Jäger verunsichern Spaziergänger

04. Juli 2019 04:47; Akt: 04.07.2019 09:22 Print

«Der Schuss hätte auch mich treffen können»

von S. Ulrich - Weidmanns-Unheil in Däniken SO: Quartierbewohner werfen den Jägern vor, auf der Pirsch Menschenleben zu gefährden. Der Jagdverein weist die Anschuldigungen zurück.

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Riesenschreck für Daniela Müller* aus Däniken SO: Am Montag begab sie sich auf ihren allabendlichen Spaziergang mit ihrem Vierbeiner. «Wegen der Hitze laufe ich momentan erst gegen 21.30 Uhr los, wenn es bereits am Eindunkeln ist», sagt Müller.

Kurz bevor die 61-Jährige den Wald beim Neu-Bern-Quartier erreichte, erblickte sie auf der angrenzenden Matte ein Reh, das sich nicht weiter um Müller und ihren Hund zu kümmern schien. «Die Rehe kennen mich mittlerweile», sagt sie nicht ohne Stolz.

«Kopflos und unverantwortlich»

Nur zwei Minuten später wurde die Idylle jedoch arg gestört: Durch den Wald hallte ein ohrenbetäubender Knall. «Ich bin ziemlich erschrocken, hatte aber keine Ahnung, woher der Schuss kam.» Gewissheit erhielt die Dänikerin auf dem Rückweg: «Bei einem Bauernhof sah ich zwei Jäger. Sie hatten das Reh erlegt, das eben noch friedlich auf der Wiese graste.»

Brisant: Das Tier befand sich zwischen dem Bauernhof und dem Spazierweg. Müller ist fassungslos: «Der Schuss hätte auch mich treffen können.» Denn sie bezweifle, dass die Jäger sie in der Dämmerung gesehen hätten. Auch habe sie nirgends Warnschilder gesehen. Den Vorfall meldete Müller der Polizei.

Im Neu-Bern-Quartier ist man durch die Geschehnisse alarmiert. «Es kann doch nicht sein, dass am Rande eines Wohngebiets herumgeballert wird», sagt Peter Hochuli (61). Viele Bewohner würden das kleine Waldstück nutzen, um ihren Hund auszuführen. Die Aktion der Jäger sei daher «kopflos und unverantwortlich» gewesen. Bei der Bevölkerung hätten sie nun viel Goodwill verspielt, ist Hochuli überzeugt.

«Wir wissen genau, was wir tun»

20 Minuten konfrontierte den Jagdleiter des Jagdvereins Däniken, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, mit den Vorwürfen. Zum aktuellen Fall könne er sich nicht äussern, da er noch nicht alle Details kenne. Grundsätzlich würden bei der Jagd jedoch hohe Sicherheitsbestimmungen gelten. «Schüsse dürfen etwa nur dann abgegeben werden, wenn ein Kugelfang, also gewachsener Boden, vorhanden ist», erklärt er.

Jeder Schütze sei selber für seinen Schuss verantwortlich und habe dafür zu sorgen, dass er weder Dritte noch deren Eigentum gefährde. Dieser Grundsatz werde weitestgehend erfüllt. «Alle Jäger haben eine entsprechende Ausbildung absolviert. Wir wissen genau, was wir tun», versichert der Jagdleiter. Eine Signalisierung sei bei der Einzeljagd zudem nicht nötig: «Eine solche schreibt das Gesetz nur bei der Treibjagd vor.»

Ab dem 1. Mai dürfen männliche Rehe gejagt werden. Vom Kanton habe man den Auftrag, eine bestimmte Jahresabschusszahl zu erreichen, so der Jäger. Gerade im Umkreis des Waldes neben dem Neu-Bern-Quartier gebe es immer wieder Probleme mit Wildtieren: «Wir haben viele Fälle mit Rehen, die unter den Zug oder das Auto geraten.»

«Keine Gefährdung von Personen»

Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt eine Meldung zum beschriebenen Vorfall. Gemäss Abklärungen sei es jedoch «zu keiner Gefährdung von Personen» gekommen. «Die Sommerbock-Jagd war bewilligt und lief rechtens, die entsprechenden Vorschriften und Bestimmungen wurden eingehalten», heisst es auf Anfrage. Es liege somit kein Straftatbestand vor. Den Quartierbewohnern habe man den Kontakt zur Jagdgesellschaft vermittelt, die ein klärendes Gespräch mit den Personen angeboten hätten.

Auch wenn laut Polizei alles korrekt lief, bleibt bei Daniela Müller ein mulmiges Gefühl in der Magengrube zurück: «Ob ich mich je wieder auf meine Spazierroute traue, weiss ich noch nicht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GeGe am 04.07.2019 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrnehmung

    Es gibt immer regeln und Abstände bei einer Schussabgabe. Ich denke Frau Müller hat hier eine falsche Wahrnehmung

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  • W.T. am 04.07.2019 06:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte, würde, könnte...

    Oh, ein Auto ... das hätte mich überfahren können... oh, ein Flugzeug, hätte auf meinen Kopf fallen können...oh, Gabel und Messer - damit hätte man mich erstechen können... etc., etc. Das Leben ist lebensgefährlich und endet immer mit dem Tod.

  • M. O. am 04.07.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spaziergänger

    So ist es richtig: Spaziergänger die keine Ahnung haben, sich nicht getrauen nachzufragen und sich selbst etwas zusammendichten stellen den Jäger mal wieder als bösen Mann hin...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beni Rehmann am 04.07.2019 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt

    Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Mein Elternhaus steht nicht allzuweit vom Wald. Eines morgens als ich zur Arbeit ging, war ein Einschussloch auf Kopfhöhe im Garagentor. Der aufgebotene Wildhüter kam mit der Polizei. Es war klar von einem Jagdgewehr. Soviel zum Thema Kugelfang.... Ein paar Jahre später erzählte mir ein Jäger, er wisse wer den Schuss damals abgegeben habe, nannte aber natürlich keinen Namen.

  • Reto am 04.07.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kugelfang

    wenn diese Perspektive stimmt, dann sehe ich höchstens die Lärmschutzwand als Kugelfang und nicht Erde. In diesem Fall wäre ja streng genommen eine sichere Schussabgabe nicht gewährleistet, oder schüttet der Bagger diese gerade auf

  • Trollgeflüster am 04.07.2019 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idioten

    Darum nehme ich immer ein ansehlicher Bluetooth- Woofer mit in den Wald und drehe laut auf, damit die Jäger sich schön ärgern...

  • A.J. am 04.07.2019 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Jäger machen keine Fehler. Genausowenig wie die ebenso gut ausgebildeten Autofahrer.

  • T.V. am 04.07.2019 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saugefährlich

    sie wissen nicht was sie tun. sie ballern einfach auf die Tiere. Jäger sind spezielle Menschen. Liebend gern wird getrunken und gefestet. Na ja, es ist schwierig mit dieser Sorte Menschen.