Schliessung Prêles

04. Februar 2016 18:08; Akt: 04.02.2016 19:03 Print

Jugendheim wird zum Ausschaffungs-Gefängnis

Für 38 Millionen Franken wurde das Jugendheim Prêles saniert – und schliesst Ende Jahr. Jetzt sollen Flüchtlinge einziehen.

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Das Jugendheim in Preles soll eine Flüchtlingsunterkunft werden. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Das Jugendheim Prêles macht seit Jahren Schlagzeilen: So wechselte etwa die Leitung mehrfach, Jugendlichen gelang die Flucht oder Insassen begingen Suizid. Nun soll der «Jugendknast» Prêles geschlossen werden, teilte Regierungspräsident Hans-Jürg Käser am Donnerstagnachmittag mit. Die Institution wird nach der Schliessung Ende 2016 zum ersten Ausschaffungsgefängnis im Kanton Bern umfunktioniert. Bis zu 150 abgewiesene Asylbewerber will man im neuen Gefängnis unterbringen. Zudem soll die bestehende Wohninfrastruktur des Heims künftig von neu angekommenen Flüchtlingen genutzt werden.

Erst vor vier Jahren endete ein teurer Aus- und Umbau des Jugendheims, der 38 Millionen Franken gekostet hatte. Heute steht die Institution für straffällige junge Männer aber beinahe leer – im Dezember 2015 waren von 70 Betten noch rund 25 belegt. Grund: Die Nachfrage nach stationären Plätzen für straffällige Jugendliche ist von 2010 bis 2014 um 71 Prozent zurückgegangen.

Heutige Nutzung zu unattraktiv

Auch sei das Heim zu teuer, sagt Experte Peter Seiler, der im Auftrag des Kantons eine «Betriebs- und Umfeldanalyse» durchführt hat. Bis zu 890 Franken pro Tag kostet die Unterbringung eines Verurteilten. «Daher will aus der ganzen Deutschschweiz niemand in Prêles platzieren», sagt Seiler.

Mit dem neuen Konzept soll der abgelegene Komplex im Berner Jura besser genutzt werden: «Mit der geplanten Kollektivunterkunft in Prêles können wir 200 Reserveplätze für Flüchtlinge schaffen», sagt Käser. Bis zum kommenden Frühling müssten im Kanton nämlich 380, bis Ende Jahr gar 1200 neue Plätze für Asylsuchende geschaffen werden. Auch die Umfunktionierung des Jugendheims zu einem Ausschaffungsgefängnisses sei sinnvoll: 90 abgewiesene Asylbewerber des Kantons Bern befinden sich derzeit in Ausschaffungshaft – sie seien zum Teil in den Regionalgefängnissen des Kantons untergebracht. Dies sei in weiten Teilen nicht gesetzeskonform und führe zu konstanter Kritik durch die nationalen Folterkommission (NKVF).

100 Prozent vom Bund subventioniert

Auch aus finanzieller Sicht ist die neue Lösung laut Käser von Vorteil: Der Bund subventioniere Ausschaffungsanstalten ab 100 Plätzen zu 100 Prozent. «Das bedeutet, dass der Betreiberkanton die getätigten Investitionen vollumfänglich zurückerhalten wird».

Von der Schliessung des Jugendheims sind auch 90 Mitarbeiter betroffen. Für sie wolle man sozialverträgliche Lösungen finden – etwa könnten sie im neuen Ausschaffungsgefängnis weiterbeschäftigt werden. Die zurzeit im Heim lebenden jungen Männern sollen in andere Institutionen verlegt werden. Die Suche nach Plätzen läuft.

(smü)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. Schild am 04.02.2016 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sowas macht einem Stinkig

    Fazit: 38 Millionen Steuergelder verschwendet - denn für ein Asylheim darf es dann wohl wieder für mind. 20 Millionen umgebaut werden... Sowas macht mich extrem Stinkig - gerade da ich in diesem Kanton meine Steuern bezahlen muss!

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  • doris.ruchti.sen. am 04.02.2016 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein titel

    Ja das stösst sauer auf.Wenn dann bald alle freien Unterkünfte belegt sind, wäre dann ja noch das Bundeshaus in Bern. Sollen doch unsere Politiker auch einmal eine Freude haben.

  • Max Steiner am 04.02.2016 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hinterkopfstreichler

    Und zu den 90!! Mitarbeitenden bei 25 Insassen sagt niemand etwas?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Zimmermann am 04.02.2016 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Verhaltensgestörte Justiz

    Bezeichnend für die Berner Justiz. Wie lange müssen wir noch warten bis das Departement von Regierungsrat Käser endlich genau angeschaut wird. Es geht nicht nur um "Verhaltensgestörte Jugendliche" - sondern um unfähige Psychiater, Psychologen und Sozialpädagogen in der Berner Justiz. Wenn ein 'gewöhnlicher Bürger' 38 Millionen in Sand setzt....dem wird eine Zelle im Thorberg reserviert. Wo ist da die Rechtsgleichheit? Reform 91 Organisation für Strafgefangene und Ausgegrenzte

  • mimi am 04.02.2016 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abwarten

    wenn die durchsetzungsinitative angenommen wird (was ich hoffe), ist diese einrichtung wieder ruckzuck voll, keine sorge.

  • Max Steiner am 04.02.2016 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hinterkopfstreichler

    Und zu den 90!! Mitarbeitenden bei 25 Insassen sagt niemand etwas?

    • Anuta am 04.02.2016 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Steiner

      Doch! Jeder deutsche soz päd , der hier arbeitet weil er das doppelte verdient, geht wieder nach hause. Die anderen finden hoffentlich dann wieder etwas.

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  • NT am 04.02.2016 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gründe...

    1. Würde unsere Justiz richtig durchgreifen, hätte es keine Unterbelegung gegeben. 2. Es gelang einigen die Flucht und nun wird es ein Ausschaffungs-Gefängnis? Hoffentlich wird es vorher besser gesichert. 3. 38 Mio in den Sand gesetzt. Der Steuerzahler kann's ja berappen...

    • Suellen am 04.02.2016 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @NT

      Ja wir weden nur noch gemolken,wir wollen ja das so,wir sind doch die braven Schweizer ,,wir sagen zu allem ja,aber ich stimme für die Auschaffung auch ein.Ja

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  • Heinz am 04.02.2016 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Gute Sache! Hoffen der Laden ist auch ganz dicht. Für diese Herrschaften brauchen wir künftig Platz, DSI ja oder nein spielt keine Rolle.