Hoch- statt Schweizerdeutsch

29. November 2017 18:55; Akt: 30.11.2017 09:33 Print

Kein «Äuä» mehr im bernischen Grossen Rat?

Ab Donnerstag gilt's ernst: Um schneller protokollieren zu können, werden die Mitglieder des bernischen Grossen Rats gebeten, testweise Hochdeutsch zu sprechen.

storybild

Berner Politiker sollen ihre Reden nun auf Hochdeutsch halten. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kommt das ächt gut? Im bernischen Grossen Rat werden ab Donnerstagnachmittag für einmal vor allem Hochdeutsch und Französisch zu hören sein – nicht Berndeutsch und Französisch wie sonst jeweils. Grund dafür ist ein Test mit einer Software, die die Protokollierung der Ratsdebatten stark vereinfachen soll.

Umfrage
Sprechen Sie gut Hochdeutsch?

Die Parlamentsdienste des bernischen Grossen Rats haben dieses Computerprogramm bereits eingesetzt, um die Verarbeitung berndeutscher Voten zu testen. Das sagte der Generalsekretär des Berner Kantonsparlaments, Patrick Trees.

Hochdeutsch für Freiwillige

Nun wollen sie wissen, wie gross der Unterschied zu hochdeutschen Voten ist. Deshalb sind die deutschsprachigen Mitglieder des Kantonsparlaments eingeladen worden, für einmal die Sprache Goethes zu verwenden.

Trees bestätigte damit eine Meldung der Westschweizer Zeitung «Le Matin» vom Mittwoch. Die Verwendung des Hochdeutschen sei aber für die bernischen Parlamentarier freiwillig, betonte Trees. Wer der hochdeutschen Sprache zu wenig mächtig ist, darf also weiterhin auf Berndeutsch politisieren.

Im Wallis im Einsatz

Die Protokollierungs-Software heisst «Recapp» und ist von einem jungen Walliser Unternehmen kreierte worden. Im dortigen Grossen Rat steht das Programm bereits seit vier Jahren im Einsatz. Im Wallis hat die Software bei der Protokollierung zu einer Verringerung des Aufwands um bis zu 50 Prozent geführt. In Sitten muss das System aber nicht etwa die unterschiedlichsten Unterdialekte des Walliserdeutschs kennen; in der dortigen Politik sprechen deutschsprachige Grossratsmitglieder seit jeher Hochdeutsch.

Arbeit verbessern, nicht Kosten sparen

Die bernischen Parlamentsdienste testeten «Recapp» nun aus zwei Gründen. Erstens werde die Politik immer schnelllebiger, wodurch der Druck steige, dass die bernischen Ratsprotokolle schneller vorlägen. «Eine Minute Ratsdebatte zu erfassen, dauert heute acht Minuten. Eine Stunde Debatten somit acht Stunden Arbeit», sagt Trees.

Ein zweiter Grund für den bevorstehenden Test sei, dass es im Kanton Bern immer schwieriger werde, Protokollisten zu finden. Wenn der Einsatz des Systems zu Kosteneinsparungen führe, wäre dies natürlich willkommen, so Trees weiter.

Tests an vier Halbtagen

Die Hochdeutsch-Phase im bernischen Grossen Rat wird am Donnerstag von 13.30 bis 16 Uhr dauern. Bis zum März 2018 wollen danach Berns Parlamentsdienste an weiteren drei Halbtagen «Recapp» testen.

Berner Grossräte dürften schon heute Hochdeutsch im Kantonsparlament sprechen, wenn sie wollen: In der Geschäftsordnung des Grossen Rats steht, dass die Beratungen des Rats und seiner Organe «auf Deutsch (Mundart oder Schriftdeutsch)» und Französisch erfolgen.

(miw / sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 29.11.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dagegen

    Bin dagegen,wo führt dies noch hin.

    einklappen einklappen
  • Heidi am 29.11.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist keinen gute Entwicklung

    Das ist nicht mehr die Schweiz.Warum will unsere Regierung die Schweiz abschaffen?Das verstehe ich nicht.

    einklappen einklappen
  • Simba74 am 29.11.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kommt amigs gut und mängisch nicht

    denn die heitere Fahne ist wohl dem toten Mückerli zugespengstisch davon gehuudert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gero F am 03.12.2017 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Muttersprache

    Wieder ein Teil der Eidgenössischen Geschichte und Tradition zum Wohle von andersrsprachigen aufgeben. Damit Tür und Tor öffnen um noch mehr Immigranten in die Politik einzuschleusen. Wer nicht Mundart, nebst den andern schweizer Sprachen spricht hat NICHTS in der Politik zu suchen.

  • soisches am 01.12.2017 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Ja, das ist die Lösung, gib auch deine Sprache auf. Alles für die Eindringlinge.

  • Samichlaus am 30.11.2017 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    startet eine eine neue leidenschaftliche Diskussion der Dialektfans gegen die Hochdeutschler. Ein rechter deutschschweizer Volkssport.

  • Ferdi am 30.11.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Wenn die in Bern so Schriftdeutsch sprechen, wie viele hier schreiben, kann da auch die beste Software nichts erkennen.

  • Katja Wohmann am 30.11.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit der Hälfte die noch

    nicht integriert ist und diese Sprache nicht richtig kann? Haben die bei dem Beschluss auch mitgestimmt?

    • Berner Bär am 30.11.2017 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Katja Wohmann

      Ich wusste gar nicht, dass die im Grossen Rat sitzen.

    • D.N. am 01.12.2017 04:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Berner Bär

      Vielleicht noch nicht, aber sicher schon bald! Könnte mir lebhaft noch vorstellen, dass es nachher in Bern viel besser laufen würde.

    • Gruss aus Bern am 01.12.2017 09:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Berner Bär

      Der Stadtrat (Parlament) von Bern sitzt als Mieter im Saal des Rathauses von Bern, das dem Kanton Bern gehört, aber in der Stadt Bern steht. Etwas kompliziert, aber trotzdem wahr.

    einklappen einklappen