Kinderschänder William W.

01. Dezember 2018 11:14; Akt: 01.12.2018 11:14 Print

«Man stellt eine Sicherheit her, die es gar nicht gibt»

Das Bundesamt für Justiz hat die Lücke im Justizsystem im Fall William W. erkannt und fordert strengere Aufsichtsmassnahmen. Der Verteidiger von W. ist davon nicht begeistert.

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Sexualstraftäter William W. (Name der Redaktion bekannt) lebte in Freiheit, obwohl er wegen Sexualdelikten an fünf Kindern verurteilt war. Wie vergangene Woche bekannt wurde, hat er vor wenigen Wochen erneut zugeschlagen: Die Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Strafuntersuchung wegen sexueller Handlungen mit einem Kind.

Gemäss der Solothurner Staatsanwaltschaft gehe es im wesentlichen «um die Abklärung, ob der Beschuldigte einem achtjährigen Knaben in die Hose gegriffen und ihn am Glied berührt hat». Der Vorfall soll sich gemäss dem «Oltner Tagblatt» in einem Oltner Restaurant, das der Täter kürzlich als Pächter eröffnete und gleich neben einem Spielplatz und in der Nähe eines Kindergartens liegt, ereignet haben.

Der Aufschrei in der Bevölkerung und der Politik war nach Bekanntwerden des Falls gross. Alle fragten sich: «Weshalb war ein vorbestrafter Sexualstraftäter wie William W. auf freiem Fuss?»

Lücke im System erkannt

Jetzt ist bekannt: Das Bundesamt für Justiz hat die Lücke im Justizsystem im Fall William W. erkannt – und das bereits, bevor die Polizei den Straftäter erneut festgenommen hat. Gemäss der Zeitung veröffentlichte das Bundesamt in der gleichen Woche, in dem die Eskalation im Fall W. publik wurde, eine Analyse des Problems. Da im Bericht nicht explizit erwähnt wird, dass dieser eigens für den aktuellen Fall formuliert wurde, sei das Papier in der Debatte um William W. bisher nicht vorgekommen.

Das Bundesamt orientiere sich im Bericht an der deutschen Justiz. Vorgeschlagen werde eine neue Aufsichtsmassnahme für gefährliche Straftäter mit erhöhtem Rückfallrisiko. Mit dieser sollen die Justizbehörden nach einer Entlassung aus dem Gefängnis strengere Überwachungen und Kontrollen als heute anordnen können. Werden diese verletzt, könnten die Täter sofort wieder ins Gefängnis oder in die Psychiatrie eingewiesen werden.

«Es wird nur eine neue Illusion geschaffen»

Wie die Zeitung weiter schreibt, sehe William W.s Strafverteidiger Konrad Jeker, der wegen seines Klienten bereits beschimpft und bedroht wurde, jedoch schwarz, falls der Bundesrat den Vorschlag unterstützen sollte. Laut Jeker schaffe man damit nur eine neue Illusion: «Man tut so, als stelle man eine Sicherheit her, die es gar nicht gibt.» Das sei Aktionismus. Er warnt: «Wir können unser Land schon so weit bringen, dass niemand mehr in der Lage ist, etwas Verbotenes zu tun. Dann wird die Schweiz aber zu einem Gefängnis wie bei Dürrenmatt.»

Die Empörung, William W. sei zu wenig überwacht worden, hält Jeker für nicht gerechtfertigt, wie er gegenüber der Zeitung sagt: «Es laufen Tausende von verurteilten und potenziellen Sexualstraftätern frei in der Schweiz herum.» Es sei eine Illusion, zu glauben, man könne diese alle überwachen oder einsperren. Er sagt: «So schlimm es auch ist, wir müssen akzeptieren, dass es ein Risiko gibt, das wir nicht kontrollieren können.»

(rab)