Privatzoo vor dem Aus

14. Oktober 2019 04:55; Akt: 14.10.2019 08:05 Print

«Einschläfern der Tiere wäre das Schlimmste»

Johns kleine Farm steht kurz vor der Insolvenz. Mithilfe eines Crowdfundings will der Privatzoo das Geld auftreiben, um Tiere und Arbeitsplätze zu retten.

Johns kleine Farm steht kurz vor der Pleite. (Video: km)
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4000 Personen besuchen jedes Jahr Johns kleine Farm. Vor allem Kinder erfreuen sich täglich an den Lamas, Waschbären, Berberaffen und vielen weitere Tieren.

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Doch damit könnte bald Schluss sein: Der Privatzoo in Kallnach BE steckt in einer finanziellen Notlage. Dem Zoo fehlen rund 50'000 Franken, um die nächsten Monate zu überstehen. «Der Zoo braucht pro Monat 20'000 Franken», erklärt Betriebsleiter John-David Bauder. «Mit 50'000 Franken würden wir die nächsten Monate überleben, mit 120'000 Franken wäre der langfristige Fortbestand des Zoos gesichert.»

Die Gründe für die missliche Lage sind laut Bauder ein Brandschaden im letzten Jahr sowie zusätzliche Verpflichtungen, die unerwartet hohe Kosten verursacht hätten.

«Wir landen sonst auf der Strasse»

Bei einer Pleite müsste für die 53 Tierarten schnellstmöglich ein neues Zuhause gefunden werden. Bloss: Für einen grossen Teil käme eine Umplatzierung kaum in Frage – weil sie zu alt sind oder weil das Interesse anderer Zoos fehlt. Für die Luchse etwa stünden die Chancen besonders schlecht. «Sie wurden von Hand aufgezogen, was es schwierig macht, einen neuen Platz zu finden», erklärt Bauder. Bei den Affen liege das Problem unter anderem darin, dass die meisten Zoos aus Kapazitätsgründen keine weiteren aufnehmen könnten. «Das Allerschlimmste wäre, wenn die Tiere eingeschläfert werden müssten.»

Auch für Mitarbeiter, Lehrlinge und Praktikanten könnte es bald ungemütlich werden. «Wenn wir das Geld nicht zusammentreiben können, stehen sie bald auf der Strasse.» Auf seine Angestellten ist Bauder stolz: Sie würden trotz der belastenden Situation jeden Tag zur Arbeit kommen und ihr Bestes geben. «Das ist nicht selbstverständlich. Sie kämpfen für ihren Zoo.»

Gegen 17'000 Franken gesammelt

Mit neuen Angeboten – von der Zoobar über Luchsseminare bis hin zu Fotoshootings und privaten Zooführungen – will Bauder seine 286 Tiere und 13 Mitarbeiter vor dem Ruin retten. Ausserdem wurde auf wemakeit.com ein Crowdfunding gestartet, damit das nötige Geld zusammenkommt. «Noch kämpfen wir, noch sind wir da», so der Betriebsleiter. Er hoffe, dass das Geld so schnell wie möglich zusammenkommt, damit Johns kleine Farm eine Zukunft hat. Bisher wurden knapp 17'000 Franken gesammelt.

So leben die Tieren auf Johns kleiner Farm retten

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mamma Leine am 14.10.2019 05:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatzoo

    Diese Kommentare wiederspiegeln unsere kranke und gefühlskalte Gesellschaft wieder. Die Tiere können nichts dafür ihnen sollte geholfen werden.

  • Tierpflegerin am 14.10.2019 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herzblut und Fachwissen

    Ich bin Tierpflegerin und kenne John. Es wäre ein grosser Verlust wenn er schliessen müsste. Sein extrem grosses Fachwissen und sein Herzblut, seine Art, seine Arbeit sind für den Beruf in der Schweiz eine grosse Bereicherung! Wer dort arbeitet oder seine Lehre machen darf provitiert enorm! Da kenne ich viele andere Tierpfleger aus grossen Zoos wo das alles nicht vorhanden ist.

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  • Frank am 14.10.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für wie lange dann?

    Die Frage ist weniger ob das Geld für die nächsten Monate zusammenkommt sondern, ob es ein Konzept gibt, den Zoo danach dauerhaft zu finanzieren? Sonst ist der Ruin nur aufgeschoben. nicht abgewendet

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zaungastt am 15.10.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Langfristig überlebeb??

    Wie weit wird das Geld dann reichen? Selbst wenn alle der 4000 jährlichen Besucher 10.- eintritt bezahlen (wobei Kinder günster/gratis rein können) wären das 40000.- Einnahmen pro Jahr.. wie man damit Löhne für 13 Mitarbeiter, Tierfutter usw bezahlen will, ist mir ein Rätsel...

  • wemakeit am 14.10.2019 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Crowdfunding-Projekt, das es in sich

    Danke für den Beitrag, 20 Minuten. Beeindrucken, in welch kurzer Zeit John-David Bauder eine beachtliche Summe gesammelt hat. Mit Crowdfunding kann man alle erdenklichen Projekte finanzieren:

  • Griechischer Wein am 14.10.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    0% tiergerecht

    Lamas, Giraffen, Elefanten, Tiger und so weiter gehören einfach nicht in die Schweiz, sondern zurück verfrachtet in ihre natürliche Umgebung in Freiheit in Ruhe gelassen. Zoos sind unwürdige, menschliche Konstrukte um mit Tieren eine Menge Kohle zu scheffeln, sonst nichts.

    • Te Rasse am 14.10.2019 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Griechischer Wein

      Sprechen Sie grad von Ihrem Arbeitsplatz?

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  • Sydorna am 14.10.2019 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schön

    Ich bin in der Nähe aufgewachsen und im laufe der Jahre waren wir ein paar mal dort. Die meisten Tiere dort hatten nie ein artgerechtes Gehege und für so viele Tiere ist der Zoo sehr klein. Ich hoffe es hat sich seid dem etwas geändert weil sonst hoffe ich wirklich das die Tiere wo anders hindürfen wo sie hoffentlich Artgerecht gehalten werden. Evt kann man ja die Tierschutzorganisation 4Pfote hinzu ziehen.

  • Roger Zürcher am 14.10.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Herz für Tiere

    Habe gerade 50.- gespendet und werde den Zoo demnächst besuchen.Wäre ich der Gewinner der 208 Euromillionen bekämen sie ohne mit der Wimper zu zucken 5 Mio!