Linsen unter Wasser

04. Januar 2016 12:04; Akt: 04.01.2016 12:04 Print

Knipsen im Bad erlaubt – Gäste sind alarmiert

Im Erlebnisbad im Westen von Bern darf neu wieder gefilmt und fotografiert werden. Trotz Auflagen stören sich Besucher und Politiker daran.

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Die Betreiber des Erlebnisbads Bernaqua haben im Dezember entschieden, das Film- und Fotoverbot aufzuheben. «Das Fotografieren und Filmen von fremden Personen sowie das Telefonieren ist verboten», steht neu in der Hausordnung. Badegast Nick Kittelmann hat dafür kein Verständnis: «Niemand kann kontrollieren, was mit den Aufnahmen geschieht.» Diese könnten etwa auf Pädophilen-Portalen oder anderen einschlägigen Internetseiten gestellt werden. Lediglich Erinnerungsaufnahmen von sich selbst und eigener Familienmitglieder seien erlaubt, entgegnet Sharon Zwahlen, Leiterin Kommunikation vom Bernaqua. «Ich bin erstaunt, dass das Verbot aufgehoben wurde», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Er hoffe schwer, dass das Personal die Situation beobachte und den Entscheid sofort rückgängig mache, sobald sich die Fälle häuften, in denen Badegäste gegen ihren Willen fotografiert werden. Im Erlebnisbad der Swiss Holiday Park AG in Morschach bei Brunnen (SZ) dürfen die Gäste Kameras auf sich tragen. Im Römisch-Irischen Thermalbad im Swiss Holiday Park in Morschach dagegen haben Fotokameras nichts verloren. Im Bad Schinznach sind alle elektronischen Geräte verboten. Im Aquarena fun im Bad Schinznach AG ist Fotografieren nicht erlaubt. Eltern, die ihre Kinder beim Planschen aufnehmen wollen, können sie aber laut Martin Allgäuer, Bereichsleiter Empfang Thermalbäder und Spa, beim Baby- und Kinderschwimmen in einem abgesonderten Teil der Poolanlagen von einem Fotografen ablichten lassen. Die Fahrt durch die Rutschbahn kann noch so spektakulär sein: Fotos dürfen im Aquarena fun im Bad Schinznach AG keine gemacht werden. Unangebrachte Fotos müssten die Gäste im Bad Swiss Holiday Park nicht befürchten: «Alles ist transparent und es gibt keine dunklen Ecken mehr», sagt Betreiber Walter Trösch. Seit dem Umbau habe sich niemand mehr belästigt gefühlt. Familien dürfen im Swiss Holiday Park auf der Kamera jeden Moment ihres Kindes festhalten.

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«Bitte Lächeln»: Im Erlebnisbad Bernaqua darf seit Dezember fotografiert und gefilmt werden – und zwar über wie auch unter Wasser. Die Betreiber haben im Dezember entschieden, das Film- und Fotoverbot aufzuheben. Dies stellte Besucher Nick Kittelmann aus Ostermundigen fest, als er und seine Freundin sich ein wenig Entspannung und Wellness gönnen wollten.

«Als wir eine Mutter sahen, wie sie mit dem wasserdichten Handy ihre Tochter beim Planschen filmte, schüttelten wir nur den Kopf», so Kittelmann. Er habe sich nicht viel dabei gedacht und weiter gebadet. Im dunkleren Solebad habe er dann jedoch einen jungen Mann an einer Unterwasserkamera hantieren sehen. «Da habe ich mich wirklich unbehaglich gefühlt», sagt Kittelmann.

Pädophilen- und Porno-Seiten

Als Kittelmann beim Bademeister nachfragte, erklärte ihm dieser, dass im Bad wegen zahlreicher Reklamationen der Besucher Aufnahmen unter gewissen Auflagen neu erlaubt seien.

Der 40-Jährige ist erstaunt, dass sich Badegäste über das geltende Verbot beschwert haben: «Niemand kann kontrollieren, was mit den Aufnahmen geschieht.» Diese könnten etwa auf Pädophilen-Portalen oder anderen einschlägigen Internetseiten gestellt werden. «Ich warte nur auf den Aufschrei, wenn sich jemand im Internet findet», so der Ostermundiger.

Keine Fremden im Bild

Die Regeln bezüglich der Aufnahmen seien sehr streng, sagt Sharon Zwahlen, Leiterin Kommunikation vom Bernaqua. Sie verweist auf Punkt 19 der Haus- und Badeordnung: «Das Fotografieren und Filmen von fremden Personen sowie das Telefonieren ist verboten.» Lediglich Erinnerungsaufnahmen von sich selbst und eigenen Familienmitgliedern seien erlaubt.

Politiker, die sich im Sommer für ein Kameraverbot in Badis starkgemacht hatten, reagieren skeptisch. «Ich bin erstaunt, dass das Verbot aufgehoben wurde», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Er hoffe schwer, dass das Personal die Situation beobachte und den Entscheid sofort rückgängig mache, sobald sich die Fälle häuften, in denen Badegäste gegen ihren Willen fotografiert werden.

«Gäste versuchten es heimlich»

Mit der neuen Regelung wolle das Bad Filmen und Fotografieren kontrolliert legalisieren, so Zwahlen: «Vorher haben es Gäste heimlich versucht und jetzt erlauben wir es mit klaren Regeln.» Die Hausordnung sei angepasst worden, nachdem Familien vermehrt ihren Unmut geäussert hatten, dass sie den Badeplausch ihrer Kinder nicht fotografieren durften.

Um Missbrauch zu vermeiden, würde auf den Überwachungskameras genau beobachtet, was die Gäste aufnehmen. Zwahlen: «Es ist eine Gratwanderung, aber wir müssen auch mit der Zeit gehen.»

Alle Geräte tabu

In Schweizer Erlebnisbädern gelten unterschiedliche Regeln. Auch im Aquarena fun im Bad Schinznach AG sind Fotos tabu. «Da man nicht abschätzen kann, mit welchen Geräten man Aufnahmen machen kann, sind alle elektronischen Geräte verboten», sagt Martin Allgäuer, Bereichsleiter Thermalbäder und Spa. Eine Aufhebung käme nicht in Frage. «Wir wollen niemandem die Chance geben, Gäste nackt oder unvorteilhaft zu fotografieren.»

Im Swiss Holiday Park in Morschach dagegen gilt das Kameraverbot laut Betreiber Walter Trösch nur in den Nacktzonen. «Wir haben so viele Eltern, die ihre Kinder beim Schwimmen fotografieren wollen, dass ein Verbot im Erlebnisteil keinen Sinn machen würde.» Unangebrachte Fotos müssten die Gäste nicht befürchten: «Alles ist transparent und es gibt keine dunklen Ecken mehr.» Seit dem Umbau habe sich niemand mehr belästigt gefühlt.

(cho/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • laruster am 04.01.2016 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötig

    Ich hatte noch nie das Bedürfnis ein Erinnerungsfoto im Bad zu machen... Verstehe das nicht

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  • Romantiker am 04.01.2016 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Erinnerungen

    Freue mich immer wieder, wenn ich die Erinnerungsfoto aus meiner Kinderzeit, welche meine Eltern in den 60er und 70er Jahren in den Ferien am Meer geknipst haben, anschaue. Schöne Zeit, da war die Welt noch in Ordnung und nicht geprägt durch ständig schmutzige Hintergedanken.

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  • Markus am 04.01.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Ich verstehe das Problem nicht. Müsste man das Fotografieren und Filmen am Strand auch verbieten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Angedras am 17.01.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich war ...

    Und werde nie in diesem Bad sein....

  • Lady C. am 05.01.2016 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Föteleverbot ok.

    Meine Mädchen (11+14) wurden letzter Sommer an der Aare auf eine sehr rafinierte Art von ein Perverser fotografiert. Bis die KAPO eingetreten ist,hatte er natürlich Zeit die Aufnahmen zu löschen. Weil ich Zeugen hatte,blieb ihm nichts anders übrig als zuzugeben. Nun ist er eingetragen in ein "spezieller Register" Ob in der Natur oder in Schwimmbäder,diese Typen sind überall,deswegen sag ich: ELTERN,AUGEN AUF!!

  • werner am 05.01.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anderer Grund

    Das Bad wird von mir schon länger nicht meht besucht. Nämlich seit ein Teil der Decke einstürzte und man sich kaum um die Opfer kümmerte.

  • Jan B am 05.01.2016 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Strand ist öffentlich

    Ein Bad in dem man Eintritt zahlt um es zu betreten, ist kein öffentlicher Raum . Die Betreiber bestimmen die Regeln , wie man sich in ihrem Bad benehmen muss. Es ist der Eigentümer der Photographieren erlaubt und somit ist er mitverantwortlich für jede daraus resultierenden Straftat und begünstigt diese mit der Erlaubnis dazu.

  • Dani am 05.01.2016 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halo Mutti, augen auf

    Sieht mal jemand, wie aufgetakelt, mit möglichst wenig Bekleidung und möglichst sexy, um die Blicke an sich zu reissen, die Girls provokativ auf der Stasse rumlaufen! Und denn macht ihr so ein geschiss wegen Kamaras in einem Hallenbad. Sorgende Eltern sollten sich mal gedanken machen wie sie ihre Töchter auf die Strasse lassen. Und in einem Hallenbad denke ich nicht, dass das nicht kontrolliert wird.