Bern

09. Januar 2015 05:33; Akt: 09.01.2015 10:20 Print

Junge lassen betrunkene Gschpänli im Stich

von Albina Muhtari - Junge, die im Ausgang zu tief ins Glas geblickt haben, finden sich vermehrt allein im Spital wieder. Ihre Freunde rufen lieber die Sanität, als sie nach Hause zu bringen.

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Rufen lieber die Sanität: Gschpänli von betrunkenen Jugendlichen. (Bild: Fotolia)

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Immer häufiger werden betrunkene Jugendliche im Ausgang von ihren Gschpänli im Stich gelassen. Anstatt die betrunkenen Kollegen nach Hause zu bringen, zücken viele Jugendliche das Smartphone und rufen die Ambulanz. Thomas Rohrbach von der Sanitätspolizei bestätigt den Trend: «Das gab es zwar bereits früher, heute ist dies aber noch viel öfter der Fall. Liegt ein Jugendlicher im Ausgang ab, rufen Freunde häufig die Sanitätspolizei. Wenn wir am Einsatzort eintreffen, sind die Anrufer oft nicht mehr da.»

Die Gründe für das Verhalten sind vielfältig: «Aus Angst vor Ärger trauen sich viele Betrunkene und deren Freunde nicht, die Eltern zu kontaktieren. Kommt jedoch die Rechnung der Ambulanz ins Haus geschneit, sorgt das für doppelten Ärger», so Rohrbach. Ein anderer Grund sei die Tatsache, dass mittlerweile beinahe jeder Jugendliche ein Smartphone besitze. «Das Telefon zu zücken und die Sanität anzurufen, ist für viele Jugendliche der einfachste Weg.»

«Viele Jugendliche sind verwöhnt»

Allan Guggenbühl, Zürcher Psychologe und Experte für Jugendgewalt, redet diesbezüglich von einer «Verantwortungsdiffusion», die in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtig sei. «Viele Menschen gehen mit dem Motto «irgendjemand schaut dann schon» durchs Leben», so Guggenbühl. Ausserdem sei bei vielen Jugendlichen das «Verwöhnungssyndrom» zu beobachten: «Durch den Wohlstand, die soziale Sicherheit und die ewige Ausbildung sind viele Jugendliche verwöhnt. Sie haben weniger Verpflichtungen und können frei konsumieren. Geschieht in ihrem Alltag etwas Unerwartetes, gehen sie davon aus, dass ihnen ein anderer die Arbeit abnimmt.»

Die Kosten für die Ambulanz würden in den meisten Fällen die Krankenkassen übernehmen. Diese belaufen sich pro Einsatz auf zwischen 800 und 1000 Franken. «Ist jemand bewusstlos, hat das für uns Dringlichkeit Nummer 1. Wir rücken dann mit derselben Equipe aus wie bei einem Herzinfarkt», erklärt Thomas Rohrbach von der Sanitätspolizei. Nach Hause gebracht werden betrunkene Personen jedoch nicht. «Wenn den Patienten dort etwas passiert, wollen wir das nicht verantworten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gurlr am 09.01.2015 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zimmli fies

    Wir haben uns früher immer nach Hause gebracht wenns mal etwas rund ging... Ich kann sowas nicht verstehen.

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  • Damian am 09.01.2015 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seine Grenzen herausfinden im Ausgang

    Ich habe schon einigen geholfen nach Hause zu kommen und mir wurde auch schon geholfen, das macht man unter Freunden einfach. Etwas Anderes wäre einfach herzlos. Freunde sollten für einander da sein.

  • Redback am 09.01.2015 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So was gab es bei uns nicht

    Wir haben unserem freunden geholfen und diese nach hause gebracht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Willy D. am 09.01.2015 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenserwartung 65 Jahre

    Durch den massiven Alkoholmissbrauch in Russland (Wodka) liegt die durchschnittliche Lebenserwartung dort bei 65 (fünfundsechzig) Jahren. Manchmal hat man hier den Eindruck wir seien auch auf dem Weg dorthin. Wann endlich wird bei uns gegen diese stumpfsinnige, gesundheitsschädliche Sauferei etwas unternommen?

    • Jasmin LeRoy am 10.01.2015 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      UNVERNÜNFTIG!

      Daran ist nicht nur der Alkohol schuld. Sondern auch schlechte Lebensbedingungen infolge von Armut, schlechte medizinische Versorgung, usw. Simmt aber: Bereits im Schulalter regelmässig und dann noch in diesem Ausmass Alkohol konsumieren ist ganz bestimmt alles andere als gesund!

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  • dini Mama am 09.01.2015 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Einfach liegen lassen.

    • Viv al agrischa am 10.01.2015 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Einfach liegen lassen - denkste

      Als meine Mama wünsche ich mir etwas anständiges, respektvolleres!

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  • Anonym am 09.01.2015 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher war das doch besser

    Nicht die Elterngeneration ist schuld an der verwöhnten Schmarotzergeneration sondern sie selbst mit ihren unmöglichen Anforderungen

    • SueR am 09.01.2015 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Berufseltern

      Ich denke eher, beide haben ihren Anteil daran. Berufseltern, heisst solche, welche ein Kind als ihren einzigen Lebensinhalt sehen, es verwöhnen und nichts von ihm fordern, tun ihrem Sprössling absolut keinen Gefallen und bereiten ihn nicht auf SEIN Leben vor. Eine gesunde Mischung wäre besser und dass der Nachwuchs lernt, sich in eine Gesellschaft einzufügen und sich nicht als deren Mittelpunkt zu betrachten.

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  • NurseJackie am 09.01.2015 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freunde sind Wertvoll

    Wenn in meinem Freundeskreis, jemand zuviel getrunken hat, und er nicht mehr nachhause kommen würde, gäbe es immer die Möglichkeit bei jemandem Schlafen zu können. Ich finde das man das ja selber vermutlich schon erlebt hat und froh gewesen ist, nicht alleine gelassen zu werden in diesem Zustand. Es sollte uns jedoch immer bewusst sein, das wir selbst entscheiden wann wir genug Alkohol getrunken haben!.

  • Postpubertierender am 09.01.2015 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin selbst Jugendlicher

    und bei uns werden sie noch bei den Eltern abgeliefert. Dass man eher die Ambulanz ruft, kann ich ein Stück weit verstehen (hat man wenig Erfahrung mit Alkohol macht man sich halt schneller Sorgen wenn bei jemandem "das Licht ausgeht"), aber fürs Davonlaufen habe ich gar kein Verständnis...