Berner Puppe Lolita

20. März 2019 19:27; Akt: 20.03.2019 19:27 Print

«Menschliche Sexualität hat eine breite Klaviatur»

Kindersexpuppen wie die in Bern vermietete Lolita sind bei Experten umstritten. Fachpsychologin Monika Egli-Alge erklärt die Risiken – und Chancen.

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Lolita ist 1 Meter gross, 15 Kilo schwer und soll Männer befriedigen: Das Mädchen ist eine von zwei Liebespuppen, welche in einem Berner Puppen-Bordell angeboten werden. Monika Egli-Alge ist Fachpsychologin Psychotherapie und Rechtspsychologie sowie Leiterin des Forensischen Instituts Ostschweiz Forio und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Pädophilie. 20 Minuten sprach mit ihr über die Problematik von Kindersexpuppen.

Frau Egli-Alge, sind solche Kindersexpuppen gefährlich?

Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen zwei Polen. Zum einen kann eine solche Puppe als Ventil funktionieren, damit Menschen mit pädophilen Neigungen ihrem Verlangen nachgehen können, ohne sich strafbar zu machen. Zum anderen kann sie jedoch auch dazu führen, dass eine Schleuse geöffnet wird und das Risiko steigen könnte, dass Menschen ihre Pädophilie in der Realität ausleben möchten. Die Fachwelt ist sich hier noch uneinig. Es fehlt an wissenschaftlich fundierten Zahlen. Aber es ist derzeit international ein grosses Thema für die Forschung.

Was ist ihre persönliche Meinung dazu?
Ich finde es schwierig, einen Standpunkt zu finden. Was passiert mit jemandem, der von dieser Präferenz betroffen und deliktfrei leben will, aber in solchen Angeboten eine Möglichkeit sieht, seine Sexualität ausleben zu können? Schlussendlich kommt das auf das einzelne Individuum an und wie gut es seinen sexuellen Drang, sein sexuelles Verhalten kontrollieren kann.

In der Bevölkerung lösen Kindersexpuppen Ängste und Abscheu aus...
Diese Ängste sind nachvollziehbar. Aber hier ist es meines Erachtens wichtig, dass man seine Haltung zur Sexualität im Allgemeinen für sich überprüft. Die menschliche Sexualität hat eine sehr breite Klaviatur. Es muss alles im legalen Bereich sein, aber alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt.

Was halten Pädophile selber von solchen Puppen?

Das Thema ist bei Gruppen- wie auch Einzeltherapien oft Thema. Und Pädophile hadern mit den selben Standpunkten wie die Fachwelt. Zum einen sehen sie eine Möglichkeit, ihren Drang auszuleben, zum anderen fürchten sie sich vor dem Kontrollverlust über ihr sexuelles Verhalten.

Was raten Sie allgemein Menschen, die bei sich pädophile Neigungen entdecken?
Wer pädophile Neigungen hat und mit einer solchen Puppe interagieren will, sollte dies im Rahmen einer Behandlung,
einer Psychotherapie oder sonstigen fachlichen Begleitung besprechen und bearbeiten. Sonst kann es sein, dass der Drang aus dem Ruder läuft. Ausserdem rate ich Menschen, die pädophile Neigungen verspüren, eines der spezifischen Angebote nutzen. Diese sind oft auch komplett anonym und unverbindlich. Viele Betroffene machen den Fehler, dass sie sich alleine damit auseinandersetzen und dann darunter leiden.

(cho)