Projekt von Privaten

24. Juni 2015 20:34; Akt: 24.06.2015 20:34 Print

Junge Asylbewerber sollen in WGs wohnen

Um gegen die Wohnungsknappheit im Asylwesen vorzugehen, haben zwei Berner ein neues Projekt lanciert: Flüchtlinge sollen mit Schweizern in WGs leben.

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Diese zwei jungen Berner lancieren ein neues Projekt, um Flüchtlinge in WGs einzuquartieren: Gian Färber und Méline Ulrich. (Bild: Susanne Keller)

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Gian Färber und Méline Ulrich haben ein schweizweit einmaliges Projekt gegründet: «Wegeleben» heisst es. Junge Flüchtlinge sollen mit gleichaltrigen Schweizern zusammen in einer WG leben. Der Jurist und die Politologin aus Bern übernehmen dabei die Funktion der Vermittler.

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Ihr Projekt verfolgt drei Ziele: Erstens soll das Zusammenleben die sprachliche und soziale Integration fördern. Zweitens sollen die Flüchtlinge die hiesige WG-Kultur bereichern. Und drittens soll damit ein Beitrag gegen die Wohnungsknappheit im Asylwesen geleistet werden, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Flüchtlinge würden gerne mit Schweizern wohnen

Ulrich hatte als Praktikantin bei der Caritas selbst erlebt, wie schwierig die Wohnungssuche für Flüchtlinge ist – etwa für vorläufig Aufgenommene mit F-Ausweis. Viele seien verzweifelt auf der Suche. 15 Flüchtlinge haben Ulrich und Färber im April getroffen. Zunächst hätten sie ihnen erklären müssen, was eine WG überhaupt ist. Erst nach einem Anschauungsbesuch in Färbers eigener WG hätten die Eritreer das Konzept verstanden. Darauf habe einer der Anwesenden gesagt, er wünsche ein Zusammenleben mit Schweizern – wisse aber nicht, wie er das anstellen solle. «Da zeigte sich, dass es den anderen ähnlich geht», sagt Färber.

Das erste Echo auf das Projekt freut die Politologin: «Eine Frau kann im September in eine WG ziehen», sagt sie zu 20 Minuten, «und eine weitere Wohnungsbesichtigung gibt es auch.» Sie sei «überwältigt» vom ersten «positiven Echo – wir haben zuerst gedacht, vielleicht interessiert sich niemand dafür. Aber es gibt Leute, die sich das vorstellen können. Oder das Projekt sonst untersützen möchten, auch wenn sie kein Zimmer zur Verfügung haben. Das freut uns sehr.»

Argumente pro und contra

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hält das Projekt für ausgezeichnet. Auch die Berner Sektion des Hilfswerks Caritas unterstützt das Projekt als Partnerorganisation. Oliver Lüthi, Sprecher der Caritas Bern, sagt zu 20 Minuten, das Projekt sei aus zwei Gründen unterstützenswert: «Einerseits ist da der finanzielle Aspekt: Es braucht Unterkünfte, und Zimmer in Schweizer WGs sind günstig und gewährleisten gleichzeitig einen gewissen Standard. Zweitens sind junge Flüchtlinge aus Eritrea oft allein, ohne Sozialstrukturen – so bekommen sie etwas von der Kultur mit und können Anschluss finden.»

Derzeit beschränkt sich das Angebot von Wegeleben auf vorläufig aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge. Aber Ulrich und Färber möchten mehr: «Wir wollen das unbedingt ausweiten», so Ulrich. Auch Flüchtlinge, die mit schlechterem Bescheid auf die Kantone verteilt werden, sollen bei Privaten unterkommen können. Der Migrationsdienst des Kantons Bern möchte diese Pläne auf Anfrage nicht kommentieren.

Umstrittene Ausweitungspläne

Balz Bruder, Sprecher des Aargauer Departements für Gesundheit und Soziales, sagt, der Kanton Aargau unterstütze die Unterbringung bei Privaten im Rahmen der Bemühungen der Schweizer Flüchtlingshilfe – «aber weitere Kanäle sind nicht vorgesehen», sagt Bruder. Dafür sei der Aufwand derzeit schlicht zu gross: «Unsere Prioritäten liegen derzeit woanders: Die Zahlen der uns zugewiesenen Flüchtlinge pro Tag ist zweistellig.» SVP-Nationalrat Hans Fehr ist prinzipiell «skeptisch», was die private Unterbringung von Flüchtlingen anbelangt: «Das sollte Sache des Staates sein. Private Unterbringungen lösen das Problem nicht.»

Das sehen Färber, Ulrich und ihre Helfer anders. Sie haben bereits viele unbezahlte Stunden in das Projekt investiert, sehen finanziell und sozial betrachtet Vorteile für die Gesellschaft und die Flüchtlinge. Seit Anfang Woche ist Wegeleben.ch online.

(tab/gbr)