Nazi-Raubkunst

12. Oktober 2014 09:10; Akt: 12.10.2014 09:11 Print

Kunstmuseum Bern nimmt Gurlitt-Bilder an

Das Berner Kunstmuseum will das Erbe von Cornelius Gurlitt akzeptieren. Allerdings sollen nur Werke in die Schweiz kommen, die von Rückgabe-Forderungen befreit sind.

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Die Gurlitt-Bilder sollen nach Bern kommen. Gurlitt hatte kurz vor seinem Tod die wertvolle Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Doch auch Gurlitts Cousine Uta Werner machte Ansprüche auf das Erbe geltend. Das Berner Kunstmuseum, im Bild Direktor Matthias Frehner, kann das Erbe antreten. 2014 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Beschlagnahmung der Bilder aufgehoben wird. Cornelius Gurlitt wurde im November 2013 von «Paris Match»-Journalisten beim Einkaufen in München fotografiert. Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen. (18.11.2013). Der angeblich untergetauchte Kunsthändler hatte sich die ganze Zeit in seiner Münchner Wohnung aufgehalten, aber nie auf das Klingeln reagiert. Die Polizei präsentierte den Medien einige der Bilder am 5. November 2013: , Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg. . In der Münchner Sammlung wurden weitere Zeichnungen und Skizzen Liebermanns gefunden. In der Münchner Wohnung des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt stellten Zollfahnder im Frühling 2012 über 1400 während der Nazi-Zeit verschollene Kunstwerke sicher. Weil Gurlitt in Deutschland nicht gemeldet war, dauerte es Monate, bis die Behörden seine Wohnung fanden (im Bild: Die Eingangstür zum Haus in München). Bei den Bildern handelte sich unter anderem um Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Albrecht Dürer. Die Sammlung soll einen Wert von rund einer Milliarde Euro haben. So hat auch die Berner Galerie Kornfeld (im Bild der Besitzer Eberhard Kornfeld) Bilder von Gurlitt verkauft. Nach dem Verkauf des «Löwenbändigers» vermuteten die Ermittler, dass Gurlitt noch weitere Verstecke mit Kunstwerken hatte. Später kamen sie von dieser Theorie ab. Die deutschen Behörden fragten in den Sechzigerjahren bei der Witwe nach den Bildern. Doch Helene Gurlitt behauptete, alle Gemälde und Unterlagen seien bei einem Bombardement in Dresden verbrannt.

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Bis zum 26. November hat das Berner Kunstmuseum Zeit, über die Annahme des Erbes von Cornelius Gurlitt zu entscheiden. Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, sei der Entscheid allerdings bereits gefallen: Das Kunstmuseum wird das Erbe akzeptieren. Die Zeitung bezieht sich auf «gut unterrichtete Quellen», welche sicher sind, dass nur noch Details ausgehandelt werden müssen.

Die Vereinbarung mit Deutschland siehe vor, dass nur Bilder in die Schweiz, die von Rückgabeforderungen ausgeschlossen werden können. Der deutsche Staat übernimmt die Recherche, um rechtmässige Erben von gestohlenen Gemälden zu finden. Im Gegenzug will Bern einige Bilder, die zur «entarteten Kunst» gezählt werden, deutschen Museen dauerhaft ausleihen.

Kunstmuseum will nicht bestätigen

Eine offizielle Bestätigung über die Erbannahme steht aber noch aus. Für das Kunstmuseum Bern sei es noch zu früh: «Die Gespräche mit der BRD und dem Freistaat Bayern verlaufen konstruktiv, sind aber noch nicht abgeschlossen», sagt Museumspräsident Christoph Schäublin.

Cornelius Gurlitt war der Sohn von Hildebrand Gurlitt, der als einer von vier Kunsthändlern Adolf Hitlers für das NS-Regime mit Kunst handelte. Seit dem Tod des Vaters hütete Sohn Cornelius die umfangreiche Kunstsammlung. In dessen bescheidener Wohnung in Schwabing bei München stiessen die Ermittler auf eine millionenschwere Kunstsammlung. Nach seinem Tod am 6. Mai tauchte ein Testament auf, welches das Kunstmuseum Bern als Erben vorsieht.

(dia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Büne Weber am 12.10.2014 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hurra

    Ich freue mich sehr darauf die Kunstwerke in Bern betrachten zu können! Erst noch mit einem guten Gewissen, da die Herkunft untersucht wird.

  • Kunstsammler am 12.10.2014 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gier!

    "Die Vereinbarung mit Deutschland siehe vor, dass nur Bilder in die Schweiz, die von Rückgabeforderungen ausgeschlossen werden können." Der deutsche Staat tut alles um die Bilder nicht hergeben zu müssen, man stelle sich vor, die Kollektion Bührle würde "bis auf weiteres" beschlagnahmt werden.

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  • Luzi am 12.10.2014 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst für Alle, nicht für wenige!

    Im Louvre sind Kunstobjekte aus Alt-Agypten zu sehen. Fast jedes kleine oder grosse Museum zeigt Objekte aus anderen Ländern, Gräbern, teils sogar mumifizierte Körper etc. und in Bern macht man sich Gedanken über Raubkunst. Ich wage mal zu behaupten, dass weit über 50% der weltweit ausgestellten Exponate auf fragwürdige Weise den Weg in die Museen gefunden haben. Lieber Kunst (auch Raubkunst) öffentlich für viele Leute zugänglich machen, als in privaten Räumen austellen, wo sie nur von wenigen "Auserwählten" gesehen werden kann. Kunst ist Kultur und Kultur gehört allen Menschen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tomy am 12.10.2014 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko sollen Verantwortliche übernehmen

    Wenn das in die Hose geht soll der liebe Herr Direktor mit seinem Privatvermögen haften. Ebenfalls alle Entscheidungsträger in dieser Sache vom Museum und Stadt, dann ist die Annahme kein Problem.

  • #charlotte am 12.10.2014 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fragwürdig

    Es kann ja wohl nicht alles Raubkunst sein, denn es gibt auch noch Katholiken und Protestanten, die Bilder besessen haben, oder nicht??

  • Luzi am 12.10.2014 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst für Alle, nicht für wenige!

    Im Louvre sind Kunstobjekte aus Alt-Agypten zu sehen. Fast jedes kleine oder grosse Museum zeigt Objekte aus anderen Ländern, Gräbern, teils sogar mumifizierte Körper etc. und in Bern macht man sich Gedanken über Raubkunst. Ich wage mal zu behaupten, dass weit über 50% der weltweit ausgestellten Exponate auf fragwürdige Weise den Weg in die Museen gefunden haben. Lieber Kunst (auch Raubkunst) öffentlich für viele Leute zugänglich machen, als in privaten Räumen austellen, wo sie nur von wenigen "Auserwählten" gesehen werden kann. Kunst ist Kultur und Kultur gehört allen Menschen.

  • Oma am 12.10.2014 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Hallo??

    Typisch. Woher kommt das Geld bei soviel Schulden? Wahrscheinlich vom Finanzausgleich. Sind sich die Herren bewusst auf was sie sich hier einlassen ? Aber eben es geht wieder um Kunst.

  • Büne Weber am 12.10.2014 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hurra

    Ich freue mich sehr darauf die Kunstwerke in Bern betrachten zu können! Erst noch mit einem guten Gewissen, da die Herkunft untersucht wird.