Schwarzhorn

01. Dezember 2016 05:46; Akt: 01.12.2016 05:46 Print

Kontroverse um Störung des Wildes im Oberland

Der Kanton sperrt aus Gründen des Wildschutzes drei Skitourenrouten am Schwarzhorn. Doch für viele sind dort nicht Wimntersportler das Hauptproblem, sondern Kampfjets.

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Für Skitourengänger sinkt die Routenvielfalt am Schwarzhorn. (Bild: Grindelwald Sports AG)

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Schon seit längerer Zeit wird in der Region rund ums Schwarzhorn über den Wildschutz diskutiert. Das bekommen nun vor allem Skitourengänger zu spüren: Der Kanton Bern hat unlängst beschlossen, im Gebiet drei Skitouren- und Schneeschuhrouten definitiv zu sperren.

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Der Luftraum über dem betroffenen Gebiet wird allerdings immer wieder von F/A-18- und Tiger-F5-Fliegern des Schiessplatzes Axalp-Ebenfluh genutz. Dies erzürnt regelmässig sowohl Einheimische als auch nationale Organisationen.

Schiessbetrieb für Tiere störend

«Es ist doch komplett verlogen, wenn Routen ‹zum Schutz des Wildes› in einem Gebiet verboten werden, das als Fliegerschiessplatz genutzt wird», meint ein Leser in der lokalen «Jungfrau Zeitung». Denn die Luftwaffe verursache mit ihrem Schiessbetrieb vor Ort die mit Abstand grössten Lärmimmissionen.

Ähnlich klingt es bei der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness. «Prinzipiell lehnen wir sinnlose Fliegerei und Schiesserei im Gebirge natürlich ab. Dies ist störend für Tier und Mensch», sagt Tim Marklowski, Projektmitarbeiter Bergsport. Skitouren seien hingegen naturverträglich möglich, sofern Wildruhezonen gemieden würden.

Auch bei den Alpinschulen sieht man die Schneesportler nicht als die eigentlichen Störefriede. «Skitourengänger, die mit einem professionellen Bergführer unterwegs sind, bewegen sich ausschliesslich in dafür vorgesehenen Spuren», sagt Regina Hauser von der Alpinschule Tödi. So würden die Tiere von den «Tüürelern» nicht gestört. Der naturverbundene Berggänger sei kein Feind der Wildtiere, sondern habe Achtung für sie.

Gämse und Schneehuhn schützen

Auch Anita Rossel von der Alpinschule Bergfalke ist verärgert über den Entscheid der Volkswirtschaftsdirektion – zumal die Zahl an Berggängern leicht steige. «Immer mehr Berggänger müssen sich immer weniger Routen teilen. Irgendwann wird es einfach zu eng», sagt sie. Wenn es so weitergehe, habe man irgendwann nur noch geschlossene Berggegenden.

Zum Vorwurf, die Flieger des Schiessplatzes Axalp-Ebenfluh würden durch ihren Lärm das Wild mehr stören als die Schneesportler, meint Luftwaffe-Sprecher Jürg Nussbaum nur: «Wir fliegen an 20 bis 22 Tagen pro Jahr. Das Training ist notwendig, um den Auftrag der Luftwaffe zu erfüllen».

Konkret von der Schliessung betroffen sind die Überschreitung der Gärstenlücke, der Südaufstieg zum Bandspitz und der Westgipfel des Grindelgrates, die Scheeniwanghörner. Laut der Volkswirtschaftsdirektion haben Ski- und Schneeschuhtouren in diesem Gebiet teilweise stark zugenommen. Mit der Schliessung will der Kanton verhindern, dass im Jagdbanngebiet zwischen Grindelwald und Brienz Wildtiere wie die Gämse oder das Schneehuhn weiter zurückgedrängt werden.


(sul)

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