Erfolg für Fahrende

27. April 2014 16:55; Akt: 27.04.2014 17:51 Print

Kanton Jura bewilligt Platz für Schweizer Jenische

von Sophie Reinhardt - Freude bei den Schweizer Fahrenden: Der Kanton Jura hat heute beschlossen, in Pruntrut bei Delsberg einen Platz für Schweizer Jenische zu schaffen.

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Zahlreiche Fahrende waren heute aus der ganzen Schweiz ins Jura nach Pruntrut gefahren, um dort für mehr Stand- und Durchgangsplätze zu protestieren. Heute Nachmittag kam die frohe Botschaft: Der Platz in Pruntrut, der früher als Lagerort von Baucontainern gedient hatte, ist ab sofort ein Durchgangsplatz für Schweizer Jenische. «Dass ist für uns natürlich eine sehr frohe Botschaft», so Claude Gerzner, Sprecher der Fahrenden. Die Fahrenden dürfen den Platz in Pruntrut so lange als Durchgangsplatz benutzen, bis eine Alternative für die Jenischen zur Verfügung steht.

Für 20 Wohnwägen bietet die Brache platz. Bereits am Sonntag Nachmittag wurden vier chemische Toiletten aufgestellt. Strom, Wasser und Müllhalden sollen am Montag organisiert werden. Auf dem Platz dürfen die Fahrenden so lange bleiben wie es ihnen beliebt. «Der Kanton Jura ist der erste Kanton, der unsere Bedürfnisse ernst nimmt und unkompliziert handelt», so Gerzner.

Das Camp in Nidau muss weichen

Ein Wermutstropfen bleibt: Die Bewohner der stationierten 70 Wagen in Nidau bei Biel müssen bis am Montagmittag den Platz räumen. «Wir werden trotzdem bleiben», so der kämpferische Gerzner. Am Montag würden sie deshalb nochmals Verhandlungen mit der Stadt aufnehmen. «Wir hoffen auf einen positiven Bescheid, wir möchten noch zehn Tage hier bleiben».

Was geschieht, wenn die Fahrenden auch nach Ablauf der Frist am Montagmittag auf dem Gelände bleiben, ist noch offen. In Bern wurde ihr Camp von der Polizei geräumt.

Derweil kommt Unterstützung aus der Bevölkerung

Derzeit will eine Online-Petition den vorläufigen Verbleib der Jenischen in Biel unterstützen. «Wir fordern die Stadt Biel als Eigentümerin auf, mit den Jenischen einen wohlwollenden, vorläufigen Nutzungsvertrag auszuhandeln und von einer übereilten Räumung abzusehen», so Donat Blum, der die Petition ins Leben gerufen hat.

Innert kurzer Zeit unterzeichneten über 300 Leute die Bittschrift. «Das freut uns natürlich sehr, dass wir die Unterstützung der Bevölkerung hinter uns spüren», sagt Gerzner. Zudem hätten sie fast im Fünf-Minuten-Takt Besuch von Anwohnern aus Biel. Jung und Alt kämen auf das ehemalige Expo-Gelände in Nidau, um sich ein Bild von den Fahrenden zu machen und zu diskutieren.