Faszination Sterne

07. Oktober 2019 04:56; Akt: 07.10.2019 13:53 Print

Astrologische Beratungen boomen bei jungen Leuten

von S. Ulrich - Astrologische Beratungen boomen – vor allem bei jungen Leuten. Woran liegt das? 20 Minuten sprach mit Ratsuchenden und Astrologen.

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Lia K.* ist eigentlich kein grosser Astrologie-Fan. Hin und wieder liest die 19-jährige Gymnasiastin ihr Horoskop, wie das viele andere auch tun. Im vergangenen Sommer schenkte ihr die Mutter einen Gutschein für eine astrologische Beratung. Das Geschenk nahm Lia gerne an: Gegen Ende ihrer schulischen Laufbahn habe sie eine Standortbestimmung vornehmen und mehr über ihre Persönlichkeit erfahren wollen, sagt sie.

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Die Sitzung beschreibt sie im Rückblick als hilfreich und erkenntnisfördernd. «Im Horoskop der Astrologin sah ich meine Persönlichkeit bestätigt und erhielt Aufschluss über mein Handeln», so die junge Bernerin. Auch könne sie nun besser erkennen, ob eine Freundschaft gut für sie sei oder nicht.

Lia glaubt an einen Zusammenhang zwischen Planetenkonstellationen, Sternzeichen und Charakterzügen – auch wenn dafür keinen wissenschaftlichen Beleg gibt: «Gerade im zwischenmenschlichen Bereich lässt sich nicht alles wissenschaftlich erklären.» Zudem existiere die Astrologie seit Anbeginn der Zeit, also werde da schon etwas Wahres dran sein.

Rüstzeug, aber keine Prophezeiungen

Mit dieser Ansicht steht Lia bei Weitem nicht alleine da. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich nicht nur Horoskop-Apps und Youtube-Vorhersagen, sondern auch astrologische Beratungen – vor allem bei jüngeren Menschen, wie Anfragen in diversen Berner Praxen zeigen.

«Gerade dieses und letztes Jahr war der Trend deutlich spürbar», sagt Astrologin Carolina Schluep. Die jüngsten Klienten seien zwischen 18 und 20 Jahre alt. Ihre Anliegen würden sich überwiegend um Berufswahl- und Beziehungsfragen drehen. «Vereinfacht gesagt geht es bei der astrologischen Beratung darum, den Ratsuchenden ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen sowie den günstigen Moment für bestimmte Entscheidungen zu definieren», erklärt Schluep. Zeitqualität nennen das die Astrologen.

Verantwortungsbewusste Fachleute betonen immer wieder, dass ihre Beratungen nichts mit Wahrsagerei zu tun haben. «Wir können nicht in die Zukunft blicken», stellt Schluep auf ihrer Webseite klar. Und Astrologin Irene Krapf sagt: Das Horoskop sei etwa vergleichbar mit einer Land- oder Wetterkarte, mit der ersichtlich werde, «wo auf unserer Lebensreise wir uns gerade befinden und welche Ausrüstung wir dafür brauchen».

«Offener und immuner gegen Vorurteile»

Auch Krapf verzeichnet seit wenigen Jahren einen Anstieg bei den 18- bis 35-Jährigen. «Mittlerweile machen sie rund die Hälfte meiner Klientel aus», sagt sie. Die Arbeit mit Angehörigen dieser Altersgruppe empfindet Krapf als besonders bereichernd: «Sie verfügen über einen natürlichen Zugang zur Astrologie und können mühelos auf deren Symbolsprache einsteigen.»

Den typischen Klienten gebe es nicht, es kämen sowohl Männer als auch Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen – vom Juristen bis zum Pfarrer, sagt Krapf. Weiter ist aus Astrologen-Kreisen zu vernehmen, dass oftmals ein Elternteil der jungen Klienten im alternativmedizinischen oder spirituellen Bereich tätig ist – und die Nachkommen darum offener für derartige Praktiken sind.

Wie erklären sich die Astrologinnen den Zuwachs an junger Kundschaft? Schluep meint, dass diese Generation besonders empfänglich für das Gefühl einer «kosmischen Verbundenheit» sei und den Glauben an eine höhere Macht nicht ablehne. Krapf ergänzt, dass jüngere Menschen es besser verstehen würden, die «seriöse» Astrologie von den Vulgär-Horoskopen abzugrenzen, und sie daher nicht als Ganzes in die «Schmuddelecke» stellen: «Sie sind offener und immuner gegen Vorurteile.»

Auch mehr junge Fachleute

Nicht nur die Klientel astrologischer Beratungen, sondern auch das Fachpersonal wird jünger. Im Schweizer Astrologenbund (SAB) habe sich in den letzten beiden Jahrzehnten eine Tendenz zur Überalterung abgezeichnet, sagt die Präsidentin Monica Kissling, bekannt als «Madame Etoile». Seit etwa drei Jahren gäbe es im SAB jedoch eine regelrechte Welle der Erneuerung: «Wir haben aussergewöhnlich viele junge, sehr motivierte Astrologinnen und Astrologen in unseren Berufsverband aufnehmen können», sagt Kissling. Über die Gründe kann sie nur spekulieren: «Ich vermute, die Menschen wollen wieder mehr aus ihren gewohnten Denkmustern ausbrechen und neue Antworten auf wesentliche Lebensfragen finden.»

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CaptainLonestarr am 07.10.2019 05:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lp21

    Liegt wohl am Lehrplan 21. Die Jungen haben Kompetenzen, aber wissen tun sie nichts mehr.

    einklappen einklappen
  • Tell's Lady am 07.10.2019 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Sternchen

    Sie glauben ja auch an die vielen Sternchen von Instagramm & Co.

  • B4ze am 07.10.2019 05:48 Report Diesen Beitrag melden

    Idiocracy

    Ist nicht nicht nur ein Film, sondern eine bessere Vorhersage der Zukunft, als es alles Geschwätz aller Astrologen zusammen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Puddin am 07.10.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    @Astrologie

    Na ja, wenn man die Vorhersagen auf die Jahreszeiten bezieht statt auf die Sternzeichen, dann hat es schon was. Aber ganz sicher nicht im Detail. Da sind bestenfalls Tendenzen zu erkennen. Aber auch nur bei statistisch sehr grossen Referenzen. Und auch da nur wenn man sie sehen will. Da hat der Stresslevel der Mutter oder ihre Ernährung während der Schwangerschaft einen grösseren Einfluss.

  • Herr Leherer Pünktli bei Madam Etoil am 07.10.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Astrologie ist Opium für das Volk !

  • Lääser am 07.10.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Astronomie

    Die seriöse Wissenschaft, die sich mit den Sternen befasst, nennt man Astronomie. Wenn Leute Interesse an den Sternen haben, sollten sie sich lieber mal damit befassen.

  • Luna am 07.10.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Defekt im menschlichen Gehirn

    Ein gewisser Teil der Menschen wollte schon immer eine Erklärung für Dinge, die wir entweder nicht verstehen oder die die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann. Weil die Westeuropäer weniger religiös geworden sind, suchen sich diese Leute jetzt eben neue Wege

  • Marcel am 07.10.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Entwicklung

    So ein Quatsch, diese Leute essen sicher auch Globuli und demonstrieren gegen Impfungen und 5G oder sind gleich Flat-Earther. Die Esoterikszene ist leider erschreckend gewachsen in den letzten Jahren.