Projekt verworfen

27. November 2008 07:43; Akt: 27.11.2008 12:23 Print

Kein «Lift» aufs Jungfraujoch

Die Schnellverbindung per Lift zum Jungfraujoch bleibt eine Vision. Wegen zu hoher Kosten ist die Idee vom Tisch. Dank neuer Züge und einer zusätzlichen Kreuzung im Berg, wird sich die Reisezeit dennoch verkürzen.

Fehler gesehen?

Heutigen Gästen sei es ein Bedürfnis, für die Reise aufs Joch nicht mehr als einen halben Tag aufzuwenden, sagte Thomas Bieger, Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding AG auf Anfrage zu einer Mitteilung. Vor allem der Druck von Anbietern von Gruppenreisen sei gross.

Joch als Halbtagesausflug

Deshalb hatte sich die Jungfraubahn überlegt, wie die Reise zum Halbtagesausflug gemacht werden kann. Im vergangenen Februar stand dabei die visionäre Idee im Zentrum, die Reisenden aus dem Lauterbrunnental per Standseilbahn oder Lift in rund zwanzig Minuten auf das Joch zu befördern.

Ganz so schnell wird es nun nicht gehen. Aber die Strecke Grindelwald - Jungfraujoch retour wird dank der neuen Kreuzung im Raum der Station Eigerwand in 2 Stunden 34 Minuten statt gut drei Stunden zu schaffen sein.

Komfortablere Reise

Dank neuer Pendelzüge wird die Reise auch komfortabler. Die neuen Doppeltriebwagen werden mit einem Infotainment-System ausgerüstet. Die Jungfraubahn kann zudem kosteneffizienter fahren. Denn für einen Umlauf sind neu nur noch drei statt vier Züge nötig.

Der Umbau, der samt Planung rund sechs Jahre dauern wird, wird etappenweise vorgenommen, sodass der Betrieb nicht eingeschränkt wird. Danach sollen täglich 6000 Personen auf das Joch reisen können, heute liegt die Kapazität bei 4400. In den Sommermonaten wird diese Grenze schon heute erreicht.

Neben den baulichen Massnahmen an den Schienen soll deshalb auch die Bergstation, das Top of Europe, «sanft» vergrössert werden. Genaue Pläne dafür gebe es aber noch nicht, so Bieger.

Unter 100 Millionen Franken

Die Kosten für das Projekt namens Jungfrau-Premium liegen «deutlich unter 100 Millionen Franken». Dies sei ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis als bei den studierten Varianten, erläuterte Bieger weiter. Diese hätten laut einer Machbarkeitsstudie mit 460 bis 970 Millionen Franken zu Buche geschlagen.

Das ambitionierte Projekt mit Lift oder Standseilbahn war zwar zunächst nur auf rund 200 Millionen Franken geschätzt worden. «Der Tunnel selbst wäre auch gar nicht so teuer geworden», sagte Bieger. Besonders die nötige Erschliessung der neuen Talstation und deren Begleitmassnahmen hätten das Projekt jedoch massiv verteuert.

Jungfrau-Premium sei auch bedeutend einfacher zu realisieren als das Lift-Projekt es gewesen wäre. Umweltverbände hatten damals verhalten bis skeptisch auf die Pläne reagiert.

Unter anderem wurde auch die Frage aufgeworfen, ob es aus medizinischer Sicht überhaupt zu verantworten wäre, die Höhendifferenz von 2600 Metern in so kurzer Zeit zu überwinden. Die Machbarkeitsstudie beantwortete dies indes positiv.

(sda)