Wegen Betrug verurteilt

23. Oktober 2019 15:27; Akt: 23.10.2019 20:51 Print

«Ich bin ein Schlitzohr, aber kein Krimineller»

Erstmals seit seiner Verurteilung durch das Bundesgericht spricht Ex-DJ Christopher S. öffentlich zum verlorenen Prozess.

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In der Telebärn-Sendung «TalkTäglich» sprach Christoph Spörri alias Christopher S. ausführlich zu seiner Verurteilung wegen Betrugs und Anstiftung zur Brandstiftung. Denn seine prunkvollen Zeiten sind vorbei: Der ehemalige Berner DJ Christopher S. muss für vier Jahre ins Gefängnis. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Das Bundesgericht bestätigte hiermit ein Urteil des Berner Obergerichts. Auf dem Bild: Christopher S. vor dem Obergericht in Bern. «So blöd kannst du doch nicht sein, so plump dieses Geld zu ergaunern?» fragte Moderator Michael Grossenbacher seinen Gast. Doch Spörri hält fest: «Ich bin ein Schlitzohr, aber kein Krimineller.» Wer die Akten kennt und sich mit Recht auseinandersetzt, stellt fest, dass eine ungewöhnliche Strenge angewendet wurde», sagt seine Anwältin Simone Gasser, die in der Sendung ebenfalls anwesend ist. Beim Berner Obergericht wurde das erste Urteil zwar gar etwas gemildert. Die ersten Richter verurteilten ihn damals wegen Anstiftung zu Brandstiftung und Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Die dortigen Richter haben aufgrund des sehr dichten Mosaiks von Indizien ein klares Bild aufgezeichnet und keine willkürlichen Schlüsse gezogen, sagen die Bundesrichter. Christopher S beteuerte schon am 22.November 2016 seine Unschuld. Die Anklage sei «völliger Humbug». Einst war der heute 49-Jährige einer der erfolgreichsten DJs der Schweiz. Vor wenigen Jahren versuchte er auch mit Luca Hänni Musik zu machen. Die beiden zerstritten sich jedoch heftig.

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Der Ex-DJ Christopher S. muss definitiv wegen Betrug und Anstiftung zur Brandstiftung für vier Jahre ins Gefängnis. Das Bundesgericht stützt sich in seinem Entscheid auf die Sicht der Vorinstanz. Diese habe aufgrund des sehr dichten Mosaiks von Indizien ein klares Bild aufgezeichnet und keine willkürlichen Schlüsse gezogen.

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Am Dienstagabend äusserte sich Christoph Spörri – wie er mit bürgerlichem Namen heisst – in der Telebärn-Sendung «TalkTäglich» erstmals ausführlich zu seinem Fall. Moderator Michael Grossenbacher stellte ihm gleich zu Beginn des Gesprächs eine provokante Frage: «So blöd kannst du doch nicht sein, so plump dieses Geld ergaunern zu wollen?» Denn nur acht Tage bevor die Plattensammlung in Flammen aufging, liess Besitzer Spörri die Scheiben für 200'000 Franken versichern. Wenige Tage vor dem Inferno hatte er laut den Gerichtsakten zudem auch bei der Versicherung angerufen, um nachzufragen, ob die Sammlung nun auch wirklich gegen Brandschäden abgesichert sei, wie das Gericht festhält.

Vermieter soll profitiert haben

Der Berner beteuert weiterhin seine Unschuld. Spörri gibt in der Sendung an, dass sein Vermieter vom Brand, wobei seine Plattensammlung über 13'000 Tonträger zerstört wurde, profitiert hätte: «Der hat Kasse gemacht damit.» Er akzeptiere jedoch das gefallene Urteil. «Bereits nach der ersten Verurteilung musste ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ich eventuell ins Gefängnis muss.» Das Regionalgericht verurteilte ihn damals erstinstanzlich zu sechs Jahren Gefängnis. «Das erste Urteil war damals wie ein Schlag ins Gesicht.» Er habe auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Er habe die Verhandlung damals unterschätzt, so Spörri: «Ich bin kein weisser Ritter – ich bin ein Schlitzohr, aber kein Krimineller.» Spörri und seine Anwältin Simone Gasser glauben beide, dass die Behörden am bekannten Musiker ein Exempel statuieren wollten. Gasser: «Wer die Akten kennt und sich mit Recht auseinandersetzt, stellt fest, dass eine ungewöhnliche Strenge angewendet wurde.» Die Richter hätten zudem die Beweiswürdigung einseitig gewichtet, so die Anwältin. Es hätten durchaus aus Indizien bestanden, dass Christoph Spörri unschuldig sei.

Warten auf die Haftstrafe

Der Musiker weiss noch nicht wann er seine Haft antreten muss: «Ich habe angerufen, aber ich weiss nur, dass es nicht heute und nicht morgen sein wird.» Mindestens zweieinhalb Jahre wird er seine Buben nur vom Gefängnis aus beim Aufwachsen begleiten dürfen. Dass das Gericht beim Urteil dies nie berücksichtigte, ist für ihn und seine Anwältin schwer nachvollziehbar.

(cho/miw)