Notfall-Telefon

27. Juni 2018 11:43; Akt: 27.06.2018 12:11 Print

Könizer Schulen wappnen sich gegen Amokläufer

Die Berner Vorortstgemeinde Köniz rüstet sich gegen Amokläufe an ihren Schulen. Dies mit einem 100'000-fränkigen Telefonsystem.

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Könizer Schulen werden mit einem Notfall-Telefon ausgerüstet. Damit sollen die Berner Schulkinder vor allfälligen Amokläufen besser geschützt werden. Denn Amokläufe sind nicht nur ein tragisches Phänomen aus den USA... Auch in der Schweiz kam es in der Vergangenheit zu Amokläufen: So schiesst 2013 ein Amokläufer in der Kantine des Holzverarbeiters Kronospan in Menznau LU um sich. Drei Menschen sterben, sieben sind teils schwer verletzt. Unter den Toten ist auch der Täter. (Texte: SDA) Ebenfalls im 2013: Im Walliser 400-Seelen-Dorf Daillon erschiesst ein 33-jähriger Einheimischer drei Frauen und verletzt zwei Männer schwer. Die Polizei stoppt den IV-Bezüger und Waffensammler, der nach eigenen Angaben ein familiäres Problem regeln wollte, gewaltsam. In Schafhausen BE erschiesst ein 35-jähriger Schweizer 2011 bei der Zwangsräumung seiner Wohnung einen 39-jährigen Polizisten mit der Armeepistole. Einen weiteren Polizisten verletzt er am Oberarm. Der Täter war aus medizinischen Gründen aus der Armee entlassen, nicht aber ordentlich abgerüstet worden. Der 67-jährige Bieler Peter Hans Kneubühl wehrt sich 2010 gegen die Zwangsräumung seines Hauses. Als die Polizei anrückt, schiesst er auf einen Beamten und verletzt ihn schwer. Kneubühl flüchtet und hält die Polizei tagelang in Atem, bevor er gefasst wird. Die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet und ihr jüngerer Bruder Alain werden in Les Crosets VS vom getrennt lebenden Ehemann mit dessen Dienstpistole erschossen. Anschliessend begeht der Täter Suizid. Dies geschah im Jahr 2006. Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst 2004 nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte und richtet sich selber. Ein 43-jähriger Landwirt erschiesst 2004 in Escholzmatt LU seine Frau, seinen Bruder, dessen Gattin und den Sozialvorsteher. Dann richtet er sich selbst. Tathintergrund waren familiäre Probleme. Der 57-jährige Friedrich Leibacher erschiesst 2001 aus Wut auf die Behörden im Zuger Kantonsparlament 14 Personen mit einem Sturmgewehr und einer Repetier-Schrotflinte. Anschliessend erschiesst er sich selbst. 1993: Ein 54-jähriger Angestellter der Berner Bedag Informatik läuft am Arbeitsplatz Amok und erschiesst zwei Menschen, bevor er sich selber umbringt. Offenbar hatte er familiäre Probleme und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. In einer Bäckerei im Berner Murifeld erschiesst 1993 ein 53-Jähriger seinen Bruder (den Besitzer der Bäckerei), dessen Ehefrau und einen Mitarbeiter. Danach begeht er Suizid. Offenbar wollte der Besitzer seinen Bruder entlassen. Ein Italiener erschiesst in einem Amoklauf in Rivera TI mit einem Kalaschnikow-Halbautomaten sechs ihm bekannte Personen. Er erhängt sich fünf Tage später in der Gefängniszelle. (Bild: Trauerfeier für die Opfer, 7. März 1992) Ein in Geldnöten steckender Zürcher Bijoutier erschiesst bei einem Amoklauf in Zürich (Bild) und Rickenbach TG fünf Menschen, darunter seine Frau und beide Kinder. Zudem verletzt er vier Personen, bevor er sich selbst umbringt. Der Chef der Baupolizei der Stadt Zürich, Günther Tschanun, erschiesst nach Spannungen an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Hochbauamt vier Kollegen und verletzt einen fünften schwer. Er wird zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

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600 Klassenzimmer von Könizer Schulen werden mit einem Notfall-Telefon ausgerüstet. Damit sollen die Berner Schulkinder und deren Lehrer vor allfälligen Schiessereien geschützt werden. «Im Notfall können Lehrer und Schüler über dieses Telefon einen Alarm auslösen», sagt Urs Küenzi, Co-Leiter der Gemeindebauten Köniz, gegenüber Energy Bern.

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Der Hilferuf via Hörer löst aber nicht etwa eine laute Sirene aus: Bei der Installierung handelt es sich absichtlich um ein stummes System, das vom Angreifer nicht bemerkt wird. «Es heult nirgends eine Sirene, sondern man erhält ganz klare Anweisungen per Telefon, was zu tun ist», sagt Küenzi. Die Anweisungen gibt ein automatischer Telefonbeantworter. Hier können verschiedene Codes eingegeben werden, um die Art der Gefahr stumm zu übermitteln.

Kostenpunkt: 100'000 Franken

Die Handhabung des Amok-Telefons muss vorerst noch geübt werden: An zwei Schulen läuft bereits ein Test mit dem Alarmsystem. Die Kosten für den Amokalarm belaufen sich laut der Gemeinde auf rund 100‘000 Franken.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sina am 27.06.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Lustiger Witz

    Mehr als ein Witz, kann ich in solchen Ausgaben nicht sehen. Amokläufer sind nicht dumm. Sie wissen genau was sie tun und sie laufen dann so Amok, dass dieses Alarmsystem nichts nutzt. Und wenn kein Alarm ausgelöst wird, schreckt das auch einen Täter nicht ab. Alle Schüler haben Handys und können direkt der Polizei anrufen. So wie das bei allen Amokläufen in den letzten Jahren auch passiert ist. Die Ausgaben dafür sind sinnlos und könnte im Bereich Soziales ausgegeben werden, damit gar nicht erst einer zum Amokläufer wird. Die Ausgaben nutzen nur dem Verkäufer dieser Pseudosicherheitssysteme.

  • Giachen Capaul am 27.06.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfts?

    Die Frage die sich mir stellt: Was hilfts? Wenn jemals so etwas starten sollte dort, was wird denn genau verhindert? Bis alle Alarmketten ausgelöst und vor Ort sind, ist alles längst vorbei. Kein Amokläufer ist so doof, um nicht zu wissen, dass, egal ob ers nun selber direkt mitkriegt oder nicht, dass da Polizei u.ä. aufgeboten wird. Es wird kein einziges Opfer verhindert mit einem stillen Alarmtelefonsystem. Die Tat schon gar nicht.

  • branko am 27.06.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Okay...

    Aber Bitte Bitte!!! Den Lehrern und Schülern erklären und nicht nur kurz sondern jedes Jahr, wie es richtig bedient wird. Sonst wird es nur eine Sehr Teure Deco.

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  • branko am 27.06.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Okay...

    Aber Bitte Bitte!!! Den Lehrern und Schülern erklären und nicht nur kurz sondern jedes Jahr, wie es richtig bedient wird. Sonst wird es nur eine Sehr Teure Deco.

  • Giachen Capaul am 27.06.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfts?

    Die Frage die sich mir stellt: Was hilfts? Wenn jemals so etwas starten sollte dort, was wird denn genau verhindert? Bis alle Alarmketten ausgelöst und vor Ort sind, ist alles längst vorbei. Kein Amokläufer ist so doof, um nicht zu wissen, dass, egal ob ers nun selber direkt mitkriegt oder nicht, dass da Polizei u.ä. aufgeboten wird. Es wird kein einziges Opfer verhindert mit einem stillen Alarmtelefonsystem. Die Tat schon gar nicht.

  • Sina am 27.06.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Lustiger Witz

    Mehr als ein Witz, kann ich in solchen Ausgaben nicht sehen. Amokläufer sind nicht dumm. Sie wissen genau was sie tun und sie laufen dann so Amok, dass dieses Alarmsystem nichts nutzt. Und wenn kein Alarm ausgelöst wird, schreckt das auch einen Täter nicht ab. Alle Schüler haben Handys und können direkt der Polizei anrufen. So wie das bei allen Amokläufen in den letzten Jahren auch passiert ist. Die Ausgaben dafür sind sinnlos und könnte im Bereich Soziales ausgegeben werden, damit gar nicht erst einer zum Amokläufer wird. Die Ausgaben nutzen nur dem Verkäufer dieser Pseudosicherheitssysteme.