20 Jahre in Bern

06. Februar 2019 14:53; Akt: 06.02.2019 14:53 Print

Geben die Barstreet-Veranstalter auf?

Bern galt als letzte Bastion des Barstreet-Festivals. Hat dieses nun ausgendient? Die Veranstalter lassen entsprechendes durchblicken.

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Am Barstreet Bern soll am Freitag Florian Ast für Partystimmung sorgen, einen Tag später läuft der Traditionsevent in der Festhalle im Wankdorf-Quartier unter dem Motto «Never give up!». Doch es wird die letzte Party für die diesjährige Ausgabe sein – und vielleicht ist gar für immer Schluss. Wie der «Berner Bär» schreibt, überlegt sich der Veranstalter, den Event nach 20 Ausgaben aufzugeben: «Wahrscheinlich wird das diesjährige Barstreet-Festival das letzte sein», so Organisator Adrian von Niederhäusern zur Wochenzeitung.

Den definitiven Entscheid will er erst nach dem diesjährigen Partymarathon treffen. Die Zahlen würden jedoch nicht gut aussehen: «Es kommen insgesamt einfach zu wenige», so der 56-Jährige.

Halb so viele Besucher

Bis zu 60'000 Besucher verzeichnete das Barstreet Bern in seinen Blütejahren pro Ausgabe. 2019 werden voraussichtlich 35'000 Menschen den Anlass besuchen – zu wenig, damit das Barfestival noch rentiert, wie von Niederhäusern sagt: «Wir haben sehr hohe Kosten, auch wegen unserer Grösse. Darum sind wir auf viele Eintritte angewiesen.»

20 Jahre hat der Berner grosse Hallen mit vielen Bars bestückt, DJs und Bands auf die Bühne gestellt und leicht bekleidete Frauen tanzen lassen. In Luzern, Küsnacht und Bern stieg die Party jährlich und lief etwa in Bern rund einen Monat lang Wochenende für Wochenende. Wegen rückgängigen Besucherzahlen fand 2014 in Luzern das letzte Barstreet statt. 2017 ereilte die Party in Küsnacht das selbe Schicksal. Nun droht auch die letzte Barstreet-Bastion in Bern zu fallen.

Social Media und eine neue Generation

Das Konzept sei jedoch nicht das Problem, ist von Niederhäusern überzeugt. Schuld an den geringen Besucherzahlen seien auch Whatsapp, Instagram und andere soziale Medien: «Heute muss man nicht mehr ins Pub, um miteinander zu kommunizieren. Ein Smartphone reicht.» Tinder und andere Dating-Apps würden ihn zusätzliche Eintritte kosten. Dabei hätten etliche Besucher am Event ihre Liebe gefunden: «Ich höre immer wieder von Menschen, die sich vor x Jahren hier kennengelernt haben und noch immer glücklich miteinander sind.»

Der erfahrene Veranstalter spricht als Grund für das sinkende Interesse aber auch von einer neuen Generation. Die heutigen Jungen seien einfach nicht mehr so auf Party aus. Das würde er beim Einlass bemerken: «Früher waren die Besucher beim Anstehen richtig partygeil, haben gedrängt und konnten es kaum erwarten.» Heute spüre er diese Energie nicht mehr: «Heute stehen die Jungen ganz brav in der Schlange und warten, bis sie an der Reihe sind. Wie Konfirmanden.»

(Never) Give up

Von Niederhäusern hofft, dass es am Wochenende noch einmal richtig knallt. Sein Traum wäre eine volle Halle, also 6000 Besucher bei der «Never give up!»-Party. «Das ist unser Motto», sagt der Organisator. Nächste Woche werde er sich dann ans Abrechnen machen. Erst wenn er die Zahlen schwarz auf weiss habe, werde er entscheiden ob das Barstreetfestival in Bern Geschichte sei. «Denkbar wäre auch ein kleineres, kürzeres Festival. Aber es ist die Frage, ob wir das wirklich wollen.» Als letzter Ausweg bleibt dann wohl doch nur noch der Bruch mit dem aktuellen Motto.

(cho)