimmern bröckelt das Holz ab, es hat hartnäckige Ablagerungen in der Toilette, Schmutz liegt herum, Spiegel sind kaputt. Von den zwei Duschen im oberen Stock funkioniert lediglich eine.

Mit drei weiteren Flüchtlingen teilt sich der Iraner ein Zimmer. Eine Türe gibt es nicht, ebesowenig wie Ablageflächen oder Stauraum: Koffer und sonstige Utensilien müssen auf dem kleinen Bett aufbewahrt werden. «Einen Aufenthaltsraum gibt es nirgends», so der junge Mann weiter. Laut ihm wurden die Zustände mehrmals gemeldet, geschehen sei jedoch nichts.

Flüchtlinge prangern Zustände an

«Nicht wie Personen zweiten Grades behandelt»

Stephan Müller, Leiter Sektion Betreuung Asyl des Kantons Aargau, nimmt Stellung zu den Vorwürfen: «Uns ist bewusst, dass die Liegenschaft etwas älter ist. Wir wehren uns aber dezidiert gegen den Vorwurf, dass die ausreisepflichtigen Asylbewerber wie Menschen zweiten Grades behandelt werden würden.»

In der betreffenden Asylunterkunft würden aktuell um die 35 Personen leben. Von speziell engen Platzverhältnissen könne nicht gesprochen werden: «Bei voller Auslastung hätten 55 Personen Platz.» Man sei wie bei allen anderen Unterkünften bestrebt, eine menschenwürdige Unterkunft bereitzustellen. Vehement weist er auch den Vorwurf der fehlenden Heizung zurück. «Wir garantieren in allen Unterkünften gut beheizte Räumlichkeiten. Und im zweiten Haushalt, der sich auch baulich in einem besseren Zustand befindet, hat es noch weitere Duschen.»

Renovationen geplant

Für dieses Jahr seien Renovationen geplant. Diese seien notwendig, aber: «Fakt ist, dass die Einrichtung in Unterkünften für ausreisepflichtige Personen eher einfach gehalten ist, damit ein gewisser Druck aufgesetzt wird.»

(bho)