Bedrohter Schutzwald

25. September 2019 18:01; Akt: 25.09.2019 18:21 Print

Lawinengefahr – Walliser machen Jagd auf Hirsche

Auch in diesem Jahr ist der Rothirschbestand im Kanton Wallis zu hoch. Die Population bedroht die Wälder, welche die Dörfer im Tal vor Lawinen schützen sollten.

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Jäger aus dem Kanton Wallis stehen unter Zugzwang: Sie müssen mehr Rotwild erlegen. So will es der Kanton. Dies, weil der Bestand an Rothirschen zu hoch sei. Die Population müsse verkleinert werden, da die Tiere ansonsten wichtige Schutzwälder der Region beschädigten.

Die Hirsche knabbern offenbar am liebsten an den jungen Bäumen der Schutzwälder, welche die Dörfer im Tal vor Lawinen oder Steinschlägen schützen sollen. So könne sich der Schutzwald nicht verjüngen: «Die alten Bäume sterben ab, die jungen wachsen nicht mehr nach», erklärt Daniel Kalbermatten, Präsident des Jagdverbands Wallis gegenüber dem SRF.

Neue Lösungsansätze

Ende August entschied der Walliser Staatsrat, dass während der diesjährigen Hochjagd sogar in Jagdbannzonen, Gebiete in denen die Jagd eigentlich verboten ist, gejagt werden darf. «Wir haben an die 6000 Hirsche im Gebiet und sollten davon rund 2200 schiessen», sagt Kalbermatten. Er fordert sogar, dass die Jagdzeit künftig verlängert wird: «Es braucht neue Lösungsansätze.»

Dies sei jedoch nicht die einzige Option, um dem Problem entgegenzuwirken, sagt Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär von «Pro Natura». In Regionen, in denen die Situation problematisch sei, seien regionale Wald-Wild-Management-Konzepte nötig. «Diese Konzepte beinhalten neben der Jagd auch weitere Massnahmen wie beispielsweise die Waldbewirtschaftung und Vernetzung der Lebensräume der Rothirsche.» Auch Leugger-Eggimann ist der Meinung, dass die Situation in einigen Wäldern kritisch ist. Die Situation sei jedoch noch nicht so dramatisch, dass «die Schutzwälder grossflächig absterben» würden.

Schlaue Hirsche

Rothirsche sind gerade im Kanton Wallis häufig anzutreffen. Zu ihren natürlichen Feinden gehören der Wolf und der Luchs, die in der Region nur selten anzutreffen sind. Dies auch, weil die Wölfe oft zum Abschuss freigegeben würden. «Das Raubwild fehlt», sagt auch Jäger-Präsident Kalbermatten. Zudem seien die kalten Wintermonate zu wenig intensiv, als dass sie den Rothirschbestand reduzieren könnten.

Da die Tiere laut dem Kanton von menschlicher Störungen geschützt werden und genügend Nahrung erhalten, wächst die Population stetig. Jährlich würden deswegen 30-35 Prozent des Bestandes zum Abschuss freigegeben. Im Kanton Wallis wurden im Jahr 2018 insgesamt 1825 Stück Rotwild erlegt.

Wird in einer Hirschregion das Abschusskontingent nicht erreicht, wird normalerweise eine Nachjagd organisiert. Doch die Tiere lernen schnell: Bei zu hohem Druck durch die Jäger, fliehen die Rothirsche in Gebiete, in denen die Jagd nicht erlaubt ist.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 25.09.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel

    Klar, da jetzt auch die Wölfe und Luchse wieder geschossen werden dürfen, muss man Jagd auf Hirsche machen.... Die Menschheit ist am Verblöden!

    einklappen einklappen
  • Frau53 am 25.09.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schweizer Wald

    Die Waldbestände im Wallis und der übrigen Schweiz sind nicht nur vom Wild bedroht. Um Jungbäume die oft vom fegen betroffen sind zu schützen, gibt es spezielles Fegeschutzmaterial das auch benutzt wird. Es ist aber zu beobachten, dass zum Teil alte Föhrenbestände Probleme haben, die Schwachstelle der Fichte ist der Käfer, es ist wichtig, dass man pflanzt und zwar in eine andere Richtung mit unter Umständen in der Schweiz nicht bekannten Baumarten. Dem Hirschen entgegen zu wirken bedeutet dazu auch, die natürlichen Feinde nicht gleich abzuschiessen, sondern in den Kreislauf einzubinden.

  • MH am 25.09.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lässt es den Wolf machen

    Der Wolf würde es richten, zumal der dem Hirsch nachstellt und nicht auf Hochsitze angewiesen ist. Think about it! Die Natur reguliert sich selbst immer noch am Besten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Naturfreund am 27.09.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvolle Masnahme

    Viele verlangen eine Regulation der Wildbestände durch Wolf und Luchs ohne zu beachten, dass die Schweiz diesen Tieren gar nicht mehr den benötigten Lebensraum bieten kann, damit diese in genügend grosser Anzahl vorkommen können. Deshalb ist die Jagd notwendig, damit der Wildbestand auf einem Niveau bleibt, das für unsere Natur verträglich ist. So wird der Erhalt von Schutzwälder gewährleistet oder auch verhindert, dass sich Krankheiten verbreiten.

  • Hostis humani generis am 27.09.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffengesetz verschärfen!

    Strengeres Waffengesetz einführen, damit die Jäger weniger werden.

  • Helmut Kiechler am 26.09.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Chabis!

    Es ist des Teufels! Woher bezieht eigentlich der Staatsrat seine Informationen? Feldbeobachtungen im Goms durch die Jägerschaft,die Bevölkerung, Naturfotografen, Wildbeobachter schlicht alle die Freude am Wild haben sehen immer weniger Wild. Die Jagdabteilung, wie der Forst immer mehr? Wie kann der Wildhüter immer mehr zählen? Wo sieht er sie? Etwas stinkt in dieser Geschichte! Seit 20 Jahren schrumpfen die Banngebiete in rasantem Tempo, Gemsen sind bereits nicht mehr jagdbar und Rehe ein Glücksfall! Der Hirsch wider aller Vernunf, dahin gemetzelt! Ein Kreuzzug gegen das Wild!

  • Roma Forgia am 26.09.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Liebe Jäger. Betrachtet doch nicht den Wolf und Luchs als Konkurrenz, sondern als wertvolle Hilfe gegen die vielen Hirsche. Hört auf die Wölfe zu bejagen und lasst so der Natur ihren freien Lauf. Dann habt ihr nicht mehr die Probleme mit dem vielen Rotwild.

  • RogerB am 26.09.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch VS

    Tja.... nachweislich würde der Wolf dieses Problem lösen helfen... aber eben....