Gefährliche Stoffe im Wasser

12. Dezember 2019 17:59; Akt: 12.12.2019 18:13 Print

«Wir sind froh, dass der Bund gehandelt hat»

In vielen Bezirken des Kanton Solothurn wurden Stoffe im Trinkwasser gefunden, die krebserregend sein könnten. Nun hat der Bund reagiert und Chlorothalonil verboten.

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Chlorothalonil wird seit 1970 gegen Pilzbefall in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzt. Ab 2020 darf das Fungizid nun nicht mehr verwendet werden. Grund: Das Abbauprodukt Chlorothalonil-Sulfon-Säure findet sich heute in rauen Mengen im Schweizer Grundwasser. Der Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Bereits im Sommer sorgte das Mittel für Schlagzeilen: Abbauprodukte des Gifts überschritten die Grenzwerte im Trinkwasser von verschiedenen Schweizer Gemeinden. Alleine im Kanton Solothurn sind mindestens 18 Gemeinden und 90'000 Personen davon betroffen. Wie viele Ortschaften schweizweit betroffen sind, ist unklar. Solothurn ist einer der wenigen Kantone, der Zahlen dazu offenlegt.

Drei Wasserversorgungen stillgelegt

«Im Bezirk Wasseramt liegen für rund 75 Prozent des Trinkwassers die Konzentrationen im Bereich des Höchstwertes oder darüber», sagt Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser des Solothurner Amts für Umwelt. In manchen Bezirken seien es sogar 85 Prozent. «Drei Wasserversorgungen im Kanton Solothurn mussten wegen Rückständen von Chlorothalonil-Sulfon-Säure bereits ausser Betrieb genommen werden», so Staufer. Die Betroffenen würden das Wasser nun über andere Bezugspunkte erhalten.

Die Abbauprodukte des Fungizids werden wohl nicht so schnell aus dem Grundwasser verschwinden: «Es muss leider davon ausgegangen werden, dass die Belastung noch längere Zeit anhält», sagt Staufer. Die Behörde begrüsst daher das Verbot: «Wir sind froh, dass der Bund in der Sache gehandelt hat. Das Verbot von Chlorothalonil ist der mit Abstand wichtigste Schritt zur Lösung des Problems», sagt Staufer.

Günstig und effizient

Auch der Bauernverband des Kantons Solothurn begrüsst die Massnahme. Der Verband würde die Bauern schon seit längerer Zeit dazu ermutigen, die nächste Saison mit alternativen Produkten und Anbaumethoden zu planen.

Für die Bauern Solothurns eine neue Herausforderung: «Mittel mit Chlorothalonil waren sehr günstig; die Wirkung sehr gut. Der Gebrauch von alternativen Produkten könnte sich auf die Produktionskosten der Bauern auswirken. Ausserdem könnten sich auch Resistenzen bilden», sagt Sprecher Edgar Kupper. Oftmals würden die Landwirte auf diesen Kosten sitzen bleiben. «Die Landwirtschaft ist jedoch stark darum bemüht, diese Herausforderung anzunehmen und die Umwelt durch die Produktion nicht zu belasten.»

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 12.12.2019 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Umdenken beim Bund

    Es wurde gerade einmal 1 Giftstoff verboten. Und das nach Jahren der Kritik und unter Druck zweier Initiativen. Wer denkt beim Bund hätte ein Umdenken stattgefunden irrt. Nur die Annahme der Initiativen wird die Vergiftung der Böden und des Grundwassers stoppen.

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  • Lesani am 12.12.2019 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe die Bauern nicht

    Finden Bauern, dass sich 90'000 Menschen einer gefährlichen Substanz aussetzen müssen, nur damit sie keine Einbussen haben? Quasi das Bauernopfer spielen?

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  • Lahme am 12.12.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Warum jetzt erst? Hat die EU schon länger gemacht, wieso ist man hier immer hinterher?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daisydream am 13.12.2019 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenigstens einer

    Es gäbe noch viele Giftstoffe, die verboten werden müssten. Aber offenbar ist dem Bund die Wirtschaft und Gewinn wichtiger als die Gesundheit der Bevölkerung. Und das ist keineswegs eine neue Erkenntnis.

  • Heidi am 13.12.2019 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Annahme der Abstimmungen gegen Pestizide

    Lieber das Essen wird 10% teurer, als dass wir alles zu Tode vergiften, uns inklusive! Anname der nächsten zwei Abstimmungen gegen Herbizide und Pestizide sind Voraussetzung dafür. Lasst euch keine Angst einjagen. Die Pharma steckt dahinter.

  • Mitmensch am 13.12.2019 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltigkeit

    Und die Böden sind noch bis jahrzehntelang verseucht, Grundwasser kontaminiert. Wie konnte man nur so oberflächlich sein - bis jetzt...

    • Fritz am 13.12.2019 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Mitmenschen

      Glyphosat und andere Gifte sind noch immer erlaubt. Von Umdenken beim Bund ist noch keine Rede. Das Vergiften von Gemüse, Böden, Wasser geht weiter.

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  • Fnord am 13.12.2019 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh gefreut?

    Mal schauen ob die EU uns noch einen Strich durch die Rechnung macht wie z.B. in Österreich.

    • Fritz am 13.12.2019 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Fnord

      Die EU ist dabei weiter als wir und hat viele Gifte bereits verboten welche bei uns noch immer erlaubt sind. Chlorothalonil beispielsweise ist bereits auf dieser Verbotsliste.

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  • Heidi Heidnisch am 13.12.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der 1.Schritt von 1000 Meilen

    Das war mal das erste Schrittchen. Jetzt weiter im Text und weg mit Glyphosat.

    • Fritz am 13.12.2019 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Leider hat der Bund versucht die Grenzwerte für Glyphosat dieses Jahr um Faktor 100 zu erhöhen. Erst als es in der Presse publik gemacht wurde krebsten sie zurück.

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