Plogging-Trend

27. Juni 2018 05:55; Akt: 27.06.2018 06:46 Print

Sportliche «Müllabfuhr» putzt beim Joggen Wälder

von Simon Ulrich - Der Plogging-Trend aus Skandinavien hat die Bundesstadt erfasst: Die Trash Heroes machen sich im Sport-Outfit auf, um Stadt und Wald vom Müll zu befreien.

Die Trash Heroes, joggende Müllschlucker, befreien Berns Wälder von Dosen, Pet-Flaschen und Papierli.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Michel Bühler (32) und seine Trash Heros erinnern ein wenig an die Heinzelmännchen: Abends, wenn sich die Bewohner Berns von den Mühen des Tages erholen, streift die junge Truppe in Sportbekleidung durch Stadt und Wald und sammelt Müll ein. Plogging nennt sich der trendige «Sport» – zusammengesetzt aus Jogging und Plocka, Schwedisch für «Aufräumen».

Umfrage
Was halten Sie von der Plogging-Idee?

Am Montagabend wurde zuletzt im und am Bremgartenwald geploggt. «Wir haben sieben Säcke mit insgesamt 245 Liter Abfall gefüllt», erzählt Bühler nicht ohne Stolz. Allein im Wald seien 175 Liter – meist Bierdosen, Petflaschen und Verpackungsmaterial – zusammengekommen. «Da war wohl ein Fuchs aktiv, der die Abfallsäcke aus den Quartieren bis in den Wald schleppte und dort auf Nahrung durchsuchte», sagt Bühler. Umso wichtiger sei es, dass man die Kehrichtsäcke erst kurz vor der Abfuhr nach draussen stelle.

«Wir versuchen, eine Nische zu füllen»

Seit April gehen die Berner Plogger regelmässig auf Mülltour. «Ziel ist es, dass wir pro Woche einen Anlass durchführen können», sagt Bühler. Dafür brauche es aber noch mehr Freiwillige. Aktuell besteht das Trash-Hero-Kernteam aus zehn Helfern. «Vollzählig sind wir aber nie, mal sind acht Leute dabei, mal nur vier.» Jeder sei in der Gruppe willkommen, niemand brauche sich Sorgen zu machen, dass er nicht mithalten könne. «Wir schlagen ein recht gemütliches Tempo an – sonst würden wir den Müll übersehen», betont der Betriebsökonom.

Joggende Müllabfuhr säubert Berns Wälder

Bühler und seine Helden des Abfalls wählen für ihre Aktionen bewusst Routen abseits der Innenstadt – dort, wo die Reinigungskräfte von Stadtgrün Bern nicht so oft durchfahren. «Wir versuchen, eine Nische zu füllen», sagt Bühler. Mit der Stadt stehe man in engem Kontakt, um Überschneidungen zu vermeiden.

Ganz so unbeobachtet wie Heinzelmännchen verrichten die joggenden Müllschlucker ihre Arbeit aber nicht. Am 1. Juli etwa führen sie ein öffentlichkeitswirksames Clean-up in der Innenstadt durch. «Im Wald findet man zwar mehr Müll, aber in der Stadt erhalten wir mehr Aufmerksamkeit», erklärt Bühler. Schliesslich gehe es auch um Sensibilisierung. «Wenn uns jemand beim Sammeln sieht, überlegt er sich vielleicht zweimal, seine Zigi wieder auf den Boden zu werfen», meint Bühler. «Oder er schliesst sich unserem Projekt gleich selbst an.»

Wandel zu mehr Nachhaltigkeit

Auch in anderen Schweizer Städten hat der umweltfreundliche Fitness-Trend aus Skandinavien bereits Fuss gefasst. Anfang Juni fand ein Plogging-Event in Zürich statt, am vergangenen Samstag in Frauenfeld. Bühler ist zuversichtlich, dass der Trend anhält. Allgemein sei in der Bevölkerung eine Nachhaltigkeitsbewegung zu spüren – Trinkwasser-Initiative, Fair-Food-Initiative oder die steigende Zahl an Zero-Waste-Läden lassen grüssen. «Die Leute regen sich schon auf, wenn Gemüse nur in der Plastikverpackung erhältlich ist», sagt Bühler.

Junge Menschen würden auf ihren Reisen nach Indonesien, Thailand oder Brasilien mit riesigen Müllbergen konfrontiert und sich auch zuhause in der Schweiz einige Fragen stellen. Hierzulande seien die Abfall-Ansammlungen zum Glück weit kleiner als am anderen Ende der Welt, dafür umso verstreuter. Bühler: «Auch deshalb ist die Schweiz fürs Plogging wie geschaffen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Vogel am 27.06.2018 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Entlich mal ein Sinnvoller Trend. Weiter so!!

    einklappen einklappen
  • Katalina am 27.06.2018 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweinerei

    hier in Kanada zahlen sie 2000 Can. Dollar in Alaska sind es 1000 USDollar. warum fühet man dies nicht auch in der Schweiz ein. Uh der Aufschrei höre ich bis hieher. Hong Kong kann es auch. Wieso die Schweiz nicht??????? weil dort ein larifari herrscht. himmeltraurig. Früher ging es auch aber mit der kulti multi Generation geht es nicht mehr. Grüsse aus Kanada wo es geht.

    einklappen einklappen
  • Lena Läderach am 27.06.2018 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Positive Meinung

    Also ich finde dieser Trend/Projekt echt Super! Das zeigt, dass wir uns modernisieren und langsam merken, dass es nicht so weitergehen kann. Wir Menschen sollten anfangen unseren Müll zu ryclen und in den Abfallkübel zu schmeissen! Bei diesem Trend ist es echt cool, dass es in Verbindung mit Sport gebracht wird!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal Troller am 27.06.2018 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politiker bewegt euch!

    Die Sensibilität zu diesem Thema hat deutlich zugenommen. Unabhängig davon sollte dieses Problem endlich auf der nationalen politischen Ebene gelöst werden.

  • Putzmaus am 27.06.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Man hat es fertig gebracht, den Inhalt der Abfälle zum Wegwerfort zu bringen, so sollte es auch möglich sein, den Abfall wieder mitzunehmen. Bussen nützen nichts. Aber wie wäre es , so 10 - 20 100 Litersäcke voll Abfall, bei den Sündern im Zimmer, Wohnung, Haus, Auto auszuleeren? Wetten das nützt?

  • Anonyma am 27.06.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Wie wäre es im Asylzentrum nach Beteiligten zu suchen? So haben sie etwas zu tun. Ich fahre übrigens gerne mit dem Velo durch sämtliche Rietwege. Ich nehme auch liegengelassenes, weggeworfenes oder weggewehtes mit.

  • Olivia am 27.06.2018 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiche Schweiz.....

    Es ist schlimm, dass das angeblich reichste Land..... kein Geld für solch tolle und wichtige Ideen locker macht.

  • Thomy am 27.06.2018 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Mache ich seit Jahren. Ich habe dafür aber keinen Trend gebraucht. Das Littering hatte mich einfach gestört. Ich hoffe das diese Leute auch Durchhaltewille haben und es ebenso Jahrelang tun.